Die neue Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Jugend Kasachstans heißt Nadja Burluzkaja. Mit knappem Vorsprung setzte sich die 27-jährige Büroleiterin des Deutschen Hauses in Almaty bei den Wahlen am vergangenen Samstag gegen Oxana Reidel aus Pawlodar durch. Ein Portrait der Siegerin

„Ich habe 17 von 31 Stimmen der Delegierten bekommen“, freut sich Nadja Burluzkaja über den knappen Vorsprung, mit dem sie die Wahlen zur Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen Jugend Kasachstans gewann. Die 26-jährige Oxana Reidel aus Pawlodar war mit 14 Stimmen nur knapp unterlegen. „Wir hatten ein nahezu identisches Wahlprogramm, ohne dass wir uns vorher abgesprochen haben“, sagt die Siegerin. Dass sie letztendlich die Wahl gewann, erklärt Burluzkaja wie folgt: „Alle kennen mich in diesem Verband. Ich bin bereits 1998 eingetreten.“ Außerdem gelte ihre Erfahrung in Almaty als Qualitätssiegel: „Ich arbeite hier als Büroleiterin des Deutschen Hauses. Wir in Almaty bilden die Dachorganisation aller russlanddeutschen ‚Wiedergeburten’ in Kasachstan“, so die frischgebackene Vorsitzende des Jugendverbandes.

In Burluzkajas Wahlprogramm haben Ausbildungssaspekte oberste Priorität: „Ein wichtiges Ziel für die Zukunft besteht darin, die russlanddeutsche Jugend konkurrenzfähig zu machen“, erklärt sie. Dies soll unter anderem dadurch erreicht werden, „dass wir stärker auf Berufsförderung setzen. Wir wollen den Jugendlichen Kurse und Seminare anbieten, in denen sie Kenntnisse erwerben, die im Berufsleben entscheidend sind.“ Sprachkurse gehören ebenso dazu wie psychologische Trainings und betriebswirtschaftliche Weiterbildungen. Für den russlanddeutschen Nachwuchs in Kasachstan soll der Verband zu einer Unterstützung auf dem Weg in die Arbeitswelt werden.

Vorliebe für Kriegsliteratur

Ursprünglich stammt die 27-jährige Nadja Burluzkaja aus Taldykorgan. 1996 zog sie zu Studienzwecken nach Almaty: „Ich habe mich mehr oder weniger aus Zufall für Germanistik und Weltliteratur eingeschrieben“, denkt sie zurück. „An der pädagogischen Universität stellte ich mich damals an der kürzesten Schlange an. So hat sich mein Studienfach ergeben.“ Doch ihre Liebe zur deutschen Sprache bestand schon vorher: „In der Schule waren Fremdsprachen meine große Stärke. Deutsch hat mir sehr gefallen“, erzählt Burluzkaja. Ihre Begeisterung für deutsche Literatur hat sich dann während des Studiums entwickelt. Einer ihrer Lieblingsautoren ist Erich Maria Remarque. „Ich habe eine Vorliebe für Kriegsliteratur“, gesteht die Wahlsiegerin. „Romane über den Krieg erwecken bei mir mehr Gefühle als solche über die Liebe.“

Fünf Mal war Burluzkaja bereits in Deutschland, wenn sie davon erzählt, leuchten ihre Augen: „Das Erste, was mir dort aufgefallen ist, war die schöne Natur. Auch die Farben haben mir gefallen. Und alles ist so sauber“, schwärmt die gebürtige Taldykorganerin. Ein großes Lob hat sie für die Deutsche Bahn übrig: „Die Züge sind nahezu immer pünktlich. Nur einmal gab es eine längere Verspätung, aber die Bahn hat sich sofort höflich entschuldigt. Im Gegensatz zu Kasachstan fühlt man sich in Deutschland als ein Mensch, an den gedacht wird“, vergleicht sie mit ihrem Heimatland. Nur eine Kleinigkeit hat sie an der Bundesrepublik gestört: „Leider haben die Geschäfte am Sonntag immer geschlossen“, sagt Burluzkaja.

Als neue Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Jugend Kasachstans hat Burluzkaja zunächst die Finanzen auf dem Programm stehen: „Mein erstes großes Ziel ist es, Geldmittel für unsere Organisation aufzutreiben. Zu diesem Zweck werde ich mich auf die Suche nach Sponsoren in Deutschland und Kasachstan machen.“ Sie hat auch schon Pläne für ein größeres Projekt, durch das der Verband einiges verdienen könnte: „Allerdings werde ich noch nicht verraten, was genau ich vorhabe. Nicht, dass mir jemand meine Idee klaut“, schmunzelt Nadja Burluzkaja.

Von Christian Lindner

08/09/06

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