Einen kleinen Einblick, wie es um den Nachwuchs der Almatyer Musikszene bestellt ist, gewährte am 11. Oktober der kleine Klub „Bugaloff Music“: Bei ihrem Konzert heizte die Nachwuchsgruppe Greenbliss, bestehend aus Maria Kasimanowa (Gitarre, Gesang) und Valeria Miussowa (Gesang), den wenigen Gästen mit ihren Eigenkompositionen ordentlich ein und sorgte für großartige Stimmung.

„Hier ist alles sehr schlecht organisiert. Eigentlich haben wir uns darauf verlassen, dass die Betreiber die Veranstaltung publik machen und alles organisiert ist. Aber scheinbar ist das alles nicht passiert. Es findet sich nicht einmal jemand, der den Eintritt kassiert. Ich hoffe, der Abend geht nicht völlig schief“, sagte die 18-jährige Valeria Miussowa. Ihre Aussage beschreibt wohl am besten, welche Sorgen die Almatyer Nachwuchsgruppe Greenbliss am Mittwoch dem 11. Oktober kurz vor ihrem Auftritt im kleinen Klub Bugaloff Music, an der Ecke Furmanow und Schibek-Scholy-Straße, plagte. Tatsächlich hätte man so knapp vor dem Konzert einen größeren Besucherandrang erwartet. Da aber, wie sich später herausstellte, weder Plakate noch Handzettel den Auftritt zuvor angekündigt hatten, wussten wohl überhaupt nur Stammgäste und enge Freunde der Musikerinnen von der Veranstaltung. Dementsprechend leer war es somit auch im Inneren des relativ einfach gehaltenen Klubs, dessen Szenerie lediglich aus einer Bar, einem kleinen Podest, das als Bühne dient, einer gefliesten Tanzfläche und Teppichboden im restlichen Lokal besteht. Nur die mit Fotos und Zeitungsartikeln großer Hardrocker längst vergangener Tage bedruckten Tische und die von den Wänden strahlenden Hochglanzfotografien der Stars zeigen, dass das Kellerlokal ein Treffpunkt für Musikfreunde ist. Erst Ozzy Osborne, Robert Plant, Mick Jagger und Co. verleihen diesem Platz das nötige Flair eines Veranstaltungsorts.

Doch das Schicksal meinte es an diesem Tag offensichtlich gut mit der erst 17-jährigen Gitarristin Maria Kasimanowa und ihrer Gesangspartnerin Valeria. Schon nach wenigen Akkorden war an den lauter werdenden Stimmen und der energischer gespielten Gitarre zu merken, dass bei den noch relativ unerfahrenen Musikerinnen anfängliches Lampenfieber verflogen war und die beiden ihre Sicherheit gefunden hatten. Die gleichberechtigten Gesangsstimmen, lediglich begleitet von Marias akustischer Gittarre, ergänzten sich dabei bestens. Maria erinnerte mit ihrer eher rauhen, leicht derben Stimme und ihrem exakten, jedoch nicht minder energischen Gitarrenspiel am ehesten an die im September 2003 verstorbene Countrylegende Johnny Cash; Valeria an eine Janis Joplin mit einem mehrere Oktaven umfassenden Gesangsvolumen einer Cindy Lauper.

Das fast ausschließlich aus Eigenkompositionen bestehende Repertoire der beiden war eine Mischung aus verschiedenen Einflüssen und Musikstilen von Blues über Alternative und Akustikrock bis zu Rock, gespickt mit Elementen russischer Musik. Zusammengenommen eine recht ansprechende Mixtur. Auch schien die Darbietung direkt aus dem tiefsten Inneren der beiden ehemaligen Musikschülerinnen zu kommen. Dadurch war das Ganze umso ausdrucksstärker, und die vor dem Konzert geäußerten Worte Valerias: „Wir wollen unsere Musik leben und bekannt werden“ waren nicht einfach so dahergesagt.

Nachdem das Publikum der Gruppe nach jedem Lied lautstark Beifall spendete, klatschte und johlte, gestalteten die Musikerinnen ihre Aufführung immer mutiger. Höhepunkt des Konzerts war dann der Moment, an dem Greenbliss es schaffte, die Besucher völlig in seinen Bann zu ziehen, und die meisten sogar zum Mitsingen animierte. Ab diesem Zeitpunkt war es mehr als nur ein gelungener Konzertabend. Die Hemmungen unter den Zuhörer waren wie weggeblasen und diejenigen, die es nicht mehr auf ihren Sitzen hielt, eroberten jetzt die Tanzfläche. In deutlich ausgelassenerer Stimmung als zuvor ging nun der Konzertabend weiter. Nach über einer Stunde intensivster Darbietung versuchten die bereits sichtlich erschöpften Musikerinnen, langsam ein Ende zu finden. Ohne Zugabe sollten sie aber nicht davonkommen. Das Publikum ließ sie einfach nicht abtreten. Diesem Wunsch kamen die beiden, für die Musik nach eigenen Aussagen alles bedeutet, bereitwillig nach und brachten noch einmal Schwung in die Bude und Leben auf die Tanzfläche.

Doch hätte eine dermaßen ambitionierte Band, die es verstand, eine Leistung auf höchstem Niveau abzuliefern, eine größere Zuschauerzahl verdient. So mancher Künstler, der bei großen Plattenlabels unter Vertrag steht, wäre unter diesen Umständen wohl heillos untergegangen. Maria und Valeria verstanden es aber mit ihrer ehrlichen und unverfälschten Leistung bei den Konzertbesuchern zu punkten.

Von Christoph Salzl

27/10/06

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