Die 34-jährige Alix Langrebe kommt aus Köln. Sie ist Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts in Almaty und hat einen Doktor in Geschichte. Im Gespräch mit Autorin Assel Tulepowa spricht sie über das Thema „Frau und Gesellschaft.“

Assel Tulepowa ist 20 Jahre alt und studiert an der Pädagogischen Hochschule Pawlodar in Kasachstan Englisch und Deutsch. „Der richtige Umgang mit Informationen ist nicht nur für Journalisten ein Muss.“

Welche Ziele und Aufgaben haben Sie als Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts in Almaty?

Wir organisieren Sprachkurse und Projekte in der Bildungskooperation, dabei möchten wir besonders gerne die jungen Leute fördern. Ich bin viel unterwegs, und mir ist eine gute Qualität meiner Arbeit wichtig.

Wie können Frauen in Deutschland ihre Probleme in der Familie lösen?

In Deutschland werden Probleme in der Familie meistens von der Frau und dem Mann zusammen gelöst. Ich glaube, dass sie sich in allen Fragen, die die Familie angehen, gegenseitig unterstützen sollten. In einer modernen Gesellschaft kann Familienleben meist nur dann funktionieren, wenn Ehepartner gleichberechtigt sind. Es sei denn, sie wählen freiwillig ein traditionelles Modell, aber das ist jetzt schon selten geworden.

Welche Unterschiede gibt es bei Rechten, Gesetzen und Verpflichtungen von Frauen zwischen Europa und Asien?

Das sind sehr große Unterschiede. Man kann sagen, daß die Frauen in Deutschland manchmal sogar emanzipierter sind als die Männer. Sie ziehen Freiheit und Unabhängigkeit vor. Häufig steht an erster Stelle die Karriere, dann kommt die Familie, andere können das sehr gut verbinden. In Asien ist das doch etwas anders. Bisher habe ich das so erlebt, dass Frauen sich nach der Meinung der Männer richten, was bei uns nicht mehr üblich ist.

Was denken Sie über die Gleichberechtigung? Welche Frauenschutzgesetze gibt es?

Ich glaube, dass in Deutschland die meisten für die Gleichberechtigung sind, schließlich ist sie eigentlich auch im Grundgesetz verankert. Trotzdem existiert sie auch immer noch nicht zu 100 Prozent in unserer Gesellschaft, daran muß auch in Deutschland noch gearbeitet werden. Aber es gibt natürlich Sonderförderprogramme für Frauen, und es wird auch versucht, mit Hilfe der Regierung den Frauen die Verbindung von Beruf und Familie leichter zu machen. Aber in der Hinsicht ist Frankreich zum Beispiel schon viel weiter als Deutschland.

Die Emanzipationsbewegung ist in Deutschland aktuell?

Der Emanzipationsbewegung wurde vor 20 Jahren etwa viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt, weil sie damals auch viel kontroverser war. Aber auch jetzt gibt es sie noch, und sie ist auch immer noch notwendig, auch wenn viele Ziele schon erreicht worden sind. Aber angesichts der Tatsache, dass es auch immer wieder Gegenbewegungen dazu gibt, würde ich sagen, dass man da nicht locker lassen sollte. Sonst könnte auch vieles verloren gehen. Außerdem gibt es ja auch Minderheiten in den einzelnen Gesellschaften, und auch die können sich von der Emanzipationsbewegung der Frauen etwas abgucken.

Frau Landgrebe, vielen Dank für das Gespräch.

24/08/07

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