Das Friedensstiftende Projekt der Robert-Bosch-Stiftung ermuntert junge Menschen aus dem Ferghanatal dazu, die Generationen ihrer Eltern und Großeltern als Zeitzeugen blutiger Konflikte in der Region zu befragen. Diesmal der Einblick in die Familiengeschichte Islombek Machmudows (Foto).

 

„Die Familie ist ein kleiner Staat mit verschiedenen Mitgliedern, die in einem kleinen Haus gemeinsam wohnen. Das ist der Ort, wo man sich gemütlich und wohl fühlt“, sagt Islombek Machmudow (21), genannt Islam, der beim Projekt „Frag deine Oma“ den Preis für den schönsten Stammbaum gewonnen hat.
Als Islam elf oder zwölf Jahre alt war, erzählte seine Großmutter ihre Familiengeschichte. Sie haben eine sehr spannende Abstammung. Der mittelasiatische Aufstand gegen die russische Regierung in den Jahren 1916/1917 beeinflusste die Familie seiner Vorfahren väterlicherseits. Wie viele ihrer Landsleute, waren auch sie gezwungen, während des Aufstands aus Andijon (Usbekistan) zeitweilig nach Urumtschi (China) zu fliehen.
Sein Urgroßvater gründete eine sehr große Familie mit vier verschiedenen Frauen, die aus unterschiedlichen Städten kamen.Islams Großeltern heirateten später in Andischon. Doch wegen der kaum vorhandenen Arbeit in den sechziger Jahren wanderten sie nach Osch (Kirgisistan) aus. Seit damals lebt die Familie im Süden Kirgisistans.
„Wenn mich jemand fragt, ob mir Familie oder Karriere wichtiger ist, wähle ich natürlich die Familie“, erzählt Islam mit ernstem Gesicht. Da er sich der Tradition verbunden fühlt, will er für immer mit seinen Eltern zusammenleben. Als einziger Sohn will er sich schließlich um sie kümmern.
Für viele muslimische Familien im Ferganatal ist es üblich, dass der jüngste Sohn bei den Eltern bleibt und dort mit seiner Frau und seinen Kindern wohnt. Islams ältere Schwester ist bereits verheiratet und wohnt nicht mehr bei der Familie. Zurzeit kümmert er sich um seine beiden anderen Schwestern.
Aufgeregt und lächelnd äußert er seine Zukunftsziele: „Ich würde gern im Ausland studieren. Meine Zukunft möchte ich dort aufbauen, nur möchte ich meine Eltern nicht allein leben lassen.“
Nursat Tschintemirowa, 24, Kirgisistan (Osch) und Ramilja Tursunowa, 22, Usbekistan (Fergana)Islam will nur eine Frau heiraten, die seine Religion teilt. Bald ist er mit dem Bachelor-Studium fertig, möchte dann ein paar Jahre arbeiten und sein Masterstudium machen. Er hat den großen Wunsch, in einer Nichtregierungsorganisation zu arbeiten. Nach seinem 23. Lebensjahr möchte er dann seinen eigenen „Staat“ gründen.

Nursat Tschintemirowa, 24, Kirgisistan (Osch) und Ramilja Tursunowa, 22, Usbekistan (Fergana)

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