Am 7. Mai wird in Kasachstan traditionell der „Tag der Verteidiger des Vaterlandes“, am 09. Mai der „Tag des Sieges“ über die deutsche Wehrmacht gefeiert. Eine gewichtige Rolle bei den Feierlichkeiten spielt dabei das Militär. Machtphänotypologien wie Militärparaden sind heutzutage immer noch weit verbreitet, aber nicht unumstritten. Speziell Deutschland nimmt in der Debatte eine Sonderrolle ein.

Die Militärparade hat eine lange Tradition. Bereits in der Antike war sie fester Bestandteil der römischen Politik. Damals war sie ein Instrument, um sich von Disziplin und körperlicher Verfassung der Soldaten überzeugen zu können. Seit dem Mittelalter dienen Militärparaden aber vordergründig der Repräsentation.

Wesentliche Elemente einer Militärparade im engeren Sinne sind dann gegeben, wenn Truppenteile in einem öffentlichen Raum, unter Marschmusik, vor Abnehmenden (das können hohe Militärs oder Repräsentanten des Staates sein) auftreten.

Heute gibt es vor allem zwei Formen der Militärparade. Die erste Form, und häufig verbreitete, ist die unpolitische Form der Parade; eine Veranstaltung, die der reinen Traditionspflege dient. Ein exemplarisches Beispiel dafür ist der Staatsempfang. Vor allem in Staaten in denen Macht und Bedeutung des Militärs besonders hoch ist, wird diese Ausdrucksform vor allem als Mittel der Einschüchterung und Abschreckung eingesetzt. Hier sind Staaten wie der Iran oder Nordkorea zu nennen.

An Feiertagen ist die Militärparade häufig begleitendes Stilmittel. Der „Tag der Verteidiger des Vaterlandes“ wird in Osteuropa jährlich gefeiert – wesentlicher Bestandteil ist die Militärparade. In Russland wird dieser Tag am 23. Februar gefeiert , seit 2002 ist dieser Tag arbeitsfrei. Sinn und Zweck dieses Tages ist es, die Streitkräfte des Landes zu ehren, inoffiziell wird dieses Datum auch „Tag des Mannes“ genannt. Bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahre 1991 war er als „Tag der Sowjetarmee und Seestreitkräfte“ bekannt.
Datum und Hintergrund des Tages sind je nach Land verschieden. In Kasachstan beispielsweise wird der Tag seit dem 7. Mai 1992 begangen – der Tag, an dem die kasachische Armee aufgestellt worden ist.

Ein weiteres Datum von besonderer Tragweite ist der 8. Mai (in manchen Ländern auch 9. Mai) – „der Tag des Sieges“. Dieser Tag wird von allen Nationen gefeiert, die am zweiten Weltkrieg beteiligt waren – er erinnert an die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 08. Mai 1945.

In Russland wird wird des historischen Datums mit Kranzniederlegungen, Reden und Paraden gedacht. Auch Veteranengruppen treffen und erinnern sich an die zahlreichen Opfer des Krieges. Zum 65. Jahrestag, am 08. Mai 2010, waren die Feierlichkeiten besonders groß angelegt. Zahlreiche Staatschefs waren anwesend, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. An jenem Tag fand die größte russische Militärparade seit 1945 statt.

Die gigantischste Parade jüngerer Zeit wurde im Mai 2015 in China veranstaltet. Peking fuhr an diesem Datum die Waffen auf und zeigte, was es militärisch zu bieten hat. Über 10.000 Soldaten marschierten im Gleichschritt. Seit Jahren erhöht das Land seinen Militäretat immer weiter, speziell im Nachbarland Japan wird diese Entwicklung als sehr kritisch eingestuft. Zudem setzt die chinesische Regierung stark auf eine raumgreifende Anti-Japan-Politik. Diese Form des Einsatzes von Militärparaden darf als bewusste Provokation gedeutet werden.
In Deutschland finden aufgrund der belasteten Geschichte vor 1945 offiziell nur sogenannte Feldparaden statt, bei denen die Beteiligten keine echten Uniformen tragen. Allerdings gab es während DDR-Zeiten immer wieder Kritik aus den Reihen der westlichen Besatzungsmächte, da am „Tag der Republik“ in Berlin Paraden durchgeführt wurden, bei denen ein markant zur Schau gestellter Militarismus maßgeblicher Bestandteil gewesen ist.

Militärparaden sind im öffentlichen Diskurs nicht unumstritten, denn sie gelten nicht mehr als zeitgemäß. Kriegsskeptiker und überzeugte Demokraten sehen diese traditionellen Aufmärsche als falsches Signal und nicht friedensstiftend an. Schon Anhänger des Anti-Militarismus wie Karl Liebknecht sprachen sich gegen diese Form der öffentlichen Darstellung aus.

Kai Wichelmann

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