Anlässlich des Auftritts der Rockgruppe „Fotos“ in Almaty organisierte eine Gruppe einheimischer Studenten eine Stadtführung für die Musiker aus Deutschland. Die Stars waren entgegen der Befürchtung gar nicht arrogant, und die kasachischen Studenten wurden zu Fans.

Etwas nervös standen wir an einem kalten Februarmorgen vor dem Hotel. Als „Almateam“ hat unsere Studentengruppe schon einige Gäste mit den Sehenswürdigkeiten Almatys vertraut gemacht. Doch unsere heutige Gruppe war etwas Besonderes. „Sie sind Stars, Stars aus Europa, wahrscheinlich sind sie etwas arrogant“, flüsterten wir uns gegenseitig zu, als wir auf die Mitglieder der deutschen Rockgruppe „Fotos“ warteten.

Taktvolle Rockmusiker

Wie man sich doch täuschen kann: als sie dann vor uns standen, erwiesen sich die Bandmitglieder nicht nur als nette, angenehme und humorvolle Jungs – sie waren auch überaus taktvoll. Nach ihrem Vorwissen über Kasachstan befragt, wussten sie, dass das Land über ein riesiges Territorium bei gleichzeitig sehr geringer Bevölkerungszahl verfügt. Als wir sie dann fragten, ob sie den Film „Borat“ gesehen hätten, lächelten sie etwas verwirrt. „Ja“, sagten sie, um eilig hinzuzufügen: „Aber wir wissen, dass das Bild falsch ist.“

Wir begannen unsere Stadtführung mit einer Taxifahrt, die auf die Musiker großen Eindruck machte, wie sie im Interview (s.u.) erzählten. Von der obersten Etage eines Hochhauses bewunderten wir das Panorama Almatys: den Fernsehturm „Kok Tobe“, das Hotel „Kasachstan“, das Bankenzentrum „Nurlytau“, die Abai-Oper und natürlich die Berge. Der interessanteste Teil der Führung war jedoch der Besuch auf dem Grünen Basar.

„Hallo, Landsmann! Wie geht’s?“, wurden unsere Gäste von eifrigen Verkäufern begrüßt, die sie heranwinkten und ihnen Leckerbissen zum Probieren anboten. Große Augen machten sie in der Fleisch-Abteilung: „Hier gibt es Schweinfleisch“, – „Ok, eine ganze Schweinestraße! Und das hier ist die Vogelstraße?“

Deutsche Rockmusik ist mehr als Rammstein

Wir lachten sehr viel auf unserer Führung. „Gibt es eigentlich kasachische Croissants?“, fragten uns die Musiker, als wir gemeinsam in einem Café saßen. Unseren „kasachischen Croissant“, den Baurssak, hatten sie leider noch nicht probiert. Dafür aß Bandmitglied Christoph auf dem Basar kasachischen Kurt, der sich zu seiner Überraschung als ziemlich fest erwies.

Nachdem wir am folgenden Tag das Konzert der Gruppe besuchten, wurden wir endgültig zu den kasachischen Fans von „Fotos“: die Jungs waren nicht nur superfreundlich, sondern auch supertalentiert. Und ich bin froh, gelernt zu haben, dass deutsche Rockmusik nicht nur aus „Rammstein“ besteht, die ich bislang mit diesem Begriff verknüpfte. Ein Lied von Rammstein spielte die Band dann zum Schluss allerdings doch noch – mit dem augenzwinkernden Hinweis darauf, dass sie wüssten, wer in Kasachstan die populärste deutsche Rockgruppe sei…

Bereits nach Abschluss unserer Stadtführung gaben uns Bandmitglieder Thomas und Benedikt sowie Manager Christoph folgendes Interview:

Welchen Eindruck habt ihr von der Stadt bekommen?

Benedikt: Ich fand es wirkllich schön. Es ist sehr kalt, aber trotzdem ist es hier sehr freundlich. Auf den Straßen herrscht eine positive Stimmung unter den Menschen, auf dem Basar, den wir besucht haben, haben sie viel gelächelt. Und ich mag die Flagge von Kasachstan sehr gerne!

Thomas: Ich komme aus Berlin, und in Almaty fühle ich mich ein bisschen wie in Berlin.

Benedikt: Das stimmt.

Thomas: Also es ist kalt, rutschig, blass und die Menschen fahren auch Auto wie in Berlin…
Christoph: Ich fand es auch sehr schön, aber es war, natürlich, wirklich kurz. Es wäre schön gewesen, hier ein bisschen mehr Zeit zu haben. Aber der erste Eindruck ist, auf jeden Fall, sehr gut. Den Basar fand ich sehr schön!

Was ist ihnen besonders aufgefallen?

Benedikt: Sehr interessant finde ich diese Taximentalität. Praktisch jeder Mensch, der ein Auto hat, kann Taxi fahren. Das ist mir erst mal in Erinnerung geblieben. Und es war sehr schön, dass auf dem Basar jeder Gang auf eine Sorte Fleisch spezialisiert ist, ich fand das sehr gut!

Christoph: Ich glaube auch, dass es eine tolle Idee ist, dass wenn du ein Auto hast, du damit Geld verdienen kannst.

Benedikt: Und ich bin sehr beeindruckt von den Bergen. Das kennt man so eigentlich nur aus der Schweiz. Vom Hotel aus hatten wir ein wunderschönes Panorama, sehr beeindruckend.

Erzählt bitte, ein bisschen über eure Musik. Was ist euer Stil?

Benedikt: Wir haben drei Alben gemacht, und ich finde drei unterschiedliche Alben, musikalisch gesehen. Das letzte Album „Porzellan“ thematisiert praktisch den Umzug von Sänger Tom von Hamburg nach Berlin. Also das Gefühl, wenn du in einer neuer Stadt bist und die Einsamkeit fühlst. Das zweite Album „Nach dem Goldrausch“ erzählt aus den Augen des Sängers davon, wie es sich anfühlt, aus Sicht seiner Umgebung einen Erfolg errungen zu haben. Und das erste Album war, glaube ich, sehr unverkrampft, ein typisches Album über das Alter oder das Erwachsenwerden.

Von Nurgul Zhasykbayeva

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