„Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.“ Mit diesen Worten meldete sich Philipp Reis 1860 bei seinem Gesprächspartner. Ihm war damals die erste funktionsfähige Fernsprechverbindung gelungen und er hatte bewusst diesen sinnfreien Satz ausgewählt, um zu zeigen, dass das „Telephon“ tatsächlich funktioniert.

Reis ist nicht der einzige Deutsche, dessen Erfindung die Welt verändert hat. Wer könnte sich heute noch ein Leben ohne Auto, Fernseher oder Computer vorstellen? Das Goethe-Institut widmet in Kooperation mit der Fraunhofer-Gesellschaft und der Max-Planck-Gesellschaft dem „Erfinderland Deutschland“ eine eigene Ausstellung. Seit dem 15. März ist sie in Almaty zu sehen.

Der „Baukasten Forschung“ präsentiert deutsche Erfindungen aus den Bereichen Informatik, Energie, Kommunikation, Mobilität, Medizin, Optik und Material. Kuriose Zitate bekannter Personen führen die Besucher in die jeweilige Thematik ein. So gibt Konrad Zuse zu: „Ich war einfach zu faul zum Rechnen.“ 1941 konstruierte er mit dem Z3 den ersten funktionierenden Computer der Welt.

Zu jedem Bereich gehören fünf bis sechs Exponate, welche auf einer Bild-Text-Wand, die vom Aufbau her an die Spielzeuge aus den Kinder-Überraschungseiern erinnern, erklärt werden. Mitmach-Elemente regen dazu an, selbst aktiv zu werden. Filme und Hörstationen ergänzen das Angebot. In der Mitte des Ausstellungsraumes informiert eine Station über das Studieren und Forschen in Deutschland. Die Kuratoren betonen, dass nicht nur historische Erfindungen, sondern auch aktuelle innovative Ansätze, zum Beispiel bei der Energieerzeugung, gezeigt werden.

Geht es nach der jährlichen Zahl der Patentanmeldungen, ist Deutschland zumindest das erfindungsreichste Land in Europa. Laut der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) kam es mit 18.982 Patentanmeldungen im Jahr 2017 auf Platz vier – hinter den USA, China und Japan. In die Top 10 der Antragsteller schafft es allerdings kein einziges deutsches Unternehmen. Hier haben die Amerikaner und Asiaten klar die Nase vorn. In Europa sieht die Situation etwas besser aus: Hier liegt Deutschland auf Platz zwei hinter den USA, das Unternehmen mit den meisten Anmeldungen beim Europäischen Patentamt: Siemens.

Die rund 60 Besucher, die an diesem Freitagnachmittag ihren Weg in das Nationalmuseum gefunden haben, schauen sich interessiert um. Die meisten von ihnen sind Studenten der Deutsch-Kasachischen Universität, so wie Daniela Groschewa, die meint, dass die Ausstellung ungewöhnlich und interessant gestaltet sei. Andere Besucher finden die Ausstellung, die seit 2015 um die Welt tourt, „ganz nett“. Etwas größer könnte sie sein, interaktiver. In einer Zeit, in der Smartphones und Computer mit Touchscreen den Alltag vieler Menschen beherrschen, wirkt die Exposition, die den deutschen Erfindergeist herausstellen soll, ein bisschen aus der Zeit gefallen. Auch den kleinen Roboter, der einen am Eingang auf einem Plakat begrüßt, sucht man vergeblich.

Und noch etwas fehlt: Eine Ausstellungsbesucherin aus Deutschland merkt kritisch an, dass fast alle der dargestellten Erfinder Männer seien. Positiv herausgestellt wird, dass Anfang August 1888 Bertha Benz die erste längere Fahrt mit dem von ihrem Mann erfundenen Automobil unternimmt. Im Bereich Medizin wird zumindest Christiane Nüsslein-Volhard erwähnt. Für ihre Forschung über die genetische Kontrolle der frühen Embryonalentwicklung erhielt sie 1995 als erste deutsche Frau den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.

Vielleicht weniger spektakulär als ein Auto oder ein Computer könnten aber auch Melitta Bentz und ihre Kaffeefilter oder Marga Faulstich, Erfinderin der ersten optischen Gläser, den Weg in die Ausstellung finden. Letztere hat an der Entwicklung von über 300 Typen optischer Brillengläser mitgewirkt und so das Leben für viele Brillenträger einfacher gemacht. Etwa 40 Patente sind auf ihren Namen zugelassen. Die deutsch-amerikanische Physikerin Maria Goeppert-Mayer erhielt 1963 für ihre Entwicklung des Schalenmodells der Atomkerne als zweite Frau überhaupt den Nobelpreis für Physik – den sie sich mit Hans Jensen teilte, der die nukleare Schalenstruktur zeitgleich gefunden hatte.

Die Ausstellung „Erfinderland Deutschland – Baukasten Forschung“ ist noch bis zum 11. April in Almaty zu sehen, danach zieht sie weiter nach Karaganda.

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