Ist er wohl! Aber das wissen nur ich und die Baseler.

Seit ich am Rhein lebe, also schon immer, ist es strengstens verboten, irgendetwas im Rhein zu machen. Es gehört zu meiner Grundversorgung, am Rhein entlang zu spazieren oder zu radeln, ihn über die diversen Brücken zu überqueren, den Rhein aufwärts und abwärts zu bewundern und zu fotografieren. Als Kinder spielten wir, als Jugendliche tranken wir am Rheinufer. Nur darin baden durfte man nie. Höchst gefährlich, streng verboten! Wegen der Wasserqualität (wer einen Tropfen Rheinwasser verschlucke, liege wochenlang mit Durchfall im Bett) und wegen der Stromschnellen. Wer in den Rhein sprang, war lebensmüde oder todesmutig. Als wir im Sportunterricht auf dem Rhein ruderten, kam ich mir höllisch mutig vor.

Natürlich ist etwas nie gefährlich genug, als dass es nicht doch Leute gäbe, die es täten: Kaugummis verschlucken, auf gesperrten Pisten Skifahren, auf eine heiße Herdplatte fassen, im Haigebiet schwimmen … und so schwimmen natürlich auch einige Leute im Rhein. Wenige. Verbotenerweise. Ja, und dann komme ich nach Basel und ALLE schwimmen im Rhein. Mit einer großen Selbstverständlichkeit. Es ist nicht nur erlaubt, sondern sogar institutionalisiert: Es heißt „Rheinschwimmen“, gehört zur Stadtkultur, und es sind ganze Abschnitte für den Schiffsverkehr gesperrt, damit die Baseler entspannt im Rhein schwimmen können. Und das findet nicht etwa außerhalb der Stadt statt, in der Auenlandschaft oder in Schilfgebieten, sondern mittendrin. Man schwimmt quasi durch die Stadt hindurch, an der Altstadtkulisse und den Sehenswürdigkeiten vorbei. Und am Rheinufer, wir befinden uns immer noch mitten in der Stadt (!), geht es zu wie am Badestrand. Es gibt Shops mit Badezubehör, die Leute sonnen sich und grillen Würstchen. Wahnsinn!

Entweder es gibt faktische Unterschiede zwischen dem Rhein in Basel und dem Rhein in Köln, und es ist bei uns tatsächlich gefährlicher. Oder wir Kölner sind ängstlicher und gesetzestreuer als die Baseler. Das kann ich eigentlich nicht auf mir sitzen lassen und ich wäre liebend gern in irgend-

einer Disziplin eine mutige Pionierin, die voranschreitet und irgendetwas eröffnet, vorzugsweise eine neue Epoche oder Kultur; in diesem Falle die Rhein-Badekultur in Köln. Aber was Wasser angeht, bin ich ein ziemlicher Hasenfuß. Meine größte Heldentat bestand darin, weit weg von der Zivilisation im Pazifik zu schwimmen, wo es sehr tief und wild zuging. Nur in Begleitung meiner Studentin. Das war wahrscheinlich auch der einzige Grund, der mich im Wasser hielt; von wegen Stolz, Ruf, Autorität und so. Ich bin immer noch mächtig stolz darauf, aber vor allem nachhaltig froh, das überlebt zu haben. Damit soll es dann auch genug sein, schließlich soll man sein Schicksal nicht herausfordern. Also mit dem Eröffnen von etwas muss ich noch warten, bis das passende Genre oder Medium gefunden ist. Wasser ist es jedenfalls nicht und damit auch nicht das Rheinschwimmen in Köln.

Aber ich bin angefixt, und in doofe chlor- und pipihaltige Kachelbecken-Gewässer will ich nun auch nicht mehr steigen. Und auf meiner Suche nach Badeseen rund um Köln steht doch tatsächlich der Rhein in der Liste, juhu! Aber ach: „Der Rhein ist KEIN Badegewässer!“ steht da dick und deutlich. Ich bin empört und weiß es natürlich besser.

Es muss präzise heißen: Der Rhein ist in Köln kein Badegewässer. Schade, aber wahr!

Julia Siebert

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