Ein neues Alphabet in Kasachstan, ein tödlicher Brautraub in Kirgisistan und viele Gipfeltreffen: Wir blicken in Zentralasien auf ein ereignisreiches Jahr 2018 zurück. Die wichtigsten Ereignisse in der Region noch einmal im Überblick.

Januar

Kasachstan hat im Januar den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat inne. In den Jahren 2017 und 2018 saß das Land als erstes nichtständiges Mitglied aus Zentralasien überhaupt in dem Gremium. Im Fokus des kasachischen Vorsitzes standen die Situation in Afghanistan und die Stärkung der regionalen Zusammenarbeit. Vor dem Hintergrund des Vorsitzes reiste Staatspräsident Nursultan Nasarbajew Mitte Januar in die USA, und wurde auch von US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus empfangen.

ANT meldet, dass Frauen in Turkmenistan nicht mehr Auto fahren dürfen – egal, ob sie einen Führerschein besitzen oder nicht. Der Innenminister begründete die Maßnahme mit der hohen Anzahl an Unfällen, die Frauen verursachen.

Beim Brand eines Busses im Gebiet Aktöbe kommen am 18. Januar 52 usbekische Arbeitsmigranten ums Leben. Fünf Insassen können sich aus dem brennenden Fahrzeug retten.

Im tiefsten Winter bei Temperaturen um -30 Grad Celsius fiel in Bischkek ein frisch modernisiertes Kraftwerk aus – mit katastrophalen Folgen für Tausende Haushalte, die mehrere Tage ohne Heizung dastanden.

Ein Paukenschlag am letzten Tag des Monats: Der Präsident Usbekistans, Schawkat Mirsijojew, hatte den Geheimdienstchef Rustam Inojatow entlassen. Inojatow hatte diesen Posten mehr als 20 Jahre inne und galt als zweitmächtigste Person im Land.

Februar

Alte Schlagzeile, neuer Inhalt: Kasachstan bekommt ein neues Alphabet. Dieses Mal ohne Apostrophe. Erst im Oktober 2017 hatte der Präsident per Dekret verfügt, wie das lateinische Alphabet für die kasachische Sprache aussehen soll. Die Besonderheiten der kasachischen Aussprache sollten durch viele Apostrophe deutlich gemacht werden. Diese wurde jedoch als impraktikabel und nicht zeitgemäß bezeichnet.

März

Am 1. März werden acht Straßen- und ein Eisenbahn-Checkpoint sowie ein Grenzposten nach Usbekistan wieder geöffnet, die seit acht Jahren geschlossen waren.

Am 9. März empfängt der tadschikische Präsident Rachmon seinen usbekischen Amtskollegen Mirsijojew. Es ist erst der zweite Besuch eines usbekischen Präsidenten in Tadschikistan seit 1991. Die Beziehung zwischen beiden Ländern galt unter dem 2016 verstorbenen Islam Karimow als zerrüttet.

Gipfel in Astana: Am 15. Und 16. März treffen sich erstmals seit 2009 die Präsidenten Kasachstans, Usbekistans, Tadschikistans und Kirgisistans sowie die Parlamentspräsidentin Turkmenistans. Im Vordergrund der Gespräche stehen Wasserfragen sowie die Regelung einer zukünftigen Zusammenarbeit der zentralasiatischen Staaten.

Gipfel in Taschkent: Am 27. März findet eine Konferenz statt, bei der es darum geht, die Möglichkeiten für eine politische Lösung in Afghanistan auszuloten.

April

Nach Angaben des Komitees für Statistik des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft haben 2017 7,7 Mio. Touristen Kasachstan besucht, die meisten davon aus Usbekistan, Russland und Kirgisistan. Mit knapp 100.000 Touristen liegt Deutschland auf dem 6. Platz.
In Kirgisistan entlässt Präsident Scheenbekow mehrere Vertraute seines Amtsvorgängers Atambajew.

Mai

In Kirgisistan endet ein Brautraub tödlich, weil ein junger Mann vom Vater einer entführten Frau angezeigt und mit seinem Opfer allein in einem Zimmer der Polizeiwache gelassen worden war. Der vermeintliche Bräutigam erstach die erst 20 Jahre alte Turdaaly Kysy und verletzte sich anschließend selbst. Der Vorfall entfachte öffentliche Proteste und eine Diskussion um die „Tradition“ des Brautraubs in Kirgisistan.

Trump trifft Mirsijojew: Bei dem Treffen am 16. Mai ging es um die künftige Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten, aber auch um sicherheitspolitische Fragestellungen wie die Situation in Afghanistan.

Am 31. Mai stimmt das kasachische Parlament einem Gesetz zu, das Präsident Nasarbajew zum lebenslangen Vorsitzenden des Sicherheitsrats macht.

Juni

See oder Meer? Das ist hier die Frage.

