Ein schönes Haus, ein Pool im Garten, ein talentiertes Kind und eine glückliche Ehe. Hunderte Familien in Deutschland ließen sich, auf den ersten Blick, mit diesen Attributen beschreiben. Doch was geschieht, wenn man genauer hinsieht? Hält die aufgebaute Fassade den Blicken stand oder beginnt sie langsam zu bröckeln? Diese Fragen beleuchtet der deutsche Film „pingpong“ aus dem Jahre 2006, der unter anderem auf dem „Film Festival Brüssel“ als „Bester Film“ ausgezeichnet wurde. In den neuen Räumlichkeiten des Goethe-Instituts wurde der Film am 20. Mai im Rahmen des Filmclubs gezeigt.

/Bild: privat. ‚Die Zuschauer sahen den Film „pingpong“ in den neuen Räumlichkeiten des Goethe-Instituts.’/

Er ist kaum drei Gramm schwer, hat einen Durchmesser von knapp 40 Millimetern, und seine Hülle besteht lediglich aus hauchdünnem Kunststoffmaterial. Der kleinste Windstoß trägt ihn mit sich fort und der Druck von zwei Fingern auf seine Oberfläche entlockt ihm zuerst ein leises Knacken und lässt ihn dann in kleinere Stücke zerbröckeln. Doch wird er, während er sich in der Luft befindet, im richtigen Winkel getroffen, kann er Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 170 km/h erreichen: Die Rede ist von einem Tischtennisball. Ein Spielball, den zu treffen nicht schwer ist, dessen Flugbahn und Geschwindigkeit für ungeübte Spieler jedoch nicht leicht zu steuern sind.

Der Spielball im Film „pingpong“ ist knapp 60 Kilogramm schwer und 175 Zentimeter groß. Er heißt Paul und ist 16 Jahre alt. Seit sein Vater vor einigen Monaten Selbstmord beging, sehnt er sich danach, wieder Teil einer glücklichen Familie zu sein. In der Hoffnung, eine solche Familie bei seinem Onkel zu finden, fährt er in den Ferien unangekündigt zu ihnen und merkt zu spät, dass er die Idylle seiner Kindheitserinnerungen dort nicht mehr findet.

Ein Spiel ohne Sieger

Der Film ist in eher schlichten Bildern inszeniert und entfaltet seine dramatische Wirkung allein aus der schauspielerischen Leistung der Darsteller. Der Hauptdarsteller, Sebastian Urzendowsky, spielte bereits in mehreren deutschen Film- und Kinoproduktionen und stand 2010 für den Film „The Way Back“ mit Colin Farrell und Ed Harris vor der Kamera. Der damals 21-Jährige verkörpert den 16-Jährigen Paul mit einer Präzision und Leichtigkeit zugleich, dass nicht zuletzt die Figur des Paul auch das Tempo des Films entscheidend mitbestimmt.
Als Paul nun in die kleine Scheinwelt der Familie seines Onkels einbricht, gerät sie aus den Fugen. Die Geschichte gipfelt darin, dass Pauls Tante Anna den Avancen des Jungen nachgibt und mit ihm schläft, während der Onkel wieder einmal auf Geschäftsreise ist. Als dieser zurückkommt, will Paul ihm davon erzählen, doch Anna hält ihn davon ab, und Paul begreift, dass sie ihn lediglich benutzt hat. Benutzt für ein Spiel, dessen Ausgang letztlich jedoch nicht von ihr, sondern von Paul entschieden wird: Er ertränkt Annas geliebten Hund im Pool und wird so vom kleinen, leicht manipulierbaren Spielball am Ende selbst zum Spieler eines Spiels, das keine Gewinner kennt.

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Das Konzept des Filmclubs ist, größtenteils deutsche Filmproduktionen zu zeigen, in deutscher Sprache und mit deutschen Untertiteln. Außerdem findet nach jeder Filmvorführung eine kleine Diskussionsrunde zu Fragen statt, die der Film aufwirft und darüber hinaus. Filme die bisher im Filmclub gezeigt wurden, sind unter anderem: „Die fetten Jahre sind vorbei“, „Nackt unter Wölfen“ und „Schläfer“.

Der Filmclub findet nun immer in den neuen Räumlichkeiten des Goethe-Instituts statt, in die das gesamte Goethe-Institut voraussichtlich Ende März 2012 umziehen wird.
Der nächste Filmclub findet am Freitag, den 03. Juni 2011 um 18:30 statt.
Adresse: PREMIUM BUSINESS CENTER, Naurysbai-Batyr-Str. 31, Ecke Schibek-Scholy.

Von Anja Greiner