Wie das so mit der Rhetorik ist – viele Dinge klingen toll und sind in der baren Wirklichkeit wahlweise öde, schrecklich, unspektakulär oder schlicht und ergreifend nervig. So verhält es sich auch mit dem Projektmanagement. Klingt super, nahezu professionell.

Wenn man diesen Begriff auf seine Visitenkarte schreibt, hat man im beruflichen Leben seinen Platz gefunden, so scheint es. Denn heutzutage kann man sich vor Projekten gar nicht mehr retten, sie tummeln sich überall. Man kann fast keinen Schritt mehr tun, ohne in ein Projekt zu treten. Wer in seinem normalen Arbeitsalltag vor Langeweile vergeht oder unter dem „Ich-werde-hier-hoffnungslos-unterschätzt-Syndrom“ leidet, der schaffe sich einfach ein eigenes Projekt, tituliere sich als Projektleiter, und schon sieht die Welt wieder rosig aus. Wer sonst nichts hat, ein eigenes Projekt geht immer. Schön und gut – wäre da nicht das leidige Projektmanagement! Und so sieht das wirklich aus: Immerzu muss man schauen, dass alle Beteiligten alle existierenden Informationen kennen, man muss strukturieren, protokollieren und moderieren, dabei die Unstrukturierten einfangen. Man muss das, was man schon geschrieben hat, anderen erneut zumailen, weil sie die Nachrichten verbummelt haben, und alles sowieso noch mal erklären, weil das Geschriebene gar nicht oder zumindest nicht gründlich gelesen wurde. Und ständig muss man schreiben, was andere hätten schreiben sollen. Man muss Dinge, die die einen den anderen mitteilen möchten, übermitteln, anstatt dass die einen sich direkt und ohne Umweg an die anderen wenden. Man muss ermahnen, erinnern, erläutern.
Wenn man seinen Job ernst nimmt, macht man sich unbeliebt, weil man sich wie ein Pitbullterrier an den Waden festbeißt. Wenn man seinen Job nicht zu ernst nimmt, geht Wichtiges hopps, was den Projektverlauf beeinträchtigt, womit man am Ende die Verantwortung und Schuld trägt, mindestens sich selbst gegenüber. Immer meckern alle, wenn es zu spät ist, anstatt die Dinge zu benennen, wenn es noch früh genug ist. Worüber man dann wieder meckern muss, Sie sehen: Am Ende bleibt immer das Meckern. Und noch weiter, am Ende eines Projekts, interessiert sich keine Sau, auch nicht die Presse, für die Projektkoordination. Das macht uns Berufsmeckerern auch keinen Spaß. Ach, ach! Wir armen Projektmanager haben es wahrlich nicht leicht! Wenn ich so recht überlege – Projektmanagement ist eigentlich ein doofer Job. Warum habe ich mir den nur ausgesucht – eigentlich? Wahrscheinlich, weil dieser Job meinem Potenzial entspricht: Ich bin pedantisch, strukturiert, meckernd und ermahnend auf die Welt gekommen, das liegt mir im Blut, und ich kann eh nicht aus meiner Haut. Warum also nicht mit den natureigenen Talenten Geld verdienen – eigentlich? Ach ja, richtig, da haben wir´s! Darin liegt die Krux – ich muss einfach viel mehr Geld damit verdienen, dann macht vielleicht auch das Meckern wieder mehr Spaß. Und für ein sattes Honorar schreibt sich auch ein Protokoll mit leichter Hand dahin. Wenn auch das nicht hilft, gehe ich zurück in die Wissenschaft, verkrieche mich hinter meinen Bücherstapeln und tippe Zeile um Zeile meine Weltanschauungen vor mich hin, ohne mich mit irgendwem abzustimmen. Und wenn auch das nicht hilft, werde ich Obstbaumbeschneiderin.

07/11/08

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