Das Internationale Filmfestival „Eurasia“ wird zum dritten Mal in Almaty abgehalten. Im Palast der Republik und in verschiedenen Kinos der Stadt werden über 70 Filme vom 25. September bis 1. Oktober gezeigt. DAZ-Autorin Jana Herfurth spricht mit der Kunstdirektorin des Filmfestivals „Eurasia”, Gulnara Abikejewa, über den Stand der Vorbereitungen und mit welchen Filmstars die Veranstalter rechnen.

Was genau verbirgt sich hinter dem Titel „Eurasia“?

„Eurasia” steht für ein Filmfestival, welches Europa und Asien verbinden soll. Wenn man sich eine Landkarte von Filmveranstaltungen anschauen würde, so befindet sich die nächste 4.000 Kilometer weit entfernt. Die nächst größeren Festspiele sind in Moskau, Peking oder Teheran. In ganz Zentralasien gibt es keine großen Filmfestspiele, daher verstehen wir uns als eine Brücke zwischen dem Osten und dem Westen.

Was ist auf dem Festival geplant?

Die Veranstaltung besteht aus sechs Teilen – einem Wettbewerb, einem kasachischen Programm, einem zentralasiatischen, einem außerwettbewerblichen Programm sowie einer Retrospektive zweier Filmemacher und kasachischen Filmen, die zu Sowjetzeiten verboten waren. Am eigentlichen Wettbewerb nehmen 15 Filme teil. Darunter fünf aus Europa, fünf aus Asien und fünf aus den GUS-Staaten. Die Filme, die dabei zur Auswahl stehen, können verschiedene Genres behandeln und haben eine Verbindung zu Europa und Asien. Die Jury besteht aus fünf, sieben oder neun Personen. Vergangenes Jahr saßen sieben im Kampfrichterkollegium, darunter die deutsche Schauspielerin Franka Potente. 2005 zeigten wir 72 Filme und hatten 158 ausländische Gäste zu Besuch.

Welche Aufgabe haben Sie dabei?

Hauptberuflich bin ich Journalistin und Filmkritikerin und für den Zeitraum von „Eurasia” als Kunstdirektorin bei „Kasachfilm” angestellt. Ich habe die Aufgabe, die Programme zusammenzustellen. Dazu zählt, die Filme auszuwählen und danach die Schauspieler oder Regisseure zum Filmfestspiel einzuladen. Ich arbeite aber nicht allein daran, sondern wir sind ein großes Team.

Seit wann gibt es die Veranstaltung?

Das erste „Eurasia“-Filmfestival fand 1998 statt. Seither gab es eine lange Pause bis zur zweiten Veranstaltung 2005. Es ist ein wenig ironisch, dass beide Festspiele genau vor den Präsidentschaftswahlen in Kasachstan waren. Daher glaubt niemand, wir würden „Eurasia” jedes Jahr abhalten. Dieses Jahr gibt es in jedem Fall das dritte Fest und wir arbeiten daran, dass es die größten Filmfestspiele in Zentralasien werden.

Welche Bedeutung hat das Kinofestival für Almaty beziehungsweise für Zentralasien?

Für Zentralasien ist es die größte Filmveranstaltung. Man könnte es „Ferien der Filme” nennen. Vor allem ist es spannend, wenn Filmstars zu Gast sind. Im vergangenen Jahr kamen Jean-Claude van Damme und Catherine Deneuve. Vor allem für die Filmindustrie ist Eurasia ein sehr wichtiges Ereignis. Auch Schauspieler und Filmemacher profitieren von der Veranstaltung. Außerdem ist es für das Filmstudio „Kasachfilm”, welches für dieses Festival verantwortlich ist, eine gute Promotion.

Mit welchen Firmen arbeiten sie hier zusammen und wie finanziert sich das Projekt?

Hauptsächlich gibt die Regierung die Gelder für das Festival. Der Kultusminister von Kasachstan unterstützt die Veranstaltung. Damals hatte er einen Wettbewerb ausgerufen, bei dem sich verschiedene Interessenten für dieses Ereignis qualifizieren sollten. Das staatliche Filmstudio „Kasachfilm“ ist dabei als Gewinner hervorgegangen und seither wird es von der Regierung subventioniert. Es gibt aber noch weitere Geldgeber. Derzeit kann ich noch keine genauen nennen, es werden aber Transport- und Luftfahrtunternehmen ebenso dran beteiligt sein wie Medienunternehmen.

Seit wann laufen die Vorbereitungen zu den Filmfestspielen?

Insgesamt arbeitet ein Komitee vier bis fünf Monate daran und beginnt Ende Mai. Es steht noch nicht fest, welche Filme in Konkurrenz zueinander stehen werden – das entscheidet sich Ende August. Ein kasachischer Ausschuss von Drehbuchschreibern, Filmkritikern und Regisseuren wählt aus 40 Filmen 15 aus. Überdies laufen die Verhandlungen mit Schauspielern, Filmemachern und Produzenten.

Mit welchen Gästen können Sie für dieses Jahr schon sicher rechnen?

Der amerikanische Schauspieler Steven Seagal wird sicher zu den Filmfestspielen kommen. Er hat ein persönliches Interesse an Kasachstan und plant außerdem einen Film über Dschingis Khan zu drehen. Zudem wird auch der französische Akteur Alain Delon anwesend sein. Weiter ist sicher mit dem deutschen Regisseur Volker Schlöndorff zu rechnen. Seine neueste Arbeit heißt „Ulschan”. Der Film ist eine Kooperation zwischen Deutschland, Frankreich und Kasachstan.

Wo werden die Filme Ende September gezeigt und auf welche kann man bereits gespannt sein?

Das Filmfestival ereignet sich an verschiedenen Orten. Das Hauptgebäude ist der Palast der Republik und ansonsten noch verschiedene Kinos wie das „Caesar”. Es wird auf jeden Fall eine Retrospektive mit sechs Filmen von Schlöndorff und von dem iranischen Regisseur Mokhson Makhmalbaf geben. Zum Wettbewerb wird sicher einer der beiden Filme „Das Leben der Anderen” von Florian Henckel von Donnersmarck und „Sommer vorm Balkon” von Andreas Dresen gehören. Außerhalb des Wettbewerbs werden wir den Film „Requiem” von Hans-Christian Schmid zeigen, der den Silbernen Bären bei der Berlinale 2006 gewonnen hat.

 

28/07/06

Hinterlasse eine Antwort

Please enter your comment!
Please enter your name here