Viktor Zoi ist Leiter des Debattierklubs in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. Dort treffen sich zweimal pro Monat nicht nur Studenten, um auf Deutsch über verschiedene aktuelle Themen zu diskutieren. Der 24-jährige Viktor Zoi will in seinem Klub jungen Leuten helfen, ihre Sprachkenntnisse zu erhalten und zu verbessern. Im Interview mit der DAZ-Redakteurin Cornelia Riedel erzählt er, wie die Idee entstand und welche Pläne es für die Zukunft gibt.

Herr Zoi, wie lange gibt es den Debattierklub in Bischkek, und was genau ist das?

Der deutsche Debattierklub ist eine gemeinsame Aktion einer Jugendinitiative, die aus Studierenden der Bischkeker Hochschulen und  Mitgliedern des Zentrums der deutschen Kultur besteht und sich hauptsächlich mit der  Jugendarbeit auf Deutsch beschäftigt. Vor vier Jahren haben wir schon einmal ein solches Projekt begonnen, doch damals fehlten den Organisatoren Erfahrung, und wir hatten keinen festen Arbeitsraum und waren gezwungen, ständig von einem Raum in einen anderen innerhalb der Amerikanischen Universität umzuziehen. Dies war aber nicht das Hauptproblem, außerdem konnten Studenten von anderen Universitäten wegen der Sicherheitskontrolle am Eingang nicht in das Unigebäude rein. All dies erschwerte die Arbeit des Klubs, so hörte er nach einigen Monaten auf zu existieren. In diesem Jahr wurde das Projekt „Deutscher Debattierklub“ mit neuer Kraft und neuen Akteuren angefangen. Mit Unterstützung des Zentrums der deutschen Kultur bekam der Klub eine neue Chance.

Wie entstand die Idee eines Debattierklubs?

Mehrere Studierende und Leute, die sich für Deutsch interessieren, hatten keine Möglichkeit, ihre sprachlichen Fähigkeiten auszuprobieren, so gingen ihre Deutschkenntnisse meistens einfach verloren. Deshalb hatten wir die Idee, einen Sprachklub zu gründen, wo jeder, der möchte, seine Deutschkenntnisse verbessern kann.

Was ist das Ziel des Debattierklubs, und wer sind die Gäste und Teilnehmer?

Eigentlich ist der Debattierklub bloß als Sprachklub gedacht gewesen. Wir laden zu jedem Treff einen Muttersprachler zum Moderieren ein: Zu Besuch waren schon der Kulturattache der Deutschen Botschaft in Kirgisistan, Steffen Laas, der deutsche Doktorand Alexander Wolters und eine Austauschstudentin aus Deutschland, Janika Schulze, die ein Auslandsjahr an der Amerikanischen Universität Zentralasiens in Bischkek macht. Außerdem hat Heiner Hätzke, der zum Freiwilligen Jahr in einem der kirgisischen Kinderheime ist, unseren Debattierklub moderiert. Die Debatten finden jeden zweiten und vierten Sonntag des Monats statt. An jedem Treff nehmen etwa zwanzig Interessenten teil. Zu uns kommen hauptächlich Studierende der Hochschulen Bischkeks, Angehörige der deutschen Minderheit hier und Leute, die nach ihrem Deutschlandaufenthalt (Studium oder Au-Pair) nach Kirgisistan zurückgekommen sind. Die letzte Gruppe ist für uns von besonderem Interesse: Nach einer Befragung, die wir unter aus Deutschland Zurückgekehrten durchgeführt haben, merkten wir, dass manche von ihnen Probleme bei der Reintegration haben: Nach einem längeren Auslandsaufenthalt wird ihr Freundeskreis kleiner, sie müssen sich aufs Neue an ihre eigene Kultur gewöhnen, die mit der Zeit fremd geworden ist, ihnen fehlen aber gleichzeitig die Kultur und Sprache Deutschlands. Im Debattierklub können die Rückkehrer ihre Sehnsucht nach Deutschland „heilen“, hier finden sie Gleichgesinnte und können mit Muttersprachlern auf Deutsch debattieren. So gehen ihre Sprachkenntnisse nicht verloren, sondern verbessern und vervollkommnen sich. Bisher haben sich nur wenige ehemalige Stipendiaten an den deutschen Debattierklub gewendet, hoffentlich werden das künftig mehr!

Welche Themen werden während der Treffen besprochen?

Im Rahmen des deutschen Debattierklubs werden aktuelle Probleme Jugendlicher und Themen aus dem deutschen Alltag besprochen, es ging um soziales Engagement, Erfahrungen in Deutschland, Freizeitsbeschäftigung, Liebe und Freundschaft.

Herr Zoi, welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

In einigen Monaten ist unsere Webseite fertig, mit deren Hilfe wollen wir unsere Zielgruppe ansprechen. Es soll Nachrichten über aktuelle Ereignisse in der Stadt und aus Deutschland geben, ein Veranstaltungskalender wird über kommende Termine und Aktionen berichten, ein Forum ermöglicht eine interaktive Kommunikation. Solange wir nicht unsere eigene Webseite haben, gibt es in einem der größten Internetforen Kirgisistans (diesel.elcat.kg) eine deutschsprachige Seite, auf der jeder sein Deutsch durch Unterhalten mit anderen Teilnehmern verbessern kann. Außerdem werden die Mitglieder unseres Debattierclubs jetzt regelmäßig Nachrichten aus Kirgisistan in der Deutschen Allgemeinen Zeitung publizieren. In der Zukunft planen wir, die Ziele und Aufgaben des Debattierklubs zu vervielfältigen: Wir wollen die Teilnehmer des Klubs zur Teilnahme an verschiedenen Projekten heranziehen. Einige Schritte in dieser Richtung haben wir schon gemacht: Unter Leitung der Direktorin des Zentrums für deutsche Kultur, Soja Kaib, wurde am 21. März das Neujahrsfest Noorus für unsere deutschen Freunde durchgeführt. Unter anderem wurden kirgisische Sitten und Bräuche auf Deutsch inszeniert. Für übernächsten Sonntag planen wir ein deutsches Osterfest. Wir haben noch viele weitere Pläne in unserem deutschen Debattierklub, die wir hoffentlich in der Zukunft in die Tat umsetzen können.

Vielen Dank für das Gespräch.

07/04/06

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