DKU-Rektor Johann Gerlach berichtete in Berlin von der Entwicklung seiner Hochschule. Auch die Gründung einer Deutsch-Kirgisischen Universität hält der ehemalige FU-Präsident für möglich.

Auf Einladung der Deutsch-Kasachischen Gesellschaft berichtete Johann Gerlach, ehemaliger Präsident der Freien Universität Berlin und jetziger Rektor der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU) in Almaty einem interessierten Publikum in Berlin von seiner Arbeit in Kasachstan. Gemeinsam mit den unbestreitbaren Errungenschaften seiner Hochschule zählte Johannes Gerlach dabei auch eine Reihe von Problemen auf, vor denen die DKU steht. Dies ist zunächst die allgemeine Tendenz zu einer sinkenden Nachfrage nach der deutschen Sprache in Kasachstan.

Gerlachs Beobachtungen zufolge verliert das Deutsche seine Position in den vergangenen Jahren zulasten des Englischen. Selbst deutsche Firmen in Kasachstan würden von ihren Mitarbeitern in erster Linie fließende Englischkenntnisse verlangen. Ein weiteres Problem ist verbunden mit der sinkenden Zahl von Studenten in traditionellen Fächern. Eine Ausnahme stellt hier das Fach Logistik dar, für das die Nachfrage steigt. Dies, so Gerlach, sei mit der Entwicklung wirtschaftlicher Kontakte sowohl innerhalb Kasachstans als auch nach außerhalb verbunden. In Kasachstan liefen alle Transportknoten, die Europa mit Asien verbinden, zusammen.

Ein weiteres Problem für die Universität stellt der stärker werdende Widerspruch zwischen Studienprogrammen und staatlichen Normen dar. Die bestehenden Lizenzen auf der Grundlage staatlicher Normen entsprächen nicht mehr den sich weiterentwickelnden Anforderungen neuer wissenschaftlicher Disziplinen und Studienprogrammen. Neben solchen inneren Problemen verschärften die Situation aber auch äußere Faktoren, die unabhängig von der Hochschule sind, und verhinderten so einen Anstieg der Studentenzahlen. Vor allem sei dies die Nichtanerkennung von Schulabschlüssen aus Nachbarländern durch Kasachstan. Dies stellt nach Ansicht Gerlachs ein gravierendes Hindernis für Studieninteressenten aus dem nahen Ausland dar. An dieser Stelle könne man außerdem die Schwierigkeiten beim Erhalt eines Arbeitsvisums für junge Ausländer in Kasachstan aufzählen. All dies widerspreche dem Prinzip der regionalen und eurasischen Integration.

Perspektiven nach dem Studium

Welche Perspektiven bietet die DKU ihren Absolventen? Rektor Gerlach erklärte, Absolventen mit Bachelor-Abschluss würden sowohl von kasachischen als auch von ausländischen Firmen gerne eingestellt. Der Statistik zufolge stellten kasachische Unternehmen 45 Prozent der Arbeitgeber dar, 30 Prozent deutsche und andere ausländische Organisationen und Firmen. Fünf Prozent der Absolventen fänden Arbeit in staatlichen Behörden in Kasachstan. Einige Absolventen fänden zudem Arbeit in Deutschland, insbesondere in Firmen, die in GUS-Ländern tätig sind. Wieder andere schlügen eine wissenschaftliche Karriere ein, um in Kasachstan oder Deutschland einen Masterabschluss zu erwerben.

Von den Absolventen mit einem Mastertitel würden 40 Prozent in kasachischen Unternehmen Arbeit finden, 30 Prozent in deutschen und anderen ausländischen Unternehmen und zehn Prozent im Staatsapparat. Ein gewisser Anteil beginne zudem ein Promotionsstudium.

Einer kürzlich durchgeführten soziologischen Umfrage unter deutschen Firmen in Kasachstan zufolge bieten 40 Prozent von ihnen Studenten Betriebspraktika an, 30 Prozent stellen DKU-Studenten ein, zehn Prozent bieten Projektaufgaben und 20 Prozent stellen Themen für Diplomarbeiten. All dies zeuge vom hohen Grad an Nutzen, den die Deutsch-Kasachische Universität biete.

Eine DKU für Bischkek?

Gleichzeit leide die Universität weiterhin unter einem Raummangel. Das derzeitige Gebäude in der Puschkinstraße platze bereits aus allen Nähten. Leider verfüge die Universität bislang über keinen eigenen Campus mit Wohnheim, bemerkte Gerlach. Hier stellte der Rektor einen Vergleich mit dem benachbarten Kirgistan an, wo internationale Universitäten die Möglichkeit hätten, physisch zu wachsen und sich zu entwickeln. Ein eindrucksvolles Beispiel stelle die Türkische Universität in Bischkek dar, die von der türkischen Regierung die größtmögliche Unterstützung erhalte. Dies liegt Gerlach zufolge hauptsächlich in den geopolitischen Interessen in der Region und der panturkistischen Ideologie der Türkei begründet, die sich die Vereinigung aller Turkvölker in einem einheitlichen Kulturraum zum Ziel gesetzt habe.

Hier lässt sich hinzufügen, dass auch Kirgistan nicht weniger Chancen und Interessen zu einer weiteren erfolgreichen Entwicklung seiner wissenschaftlichen Kontakte mit europäischen Ländern, insbesondere mit Deutschland, hat. Seinerzeit wurde in Kirgistan in Wissenschafts- und Bildungskreisen die Idee einer eigenständigen kirgisisch-deutschen Hochschule auf der Grundlage der deutsch-kirgisischen Fakultät der Kirgisisch-Russischen Slawischen Universität (KRSU) aktiv entwickelt. Wenn man die positive Entwicklung der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Kirgistan und Deutschland in jüngerer Zeit hinzunimmt, scheint diese Aufgabe nicht unerfüllbar. Wie Gerlach im Gespräch mit mir erwähnte, sind alle notwendigen Voraussetzungen für solch ein Projekt gegeben. So sei Kirgistan in Zentralasien ein einzigartiges Land hinsichtlich seiner Offenheit gegenüber der Weltgemeinschaft. Weiterhin gebe es dort die notwendigen personellen Ressourcen und hochqualifizierte Spezialisten. Das Land könne so auf lange Sicht zu einem regionalen Hochschulzentrum bei der Ausbildung nachgefragter Manager in den Bereichen Wasserressourcen und Logistik werden.
Das letzte Wort haben die Beamten zu sprechen.

Von Chinara Harjehusen

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