Hanna Wolf: „Der Sprung ins absolut Ungewisse“

Hanna Wolf
Hanna Wolf arbeitete neun Monate lang als Sprachassistentin in Kostanai. | Foto: privat

Sie kommen als Austauschstudenten, Freiwillige, Sprachassistenten oder Praktikanten. Was zieht junge Deutsche nach Kasachstan? In einer losen Reihe stellen wir einige von ihnen vor, um dieser Frage auf den Grund zu gehen. Hanna Wolf (32) hat Englisch, Deutsch, Französisch und Allgemeine Vergleichende Literaturwissenschaft in Berlin und Edinburgh studiert. Von September 2017 bis Mai 2018 arbeitete sie als Sprachassistentin des Goethe-Instituts in Kostanai.

Was waren deine Aufgaben als Sprachassistentin?

Hanna: Eine meiner Hauptaufgaben bestand darin, die Kolleginnen am Sprachlernzentrum beim Unterricht zu unterstützen. Zu den Lernenden habe ich schnell eine produktive Beziehung aufbauen können. Natürlich war es auch für sie eine ganz besondere Möglichkeit, mit einer Muttersprachlerin zu sprechen und etwas aus erster Hand über die aktuelle gesellschaftliche und politische Situation in Deutschland zu erfahren.

Besonders gefallen hat mir neben meinen Unterrichtstätigkeiten die Organisation verschiedener kultureller Veranstaltungen wie Filmabende, Adventsbäckereien, aber auch zu aktuellen Ereignissen in Deutschland wie der Bundestagswahl 2017 oder das 500. Jubiläum der Reformation. Insbesondere das Abschlussprojekt zum Thema „Deutsch mit Musik“, das wir mit einem großen zweitägigen Workshop am Goethe-Institut in Almaty abgeschlossen haben und zu dem Jugendliche aus ganz Kasachstan und Kirgistan angereist kamen, war ein absolutes Highlight.

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Wie sah deine Arbeit mit der deutschen Minderheit aus?

Bei der deutschen Minderheit habe ich hauptsächlich Fortbildungen für die Lehrkräfte gegeben. Thematisch ging es dabei um verschiedenste Inhalte vom Thema Weihnachten bis hin zu Anglizismen in der deutschen Jugendsprache. Die Angehörigen der deutschen Minderheit waren natürlich auch immer bei den verschiedenen kulturellen Veranstaltungen dabei.

Wieso hast du dir Kasachstan ausgesucht?

Ich war vorher nie in einem GUS-Staat, sprach kein Russisch, geschweige denn Kasachisch und hatte nur wenige Vorstellungen von diesem weiten Land und den Menschen, die in ihm leben. Das war es dann allerdings auch, was mich daran gereizt hat: Der Sprung ins absolut Ungewisse, etwas kennenzulernen, was mir völlig fremd war, mit Menschen aus einer ganz anderen Kultur in Kontakt zu kommen und mit ihnen zu arbeiten.

Nachdem ich mich etwas mehr mit Kasachstan beschäftigt hatte, hat mich besonders fasziniert, wie viele verschiedene Völker und Sprachen in diesem großen Land heimisch sind und wie friedlich sie miteinander leben.

Wie war das Leben als Ausländerin für dich in Kostanai?

Der Anfang war für mich nicht ganz einfach, da es in Kostanai nur eine sehr überschaubare Zahl an Ausländern gibt. Leider konnte ich während meiner gesamten Zeit in Kostanai die Sprachbarriere nie so recht überwinden, was den Alltag nicht immer einfach gestaltete.

Doch besonders zu meinen Kolleginnen, die alle hervorragend Deutsch sprechen, hatte ich sehr guten Kontakt. Als Ausländerin in Kostanai ist man natürlich etwas sehr Besonderes. Die Menschen sind sehr aufgeschlossen und neugierig, und freuen sich sehr, wenn ich mit meinem schlechten Russisch ein bisschen erzählen kann.

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Was wird dir besonders in Erinnerung bleiben?

Besonders eindrücklich fand ich den Winter im nördlichen Kasachstan. Tatsächlich war es zeitweise bitterkalt, bis zu -35 Grad, aber dennoch haben sich die Menschen noch vor die Tür getraut. Im Zentrum der Stadt gab es eine große Eisrutsche und sogar vor der Markthalle gab es auch draußen Stände. Und auch wenn selbst im Winter sehr oft die Sonne geschienen hat, habe mich dann sehr über den Frühling gefreut! Mein Leben in Kostanai war sehr viel ruhiger als in Berlin. Allerdings habe ich das etwas langsamere Leben in der Kleinstadt genossen.

Wie blickst du auf die vergangenen Monate?

Für mich waren die vergangenen Monate ein richtiges Abenteuer. Ich habe sehr viel gelernt, nicht nur über das Land und die Menschen, sondern auch über mich selbst. Ich habe mich während dieser Zeit nicht nur persönlich, sondern auch beruflich weiterentwickelt und werde auch in den nächsten Jahren weiter die deutsche Sprache und Kultur unterrichten, allerdings ab September in Westeuropa.

Das Interview führte Mayely Müller.