Es hat eine ganze Menge Versprechungen gehagelt auf der internationalen Investorenkonferenz in Astana, Anfang Juni. Wie immer bei solchen Anlässen präsentiert der kasachische Präsident persönlich die Grundzüge der Wirtschaftspolitik der nächsten Zeit. So auch diesmal.

Doch am Anfang standen Erfolgsmeldungen , darunter vor allem die, dass der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen in diesem Jahr 50 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Das ist sicher beachtlich, wichtiger scheint mir jedoch das Investitionsvolumen der heimischen Investoren zu sein. Diese machen letztlich die Musik, weil sie mit fast 20 Milliarden Dollar (gegenüber 6 Milliarden Dollar Auslandsinvestitionen) die größere Menge ausmachen. Mit Stolz wurde auch auf die ersten Notierungen kasachischer Unternehmen an der Londoner Börse verwiesen. Um das zu erreichen, ist bekanntlich eine ganze Menge an Vorbereitungsarbeit nötig, vor allem auch hinsichtlich von Transparenz und der Einhaltung der internationalen Buchungsregeln. Das nichtangesprochene Problem liegt in dieser Hinsicht jedoch im heimischen Wertpapiermarkt. Der dümpelt immer noch mehr oder weniger vor sich hin, weil zu wenig hiesige Unternehmen den Sprung an die Börse wagen. Im Herbst soll diese Frage zu einem größeren Teil gelöst sein, weil dann mehr oder weniger zwangsweise die staatlichen Unternehmen einen Teil ihrer Aktien an die Börse bringen müssen.

Zu den Versprechungen: Von besonderer Wichtigkeit ist wohl die Zusage, den Staatsdienst effizienter und durchsichtiger zu machen. Es besteht keinerlei Zweifel, dass dies dringend notwendig ist. Insbesondere sollen bürokratische Hindernisse abgebaut werden. Das ist ein Thema, dass auch in Deutschland aktuell ist und auf der politischen Tagesordnung steht. Allerdings hat man dort schon zum Teil vor dieser schwierigen Aufgabe kapituliert. Mal sehen, ob ein spürbarer Bürokratieabbau hierzulande gelingt. Die Chancen stehen meiner Meinung nach dafür nicht schlecht, denn manches ist noch nicht allzu sehr verkrustet. Zumindest im Bereich der Ausbildung von Staatsangestellten hat sich schon einiges bewegt. Neueinsteiger müssen schon seit einigen Jahren einen einmonatigen Grundkurs besuchen, diese Ausbildungszeit soll nun auf alle Verwaltungsangestellten in Form regelmäßiger Fortbildungen ausgedehnt werden. Zwar ist damit immer noch keine vollwertige Erstausbildung nach europäischen Stil gegeben, aber ein erster Anfang ist wohl gemacht.

Natürlich, die Innovationen wurden genannt, richtigerweise das Herzstück einer zukunftsorientierten Wirtschaftspolitik.

Eine Reihe von Problemen allerdings wurde auf dem Investitionsforum nicht thematisiert: So wurde weder über das mittlerweile bedrohliche Inflationsniveau, noch über die negativen Folgen der rasanten Aufwertung des Tenge zum US-Dollar gesprochen. Beides aber ist ein Teil des Preises, den man für Fortschritte in anderen Fragen zahlen muss.

Bodo Lochmann

23/06/06

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