Almaty hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Messestandort in Zentralasien entwickelt. Mehr als 20 Fachmessen finden mittlerweile jährlich vor allem auf dem Ausstellungsgelände „Atakent“, aber auch an anderen Orten in Almaty statt. Die Palette der angebotenen Veranstaltungen und die Breite der Zielgruppen ist dabei groß: es gibt Publikumsmessen ebenso wie Fachmessen.

Messen sind für praktisch alle Unternehmen ein wichtiges Marketinginstrument. Zum einen können die Aussteller hier kostengünstig und in einem überschaubaren Zeitraum mit einer großen Anzahl potentieller oder/ und reeller Kunden ins persönliche Gespräch kommen. Sie können Präsentationen vorführen und Informationsmaterial verteilen. Außerdem lassen sich die Wettbewerber und die neuesten Entwicklungstrends in der jeweiligen Branche studieren. Nicht unwesentlich ist auch die Möglichkeit, neue Mitarbeiter zu finden, zum Beispiel Hochschulabsolventen. In letzterer Hinsicht haben die meisten hiesigen Messen jedoch einen Nachteil: oft werden Studenten nicht hineingelassen. Damit ist ihnen und den Hochschulen eine Möglichkeit verbaut, die Ausbildung etwas praxisnaher zu gestalten. Sicher, in Almaty gibt es sehr viele Studenten, und alle können ganz einfach nicht die Messen stürmen. Dass es jedoch auch mit einem Schreiben des Rektors und der Vergabe von konkreten Projektaufgaben für Studenten meist nicht erlaubt ist, bestimmte Messen zu besuchen, ist zumindest keine weitsichtige Entscheidung der teilnehmenden Firmen.

Der mittlerweile nun schon traditionelle Tag der Deutschen Wirtschaft gehört in eine andere Veanstaltungskategorie. Hier wird ein aktuelles Wirtschaftsthema inhaltlich behandelt und eine breite Palette von Unternehmen stellt entsprechende Dienstleitungs- und Warenangebote vor. Die Veranstaltung gehört mehr zu den Angeboten für Europa- beziehungsweise Deutschlandorientierte und ist weniger für ein sehr breites Publikum gedacht. Veranstaltungen solcher Art müssen gut vorbereitet werden, und sie kosten auch Geld. Auch wenn die Effekte nicht direkt in Mark und Pfennig zu berechnen sind – es lohnt sich auf jeden Fall. Wirtschaftsprozesse sind nichts Automatisches. An ihnen nehmen immer Menschen teil. Das heißt, es ist eine gehörige Portion Psychologie und/oder auch subjektives Herangehen, Bewerten und Handeln gegeben. Zu Geschäften aller Art gehören immer mindestens zwei Partner und die müssen sich erst einmal finden und sich gegenseitig über eine bestimmte Zeit gegenseitig erproben.

Der Tag der Deutschen Wirtschaft ist gerade eine solche Möglichkeit, Geschäftspartner zu finden und neue Informationen aufzunehmen. Folglich wird hier Wirtschaftsförderung betrieben, die ihre Früchte jedoch meist nicht kurzfristig, wohl aber auf lange Sicht trägt. Die Effekte der Tage der Deutschen Wirtschaft der vergangenen Jahre sind in den insgesamt guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Kasachstan und Deutschland versteckt und natürlich isoliert nicht zu berechnen. Die genannten Wirtschaftsbeziehungen weisen eine hohe Entwicklungsdynamik aus. Das gegenseitige Außenhandelsvolumen wächst mit zweistelligen Raten und hat im vergangenen Jahr 3,8 Milliarden Euro erreicht. Das sind immerhin etwa 8 Prozent des gesamten kasachischen Außenhandels. Die Struktur der Warenströme ist dabei in den letzten Jahren im Wesentlichen gleich geblieben: Deutschland importiert aus Kasachstan vor allem Rohstoffe, darunter etwa 6 Millionen Tonnen Erdöl und exportiert nach Kasachstan insbesondere Maschinen und Ausrüstungen. Kasachstan hat im Handel mit Deutschland ein positives Außenhandelssaldo, wertmäßig werden also mehr kasachische Waren nach Deutschland verkauft, als von dort eingekauft werden. Das ist vor allem den hohen aktuellen Weltmarktpreisen für die kasachischen Hauptexportprodukte geschuldet und nicht dem Vorhandensein einer großen Breite wettbewerbsfähiger Waren aus der kasachischen verarbeitenden Industrie. Doch das ist im Moment nicht entscheidend. Geld ist Geld, und der Handelsüberschuss ist erst einmal in Kasachstan.

Die deutschen Investitionen in die kasachische Wirtschaft entwickeln sich auch mit hoher Dynamik. Im vergangenen Jahr wurden allein im ersten Halbjahr von deutschen Unternehmen netto (also nach Abzug aller Rückflüsse an die Investoren) 68 Millionen US-Dollar investiert, so dass der Gesamtbestand an deutschen Investitionen in Kasachstan etwa 560 Millionen US-Dollar erreicht. Damit belegt Deutschland Platz 12 unter den ausländischen Direktinvestitionen in Kasachstan. Diese Summe setzt sich aus den Investitionen einer größeren Anzahl vor allem mittelständischer Unternehmen zusammen. Denn Ölgiganten, die schnell mal ein paar Dutzend oder hundert Millionen Dollar in Kasachstan investieren, hat Deutschland ja nicht. Trotz der positiven Bewertung des jetzigen Standes der deutsch-kasachischen Wirtschaftsbeziehungen: es ist noch mehr drin für deutsche Unternehmen. Damit dieses Potential auch genutzt wird, bedarf es zum Beispiel auch des Tages der deutschen Wirtschaft und einer großen Anzahl weiterer unterschiedlichster Aktivitäten – auch in Deutschland. Der Wissensstand hinsichtlich Kasachstans ist bei den deutschen Unternehmern nach wie vor unzureichend und kann wohl nur in zäher Kleinarbeit abgebaut werden.

Bodo Lochmann

19/10/07

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