Der im Gebiet Omsk geborene und in Paderborn lebende Russlanddeutsche Edmund Mater hat ein „Autorenlexikon der Russlanddeutschen“ veröffentlicht, das die Namen russlanddeutscher Autoren bewahren soll. Den Begriff Autor definiert Mater dabei sehr weit.

/Bild: edarmer.de. ‚Autorenlexikon der Russlanddeutschen: Mehr als 3.000 Autoren auf 2.700 Seiten in vier Bänden.’/

Ed Armer – bürgerlicher Name Edmund Mater – ist Autor mehrerer Erzählungen und Gedichte sowie eines Romans in russischer Sprache. Der 63-jährige ist Ehrenmitglied des Nationalen Schriftstellerverbandes in Kirgisistan und Mitglied des Literaturkreises der Deutschen aus Russland e. V. Vor 40 Jahren war er Landarbeiter im Sowchos „Trofimowski“ im Gebiet Pawlodar in Kasachstan. Es folgten Militärdienst, Tätigkeiten als Kraftfahrer und Elektromonteur, bis er 1991 zusammen mit Frau und zwei Kindern nach Deutschland übersiedelte. Nach einem Jahr Sprachkurs mit Berufsfindung und Umschulung zum KFZ-Mechaniker arbeitete Edmund Mater als Operator und Dolmetscher in der Industrie.
Sein erstes literarisches Werk, „Waldwasserquelle“, veröffentlichte er 1998 in Kirgisistan. „Wenn meine Frau nicht hinter meinem Rücken das Manuskript in die Redaktion gebracht hätte, wäre bis heute nichts von mir erschienen“, sagt der Autor lächelnd. Oft reflektierte er in seinen Werken über das Schicksal der Russlanddeutschen. In „Zeit des großen Fastens“, das 2002 veröffentlicht wurde, beschreibt er das Leben der Russlanddeutschen von 1914 bis in die heutige Zeit.

„Unter den Russlanddeutschen gibt es viele, die einen großen Beitrag zu Geschichte und Literatur Russlands geleistet haben. Die dürfen wir nicht vergessen“, meint Mater. Dieser Gedanke trieb ihn zum Sammeln der Materialien für das „Autorenlexikon der Russlanddeutschen“ an. So sollen möglichst viele Namen russlanddeutscher Autoren nicht in Vergessenheit geraten. Entsprechend weit definiert Mater den Begriff „russlanddeutsche Autoren“: das seien alle, die einen Beitrag zur Geschichte der Deutschen in Russland geleistet haben, indem sie eine schriftliche Spur als Autor hinterlassen haben. Vor sieben Jahren begann Mater, in Zeitungen und Zeitschriften zu recherchieren. Er wandte sich an Institutionen in der GUS und an seine Landsleute, um die nötigen Informationen zu bekommen. Viele der lebenden Autoren kennt er persönlich. Seine Recherchen setzt er auch heute noch nach Veröffentlichung des Buches fort.

Hoffnung auf neue Welle des Interesses für russlanddeutsche Kultur

„Das vierbändige Autorenlexikon der Russlanddeutschen“ stellt auf insgesamt etwa 2.700 Seiten mehr als 3.000 Autoren vor. Es enthält zu jedem Schriftsteller jeweils ein Foto und allgemeine Angaben wie Geburtsdatum und –ort, russlanddeutscher Bezug und eine Übersicht der veröffentlichten Werke. Auf diese Weise soll das Interesse der Leser an weiteren Informationen über den jeweiligen Autoren geweckt werden.

Das Lexikon wurde auf der diesjährigen Buchmesse im Oktober in Frankfurt am Main präsentiert. „Die Beschreibung des Buches nimmt im Messekatalog eine ganze Seite ein“, sagt Mater stolz, „Ich habe es nicht geschrieben, um mich selbst zu preisen. Ich halte es für meine Pflicht, den heutigen und künftigen Generationen zu zeigen, wie talentiert, wie widerstandsfähig unser Volk war und ist.“ Der Autor hofft, mit dem Erscheinen des Autorenlexikons eine neue Welle des Interesses für russlanddeutsche Kultur zu initiieren. Tatsächlich beteiligen sich immer mehr Leute am Sammeln der Materialien, denn die reichlich 3.000 Namen bei Mater sind bei Weitem nicht alle, die Spuren in der russlanddeutschen  Literatur hinterlassen haben. Die Arbeit wird also fortgesetzt, und alle, die beim Sammeln helfen möchten, sind willkommen.

Weitere Informationen im Internet unter: www.edarmer.de.

Von Jekaterina Janzen

19/12/08

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