Die Milch wird teurer! Ein Thema, das alle ergreift und jeder aufgreift. So nun auch ich, da sogar Helmut Schmidt, ehemaliger Bundeskanzler und anerkannter Intellektueller, schon gefragt wurde, was er davon halte, dass die Milch teurer wird. Seine Antwort darauf war genauso unspektakulär, wie der Sachverhalt selbst.

Vieles kann passieren, alles verändert sich, schleichend oder irgendwann plötzlich, so ist der Lauf der Dinge und des Lebens. Kriege, Krisen und Katastrophen gehören dazu. Früher war alles besser, und alles wird teurer. Das wussten schon unsere Großmütter, heute ist es auch noch so, und übermorgen wird es immer noch so sein. Aber Veränderungen sind nur dann tragbar und erträglich, wenn es Konstanten gibt. Auf manches muss man sich ganz einfach verlassen können. So auch auf die Milch. Alles darf teurer werden, aber ausgerechnet die Milch! Das ist schon symbolisch.

Die Milch, ein Grundnahrungsmittel, das Erste, was wir gleich nach der Geburt zu uns nehmen. Milch ist gesund und nahrhaft. Milch braucht jeder und steht jedem zu. Milch gibt es immer genug, weil es immer genug Kühe gibt, von Verknappung kann hier keine Rede sein. Selbst, wenn der Sommer dürr war oder die Felder überflutet waren, die Kuh bleibt im Stall und gibt dort zuverlässig ihre Milch, sie kann nämlich gar nicht anders, die Kuh. Da kann auch der Bauer keine Ausrede finden und muss Tag für Tag seine Milchzapfanlage an die Euter anschließen und zapft uns frische Milch. Und drum ist eine Erhöhung der Milchpreise unerhört.
Selbst für Wasser sind die Kunden und Konsumenten bereit, hohe Preise zu zahlen. Ein Pellegrino aus Italien, ein Vittel oder Evian aus Frankreich sieht schon anders aus in den eleganten Flaschen und klingt anders, und drum darf es au ch ein paar Euro kosten. Wasser, ja, aber die Milch!

Auf der Suche nach den Schuldigen, die die Milch teurer werden lassen, wird an der wahren Ursache konsequent vorbeigeschaut. Manche führen sogar die Asiaten an, die auf den Milchgeschmack gekommen seien und nun auch mit großer Freude Joghurt- und Quarkprodukte verzehren. Ja, aber bitte, sollen sie uns doch helfen, die EU-geschuldeten Milchseen leerzutrinken. Oder gibt es diese gar nicht mehr? Wenn es tatsächlich eine Milchknappheit geben sollte, dann liegt es eindeutig an der Modeerscheinung Latte Macchiato! Das neue In-Getränk, das Yuppies, Mädchen und Weicheier nur zu gern bestellen. Und weil es davon viele gibt, wird es überall ständig bestellt. Kein Wunder also, dass der Milchpreis steigt. So schnell können die Kühe keine Milch nachliefern, wie dieses Getränk bestellt wird. Als das Getränk noch nicht Latte Macchiato hieß, sondern heiße Milch mit ein wenig Kaffee, wollte das kein Mensch trinken. Es erinnerte zu sehr an heiße Milch mit Honig, die man als Kind runterwürgen müsste, als man krank mit Pusteln daniederlag. „Ein Glas heiße Milch mit etwas Kaffee, bitte“ – wer das so bestellt hätte, hätte sich alle weiteren Versuche, attraktiv zu erscheinen, sparen können. Aber „Latte Macchiato“ – das klingt nach mehr. Da sitzen sie, die wahren Schuldigen. Leute, die es sich leisten können, in Cafés rumzusitzen und dort viel Geld für heiße Milch zu bezahlen, nehmen dem Volk ihr wichtigstes Grundnahrungsmittel weg. Ich hatte immer schon etwas gegen dieses Getränk, aber nun, da es ein echtes Politikum ist, darf ich das auch endlich mal laut aussprechen. Das musste einfach mal gesagt werden!

Julia Siebert

07/09/07

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