In den modernen Großstädten pulsiert und vibriert das Leben. Es brodelt an jeder Straßenecke. Gleichzeitig plagen sich die Bewohner mit Abgasen, Industriemüll, verschmutztem Wasser und sauerem Regen. Welche Stadt am dreckigsten und ungesündestem ist, zeigt das Ranking einer amerikanischen Beratungsfirma und des Magazins „Forbes“ – Almaty hat es unter die Top Ten geschafft.

/Foto: DAZ/

Die Stadt New York wurde für die Umweltstudie als Maßstab genommen. Faktoren wie die Sauberkeit der Luft, Verfügbarkeit und die Qualität der medizinischen Versorgung, sowie die Raten der Infektionserkrankungen in der US-Metropole sind die Basis für den Städtevergleich. Darüber hinaus berücksichtigten die Autoren die Effizienz der Abfallentsorgung, der Wasseraufbereitung und die Verbreitung der Schädlinge in der Stadt. Die New Yorker Verhältnisse bilden mit 100 Punkten die Vergleichsbasis. Von diesem Wert ausgehend, wurden weltweit 215 Großstädte nach denselben Kriterien untersucht und indexiert. So entstand eine Liste der saubersten und der dreckigsten Städte der Welt.

Am besten schnitt dabei die kanadische Stadt Calgary ab, die mit 131,7 Zählern für sich den Status der saubersten und der gesündesten Großstadt der Welt beanspruchen kann. Auf dem anderen Ende der Scala liegt die aserbaidschanische Stadt Baku, die mit gerade einmal 27,6 Punkten die Liste der krank machenden Städte anführt.

Almaty erstickt im Smog

Nicht viel besser sieht die Situation in der kasachischen Metropole Almaty aus. Mit gerade einmal 39,1 Zählern liegt Almaty auf dem neunten Platz der ungesündesten Städte der Welt – nur einen Zehntel punkt besser als das irakische Bagdad.

„Das größte ökologische Problem in Almaty ist der Smog, der sich über der Stadt ausbreitet“, sagt Swetlana Stapar von der Umweltorganisation „Grüne Rettung“. Die Stadt liege in Kasachstan auf dem letzten Platz, was die Luftqualität angeht. „Der Grund dafür ist das Fehlen eines ökologischen Bewusstseins in der Stadtverwaltung von Almaty, aber auch in ganz Kasachstan“, sagt Stapar. Ganz blind für die Probleme der Luft sind die Behörden jedoch nicht. Bereits vor einem Jahr beklagte der Bürgermeister Imangali Tasmaganbetow die 90.000 Schornsteine in seiner Stadt, die die Luft verpesteten. Erschwerend kämen hinzu seiner Ansicht nach die Abgase von rund einer halben Million Autos, meist ältere Modelle mit erhöhten Emissionswerten.

Dass die Stadtverwaltung den Gesundheitszustand der Bevölkerung im direkten Zusammenhang mit der Umweltverschmutzung sieht, bekräftigte der Bürgermeister bei seiner jährlichen Rede vor den Bürgern der Stadt: „Die Abgase sind Ursache Nummer eins für eine ganze Bandbreite von Erkrankungen, angefangen mit Asthma bis hin zum Krebs. In den letzten zwei Jahren registrierten wir bei der Stadtbevölkerung einen Zuwachs der Krankenhausbesuche von 8 auf 9 Millionen.“ Um die Qualität der Luft zu verbessern, sagte Tasmaganbetow vor allem den Autos, die älter als sieben Jahre alt sind, den Kampf an. Die höhere Besteuerung oder gar das Verbot von schadstoffreichen Autos kann allerdings nur auf der Landesebene verhängt werden. Die Stadt Almaty allein kann wenig ausrichten. Und auch der Bau der U-Bahn, der die Straßen der Stadt entlasten soll, wird seine ökologische Wirkung erst in mehreren Jahren entfalten können.

Während die Stadtverwaltung also ihre Bürger mit Versprechen vertröstet, kursieren in der Bevölkerung unterschiedlichste Theorien und Lösungsansätze zum Thema Umwelt.

Nostalgie und Verzweiflung

Schanyg Kalijewa lebt seit über 20 Jahren in Almaty: „Damals war die Luft hier viel besser als heute. So richtig schlecht ist es aber erst in den letzten Jahren geworden, als man angefangen hat, Hochhäuser zu bauen. Es wehen keine Winde mehr durch die Stadt, und der ganze Smog bleibt zwischen den Straßen hängen“, sagt sie. Ob die geplante U-Bahn oder die Begrenzung von schadstoffreichen Autos auf den Stadtstraßen Almaty aus der Liste der dreckigsten Orte führen, bezweifelt sie.

Maja Sakijewa schwärmt von den Zeiten, als in der Stadt noch die berühmten Aport-Apfelbäume blühten: „Wenn man einen Apfel nach Hause brachte, duftete die ganze Wohnung danach.“ Heute seien alle Gärten abgeholzt. Kein Wunder, dass die Luft sich verschlechtert habe. Die amerikanische Studie überrascht sie kein bisschen. Auf die Frage, was man nun machen könne, ist sie um eine Antwort nicht verlegen. „Die Abgasuntersuchungen der Autos müssen richtig durchgeführt werden. Bei uns braucht man ja den Prüfer nur etwas zu schmieren, und man bekommt jede Plakette, die man will.“

In einem Punkt sind sich aber alle Bürger von Almaty einig: so schnell wird sich in ihrer Stadt nichts ändern.

Von Anton Markschteder

07/03/08

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