DAZ: Herr Westphal, was erhoffen Sie sich nach der Neugründung der Firma BEA Kasachstan von der deutsch-kasachischen Zusammenarbeit?

Frank Westphal: Die Firma BEA ist, wie Sie bereits wissen, seit sechs Jahren in Kasachstan präsent. Der Konzern „VINCI Energies“ übernahm BEA vor neun Monaten mit der klaren Perspektive, sich auf das Marktsegment „Mining-Bergbau“ zu konzentrieren.

Unsere Vision ist: Wir wollen der gefragteste Dienstleister für die Elektrifizierung und Automatisierung der Rohstoffgewinnung in Eurasien werden.

Dies beinhaltet zwei Dinge: Zum einen möchten wir der gefragteste Dienstleister für unsere Kunden sein, zum anderen natürlich für unsere Mitarbeiter.

Unser Konzern, zu dem die Firma BEA gehört, ist eine reine „Peoples-Company“, d.h. wir leben von den Mitarbeiten, von den Menschen. Deshalb ist die Mitarbeiterorientierung in unserem Unternehmen ein hoher Wert.

VINCI Energies versteht sich selbst als reiner Dienstleister; wir verfügen über kein einziges eigenes Produkt. Dafür sind im Konzern insgesamt 60 000 Menschen beschäftigt. Allein davon 30 000 Ingenieure und 30 000 gewerblich Beschäftige, die Dienstleistung am Kunden vor Ort erbringen. Wir versuchen, aus dem Kontakt mit den Menschen vor Ort unsere Projekte zu generieren und entsprechenden Service zu bieten.

In diesem Sinne passt die Firma BEA hervorragend in das Konzept von VINCI.
Der kasachische Markt ist für uns sehr spannend, und zwar nicht erst seit der Präsident der Republik Kasachstan, Nursultan Nasarbajew, der Bundeskanzlerin Angela Merkel in Deutschland einen Besuch abgestattet hat. Unser Beitrag ist modernste Technologie, die effizient und energiesparend hier in Kasachstan eingesetzt wird. Diese Technologie werden wir gemeinsam mit unseren kasachischen Mitarbeitern am Markt platzieren.

Ich bin davon überzeugt, dass wir als BEA Kasachstan einen wichtigen Beitrag zur Erreichung des obersten wirtschaftlichen Ziels der Regierung Kasachstans leisten können, welches bekanntlich vom Präsidenten Nursultan Nasarbajew formuliert wurde: Kasachstan soll bis zum Jahr 2030 zu den besten zehn Industrienationen (Top-Ten) gehören.

Diese Unterstützung werden wir nicht mehr wie bisher von Deutschland aus realisieren können, sondern mit sogenanntem „Local Content“, also mit einheimischem Know-How und Mitarbeitern aus Kasachstan verwirklichen. Wenn wir den Kunden ein Partner sein wollen, erwarten die Kunden auch von uns, dass wir vor Ort präsent sind.

Diesbezüglich besteht seit vier Jahren eine enge Kooperation mit der Technischen Universität Almaty, die es uns ermöglicht hat, den ersten Bachelor-Studenten und Ingenieur in der Firma BEA einzustellen. Ende dieses Jahres wird außerdem der erste Master-Student und zukünftige BEA-Mitarbeiter sein Studium abschließen.

Weiterhin sind wir auf der gezielten Suche nach kasachischen Mitarbeitern, mit denen wir gemeinsam die Zukunft der BEA Kasachstan gestalten wollen.

Welche Fähigkeiten halten Sie in Bezug auf eine Tätigkeit bei BEA Kasachstan für entscheidend?

Bei der Auswahl neuer einheimischer Mitarbeiter halte ich die sogenannten „Soft Skills“ für extrem wichtig. Das bedeutet, unsere zukünftigen Mitarbeiter müssen den Willen und die Bereitschaft zeigen, für BEA zu arbeiten. Sie müssen nicht nur fähige Fachkräfte sein, sondern auch einen besonderen Antrieb und eine besondere Motivation haben. Sie sollten letztendlich verstehen, was es heißt, „Dienstleister“ zu sein.

Nach unserem Verständnis bedeutet „Dienstleistung“, rund um die Uhr für den Kunden ansprechbar zu sein. Auch dann, wenn es einmal keinen Spaß macht. Unsere Mitarbeiter sollten bereit sein, außergewöhnliche Belastungen für den Kunden und zum Wohle der Firma in Kauf zu nehmen und so außergewöhnliche Erfolge selbst zu gestalten.

Das wünsche ich mir auch von zukünftigen Mitarbeitern. Wenn sie verstehen, was es heißt, Dienstleister zu sein, kommt der Spaß an der Tätigkeit ganz automatisch.

Welche Herausforderungen sehen Sie hierbei?

Ich sehe insgesamt zwei Herausforderungen: Zum einen muss es uns gelingen, die fachliche Qualifikation der Mitarbeiter sicherzustellen.

Zum anderen ist es immens wichtig, die Mitarbeiter durch intelligente Bindungsprogramme für unser Unternehmen zu gewinnen.

Unser Mutterkonzern VINCI hat diesbezüglich einen guten Background und gute Konzepte. Wie Sie vielleicht wissen, ist VINCI unter dem EuroStock 50 an der europäischen Börse vertreten. Der größte Aktionär des VINCI-Konzerns sind seine Mitarbeiter, die etwa 10 % des Aktienpotentials halten.

Diese Erfolgsgeschichte möchten wir, wenn möglich, auch in Kasachstan einführen. Die Mitarbeiter sollten die Möglichkeit haben, vergünstigte Konzern-Aktien von VINCI zu kaufen, um eine gewisse Bindung zu generieren – sowohl an den Konzern als auch an das Unternehmen.

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