Von Baikonur aus startet am 6. Juni eine Sojus-Rakete, die den deutschen Raumfahrer Alexander Gerst gemeinsam mit Sergej Prokopjew aus Russland und Serena Aunon-Chancellor aus den USA für eine sechsmonatige Mission zur Internationalen Raumstation (ISS) bringt.

Am 6. Juni teilte das Gesundheitsministerium in Kasachstan mit, dass es 2018 bereits 59 registrierte Fälle von Meningokokken-Infektionen gegeben habe. 13 Menschen seien daran gestorben.

Die deutsch-kasachische Regierungskommission tagt in Berlin. Wichtigster Punkt: Es soll mehr Geld für die Förderung kultureller und humanitärer Projekte in Kasachstan geben: 2,4 Millionen Euro jährlich.

Juli

Tag der Hauptstadt: Am 6. Juli feiert Astana mit viel Tamtam seinen 20. Geburtstag. Am Tag zuvor wurde das Astana International Financial Centre (AIFC) eröffnet, welches das Finanzzentrum des Landes werden soll.

Am 19. Juli stirbt der erst 25 Jahre alte Eiskunstläufer Denis Ten in einem Krankenhaus in Almaty an den Stichverletzungen, die ihm Diebe bei dem Versuch, die Spiegel seines Autos zu stehlen, zugefügt hatten. Ten hatte als einziger kasachstanischer Sportler bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi eine Medaille gewonnen, die zugleich die erste Medaille im Eiskunstlauf in der Geschichte des unabhängigen Kasachstan war.

Terroranschlag: Am 29. Juli werden in Tadschikistan vier ausländische Radfahrer ermordet und drei weitere verletzt. Der IS reklamiert die Tat für sich. Die Regierung macht die Islamische Partei der Wiedergeburt Tadschikistans für den Anschlag verantwortlich.

August

Urteil: Die aus China stammende ethnische Kasachin Sairagul Sauytbai wird am 1. August wegen illegaler Grenzüberquerung verurteilt und auf Bewährung freigelassen. Sauytbai war im April aus China geflohen und hatte im Laufe des Prozesses in Kasachstan über Umerziehungslager in Xinjiang berichtet, in denen Tausende ethnische Kasachen und andere Muslime festgehalten und politisch indoktriniert würden. Bei einer Auslieferung nach China hätte sie die Todesstrafe erwartet.

Jedem ein kleines Stück: Kasachstan, Russland, Turkmenistan, Iran und Aserbaidschan einigen sich in Aktau über die Aufteilung des Kaspischen Meeres. Der Streit um Einflusssphären und Bodenschätze währte fast 30 Jahre lang, ist aber auch mit dem Abkommen über den Rechtlichen Status des Kaspischen Meeres noch nicht vollkommen gelöst.

Nachdem sich mehrere Botschaften für seine Freilassung eingesetzt hatten, revidiert ein tadschikisches Gericht das Urteil gegen den Journalisten Khayrullo Mirsaidov und setzt ihn auf freien Fuß.

September

World Nomad Games: Zum dritten Mal finden in Kirgisistan die Nomadenspiele statt – vorerst zum letzten Mal. 2020 wird die Türkei Austragungsort sein.

Mitte September ist der Staatsminister beim Bundesminister des Auswärtigen, Niels Annen, in Kasachstan und Usbekistan unterwegs. Er spricht unter anderem mit den Außenministern beider Länder über die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen.

Oktober

Kök-Börü, Toguz Korgol und Salburuun: Es ging heiß her bei den dritten Nomadenspielen.

Turkmenistan schafft die kostenlose Grundversorgung mit Gas, Strom, Wasser und Salz ab.

Am 4. Oktober meldet RFE/RL, dass mehrere Dutzend aus China stammende ethnische Kasachen im deutschen Konsulat in Almaty eine Petition an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben haben, in der sie Unterstützung im Kampf um die Freilassung ihrer Verwandten aus Umerziehungslagern in der chinesischen Provinz Xinjiang fordern.

Rede des Präsidenten: Am 5. Oktober verspricht Nasarbajew die Erhöhung des Mindestlohns um 50 Prozent sowie Verbesserungen im Gesundheitssystem. Für die Realisierung der vorgeschlagenen Reformen stehen 1,8 Billionen Tenge (ca. 4,1 Mrd. US-Dollar) zur Verfügung.

November

An allen Universitäten des Landes werden in einem 30-minütigen Test die Kenntnisse des lateinischen Alphabets unter den Studenten überprüft.

19.11. Usbekistan stimmt, wie Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Russland und 21 weitere Staaten im 3. Komitee der UN-Vollversammlung gegen einen von der Ukraine initiierten Resolutionsentwurf, der die Annexion der Krim und Menschenrechtsverletzungen auf der Halbinsel verurteilt. 67 Länder stimmen dafür, 82 enthalten sich.

Dezember

Alexander Gerst und seine Kollegen landen in der Steppe Kasachstans und können Weihnachten zu Hause verbringen.

Quellen: DAZ, Zentralasien-Analysen, Edda Schlager

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