Am 29. April 1993 unterzeichneten der Außenminister der Republik Kasachstan, Tuleutai Suleimenov, und Hans-Jochen Vogel, ehemaliger Bundesminister der Bundesrepublik Deutschland sowie Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei und Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Ebert-Stiftung, ein Abkommen. Dies markiert den Beginn der Tätigkeit der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Kasachstan.

In dem Abkommen vereinbarten das Außenministerium Kasachstans und die FES, dass die Stiftung in der Absicht, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Kasachstan und Deutschland zu vertiefen, und in dem Wunsch, die wirtschaftliche, soziale und wissenschaftliche Entwicklung in Kasachstan zu unterstützen, ihre Arbeit aufnimmt.

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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des FES-Büros in Almaty. | © Alla Portnych

Diese umfasst folgende Tätigkeiten: die Förderung eines Dialogs zwischen sozialen und politischen Gruppen, Verbänden und Gewerkschaften sowie Einzelpersonen; die Unterstützung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene in Zusammenarbeit mit den jeweiligen kasachischen Partnern; die Organisation von nationalen und internationalen Konferenzen, Workshops, Seminaren und Fortbildungskursen; die Förderung des Experten- und Erfahrungsaustausches.

Auch heute noch beschreibt dieses Abkommen sehr gut die Aktivitäten der FES in Kasachstan. Dabei haben sich die Schwerpunkte der Arbeit natürlich den Gegebenheiten im Land angepasst.

Seit etwas mehr als 25 Jahren arbeitet die FES daran, einen Beitrag zur Entwicklung Kasachstans und Zentralasiens zu leisten. In den ersten Jahren leisteten die Vertreter_innen der Stiftung immer wieder auch humanitäre Beiträge. Schnell konnte sich die Stiftung aber auf ihre Kernanliegen ausrichten. Sie organisierte Trainings für Gewerkschaften, Frauenorganisationen und Journalisten zu den Themen Arbeitnehmerrechte, Gleichberechtigung der Geschlechter und Pressefreiheit.

Auch ökologische Themen, wie z. B. die Rettung des Aralsees, wurden bearbeitet. Schon Mitte der 1990er gab es zudem politische Dialogveranstaltungen. Unter anderem wurde das Verhältnis der ethnischen Minderheiten und Sprachgruppen in Kasachstan diskutiert – ein Thema, das auch heute noch aktuell ist. Die Stiftung griff auch wirtschaftliche Themen auf, oft verbunden mit einem Fokus auf eine sozialgerechte Entwicklung. Zum Beispiel wurden Reformen im Sozialversicherungssystem thematisiert.

Im neuen Jahrtausend – auch ausgelöst durch den Krieg in Afghanistan – rückte die Sicherheitspolitik ins Blickfeld der Stiftungsarbeit sowie das Thema der regionalen Zusammenarbeit der zentralasiatischen Länder. Seit der Eröffnung des Büros in Astana unterstützt die FES auch Reformen im Rechtsbereich. Gemeinsam mit den entsprechenden Partnern arbeitete die Stiftung unter anderem an Reformen im Verwaltungsrecht sowie Jugendstrafrecht.

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Generalkonsul Jörn Rosenberg beim Empfang zum 25. Jubiläum der FES in Almaty. | © Alla Portnych

Die Arbeit mit der Zivilgesellschaft bildet weiterhin den Kern der Tätigkeit der FES in Kasachstan. In diesem Jahr organisierte die FES zum Beispiel verschiedene Fortbildungsveranstaltungen für Gewerkschaften. Mit der Union der Frauenkrisenzentren wurde ein Seminar veranstaltet, in dem deutsche Expert_innen über die Arbeit mit Tätern häuslicher Gewalt berichteten. Die FES unterstützte Diskussionsveranstaltungen der kasachischen Jugendorganisation MISK. Gemeinsam mit Vertreter_innen aus dem Bildungs- sowie Medienbereich wurde das Thema Inklusion bearbeitet. Zusammen mit Partnern aus dem akademischen Bereich wurden Konferenzen zu dem Themen Sozialstaatsmodelle, Regionalisierung Zentralasiens sowie Digitalisierung öffentlicher Räume und ihre Risiken durchgeführt. Aber die FES arbeitete auch mit staatlichen Institutionen.

So wurden unter anderem Fortbildungen für Richter_innen und Staatsanwält_innen zu UN-Rechtskonventionen durchgeführt. Dabei lädt die FES nicht immer deutsche oder europäische Referent_innen ein, sondern arbeiten intensiv mit Expert_innen aus Kasachstan und der Region zusammen. Denn den Austausch zwischen den zentralasiatischen Ländern voranzutreiben, ist ein wichtiges Ziel für uns.

Die Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden erlaubt es zudem, den Dialog zwischen Staat und Zivilgesellschaft in Kasachstan zu suchen und einen konstruktiven Austausch zu ermöglichen. Darüber hinaus versucht die Ebert-Stiftung auch, zur soziologischen Forschung beizutragen. 2015 konnte zum ersten Mal eine Studie zu den Einstellungen von Jugendlichen in vier zentralasiatischen Ländern durchgeführt werden. Diese Studie kann Lehrern, Politikern, Journalisten und zivilgesellschaftlichen Akteuren wichtige Aufschlüsse darüber geben, wie die Jugendlichen heute denken. Die Ergebnisse wurden in Kasachstan mit großem Interesse aufgenommen und die Stiftung plant, diese Studie schon im nächsten Jahr zu wiederholen.

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Dirk Wiese, Koordinator für die zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Russland, Zentralasien und den Ländern der Östlichen Partnerschaft. | © Alla Portnych

Kasachstan war das erste zentralasiatische Land, mit dem die FES ein Kooperationsabkommen unterzeichnete, und im selben Jahr 1993 wurde in Almaty auch das erste Büro in der Region eröffnet. Dies verdeutlicht, welche Bedeutung Kasachstan schon damals in der Region einnahm und welche Bereitschaft es zeigte, seine Entwicklung ambitioniert zu verfolgen und dabei ausländische Erfahrungen zu berücksichtigen. Zu dem bis heute bestehenden Büro der FES in Almaty kam im Jahr 2006 ein kleineres Büro in Astana hinzu, um dem Umzug der politischen Institutionen in die neue Hauptstadt Rechnung zu tragen.

Während Kasachstan in den 1990er Jahren als Transformationsstaat vor sehr großen Herausforderungen hinsichtlich der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung stand, konnte es in den Jahren nach 2000 von seinem Ressourcenreichtum profitieren und zu einem upper middle income country aufsteigen. Kasachstan ist heute ein Stabilitätsanker in der Region, das zu seinen Nachbarstaaten und internationalen Partnern friedliche Beziehungen pflegt und sich auf internationaler Ebene als Mediator einsetzt. Doch immer noch profitieren Kasachstan und Deutschland von einem Erfahrungsaustausch.

Die FES ist stolz darauf, dass sich über 25 Jahre sehr enge und vertrauensvolle Beziehungen zu den Partnerorganisationen aus Zivilgesellschaft und Staat entwickelt haben. Gerne führen wir diese gute Zusammenarbeit fort.

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