Tiefe Stille herrscht noch im Wald. Alle wissen: Der Hasenhäuptling ist sehr beschäftigt. Er überlegt angestrengt, wo er die Ostereier dieses Jahr verstecken könnte, und zwar so, dass die Kinder ein bisschen länger suchen müssen.

Sie sollen ja viel Spaß haben . Alle Tiere sind bereits neugierig, aber sie werden nicht eingeweiht. Und dann machte sich der alte Hase mit seinem Rucksack auf den Weg. Schwer war es, die bunten Eier zu tragen, doch er lehnte jede Hilfe ab. Die samtweichen Pfoten der kleinen Häschen waren alle mit Farbe beschmiert, als sie endlich den Rucksack vollgestopft hatten. Sie durften nicht mit. „Schön brav zu Hause bleiben!“, sagte ihnen der Hasenhäuptling.

Der alte Hase ging weit. Der Wald lag schon beinahe hinter ihm, und man sah die ersten Häuser des Dorfes. „Jetzt muss ich mich erst verschnaufen. Dort weiter steht eine einsame Eiche, die hat eine tiefe Höhlung, da lege ich die Eier hinein. Die Kinder spielen öfters in dieser Gegend, klettern auf die Eiche. Aber mal sehen, wie schnell sie die Eier entdecken werden. Ich denke, das ist ein gutes Versteck.“

So überlegte der Hasenhäuptling, als seine Ohren plötzlich ein seltsames Geräusch vernahmen. Da nieste jemand, und aus dem Gestrüpp hüpfte ein junger Hase heraus. „Uff-f-f! Ist es da staubig! Du bist das? E-e-e… Was machst du hier, Hasenhäuptling?“ „Das wollte ich gerade dich fragen“, antwortete der alte Hase. „Ich …ich habe mich verirrt, ja, im Wald verirrt. Kann ich mit dir weitergehen, ich finde den Weg nicht mehr zurück?“ Dem Hasenhäuptling blieb nichts anderes übrig, als das Häschen mitgehen zu lassen. „Aber“, meinte er, „sag bloß zu keinem ein Wort, wo wir die Eier verstecken! Das wissen jetzt nur du und ich.“ Natürlich versicherte der junge Hase, dass von ihm keiner etwas erfahren würde. Doch als sie weitergingen, hüpfte es hin und her vor Aufregung, fand keine Ruhe. Die Last des Geheimnisses war so groß, dass er es seinem Freund erzählen musste.

Rasch verbreitete sich die Nachricht im ganzen Wald. Die Tiere und Vögel befanden sich in freudiger Erwartung des Frühlingsfestes, ungeduldig lauschten sie, ob die Kinder kämen. Die Sperlinge schwätzten unermüdlich: „In der Baum-höh-lung! In der Baum-höh-lung!“ Der Specht hämmerte dazu im Takt, und der Kuckuck rief die Worte laut durch den Wald. Der alte Hase aber war ratlos: „Der ganze Wald weiß es! Woher?“ Doch als er das schuldbewusste Häschen vor sich sah, verstand er alles. Der „Übeltäter“ aber stammelte bloß: „Ich…ich habe es nur meinem Freund erzählt, wirklich – sonst keinem…“

In diesem Augenblick trafen sich schon die Kinder aus dem Dorf mit fröhlichem Rufen im Wald ein. Die Frühlingssonne lachte mit ihnen, der sanfte Wind strich über ihre Gesichter. Sie suchten die Ostereier und überhörten in ihrem Eifer alles, was auf das Versteck hindeutete. Sie hatten viel, viel Spaß beim Suchen. Und das Häschen? Das wurde in diesen Stunden ein bisschen erwachsener und freute sich riesig, dass die Feier doch noch so gut gelang.

Elvira Schick, Lemgo

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