Die Pawlodarer Gebietsgesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ zählt zu den drei größten und zu einer der erfolgreichsten regionalen Gesellschaften. Sie unterscheidet sich von anderen Regionen unter anderem durch die aktive Beteiligung vieler lokaler, kasachstandeutscher Unternehmer. Warum sie so aktiv sind und was Pawlodar anders macht, erzählte die stellvertretende Vorsitzende Olga Litnewskaja in einem Interview.

Was macht Pawlodar besonders?

Unser Vorsitzender, Wjatscheslaw Ruf, hat es einmal sehr treffend formuliert: „Was unsere Regionalvertretung von anderen unterscheidet, ist etwas, was es nirgendwo sonst gibt“. Im Jahr 2005, als unsere Regionalleitung wechselte, wurden auch kasachstandeutsche Unternehmer in den Vorsitz gewählt.

Das Hauptziel wurde eine fühlbare Unterstützung der Kasachstandeutschen im Bezirk Pawlodar. Diese solidarische Verantwortung seitens der Unternehmer ist natürlich eine große Stütze. Es geht zum Beispiel um Unterstützung von gemeinnützigen Institutionen, sozial Schwachen, Rentnern, Kindern aus sozialschwachen Familien, um kostspielige Operationen und Medikamente für Bedürftige.

Wie werden diese Entscheidungen getroffen?

Seit 2007 gibt es eine soziale Kommission, die die eingehenden Anfragen prüft, jeden Fall einzeln entscheidet und den Umfang der Hilfeleistung ermisst.

Können Sie vielleicht ein Beispiel geben?

Zum Beispiel wandte sich der Pfarrer der lutherischen Kirche an uns. Man hatte dort mit Renovierungsarbeiten im Gotteshaus begonnen. Wie so oft, reichte das zunächst eingeplante Budget nicht zur Fertigstellung der Arbeiten. Ich habe es mir vor Ort angeschaut, den Verantwortlichen die Infos zugestellt und das Problem hat sich sehr schnell gelöst.
Auch zu Weihnachten versammeln wir 400 deutschlernende Kinder, die alle mit einem Geschenk nach Hause gehen. Das ist ebenso nur durch die finanzielle Unterstützung der Unternehmer möglich.

Wie ist das Verhältnis der Unternehmerförderung und der BMI-Förderung?

Ich kann es nur soweit vergleichen, als dass im Bereich Sozialhilfe mit BMI-Geldern ca. 1100 Menschen geholfen werden kann. Mit Unterstützung der Unternehmer in Form von Finanzierung oder auch Sachleistungen können wir 200-300 Bedürftigen helfen. Das sind meist die Fälle, die sonst durch bürokratische oder zeitliche Raster fallen und die wir noch mit auffangen.

Sie sind ja lange nicht mehr nur Stellvertreterin, sondern auch ausführend.

Ja, das stimmt, ich bin mittlerweile eine Art Geschäftsführerin. Ich arbeite seit 1991 in der Gebietsgesellschaft. Seit 1998 bin ich für Projekte mit kasachstandeutscher Thematik zuständig. Davor war ich in der Beratungsstelle für ausreisende Spätaussiedler und habe die Deutschen sozusagen „exportiert“. Aufgrund dieser Arbeit kenne ich fast alle Familien im Gebiet Pawlodar.

Reisen bei Ihnen weniger aus, als in anderen Gebieten?

Dafür liegt mir keine Statistik vor. Allerdings kann ich sagen, dass die Zahl der Ausreisenden seit der Gesetzeslockerung vor drei Jahren stabil geblieben ist – rund um die 100.

Wenn Sie seit 1991 in dieser Sphäre tätig sind, feiern auch Sie ihr Jubiläumsjahr. Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre?

Für mich steht Jugend für Zukunft. Als ich 1998 mit Projektmanagement anfing, stellte ich mir das Ziel, alle Arbeitsbereiche zu vereinen. Alle unsere Projekte sind ineinander verflochten. Es gibt natürlich Spezialisierung auf Soziales, Bildung, Kinder oder etwa Jugendthematisches, aber es ist wie ein alleinstehender Organismus, alles aufeinander aufgebaut. Alle arbeiten transparent, sind hilfsbereit und im Einklang – das unterscheidet uns wahrscheinlich auch. Und alle belohnen sich auch zusammen für die Arbeit – unser Weihnachtsfest ist ein Beispiel für ein großes Fest in familiärer und solidarischer Atmosphäre.

So soll es ja sicherlich auch bleiben?

Ja, und deshalb plane ich mittlerweile in Richtung einer verantwortungsvollen Nachfolge. Zum Glück bin ich von vielen guten Schülern umgeben, die heran-
wachsen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Julia Boxler.

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