Die Hip-Hopper BATES und DIRT M eröffnen am 5. September im Taschkenter Zentrum für nationale Kunst die Ausstellung Jung.DE. Diese befasst sich als Gemeinschaftsprojekt des Goethe-Instituts, der usbekischen Jugendorganisation Stimme Usbekistans (Kelajak Ovosi) und dem Zentrum für nationale Kunst (Milliy San’at Markazi) mit dem Thema Jugendleben in Deutschland. Um ortsansässige Lehrer und Lehrerinnen auf die landeskundlichen Themen der bereits anderenorts erfolgreich gezeigten Ausstellung vorzubereiten, organisierten Antje Rüger und Gerlinde Massoudi, Ende August 2 Workshops zum Thema „Jugendliche Lebenswelten“. Mit beiden Frauen sprach DAZ-Reporterin Kristina Ogonjanz.
/Bild: Kristina Ogonjanz/

Warum haben Sie diese Seminare im Goethe-Institut veranstaltet?

Rüger: Ich habe in Berlin Spanisch und Russisch studiert und parallel ein Zusatzstudium „Deutsch als Fremdsprache” absolviert. 1993 ging ich als Deutschlehrerin nach Kolumbien.  Während meines Aufenthaltes in Kolumbien wurde ich ins österreichische Graz zu einer Deutschlehrertagung eingeladen. Dort habe ich erstmals die Ausstellung Jung.DE gesehen, und mir kam der Gedanke, dass es toll wäre, so eine Ausstellung auch nach Kolumbien zu bringen. Beim Goethe-Institut fragte ich an, ob das Projekt auch für andere Länder vorgesehen sei. So begann meine Zusammenarbeit mit dem Institut, mit dessen Unterstützung ich seit einigen Jahren Fortbildungsseminare für Lehrer veranstalte. Warum ich hier bin? Eigentlich ist es ein Zufall. Es könnte auch jemand anderes sein.
Massoudi: Das Goethe-Institut hat diese Ausstellung schon in vielen Städten organisiert. Für uns war es wichtig, sie auch in Usbekistan zu zeigen. Jung.DE ist nicht nur eine Ausstellung, sondern auch ein Jugend-Kultur-Austausch.

Haben Sie ein persönliche Interesse an der Ausstellung?

Rüger: Ich habe mich schon immer für Sprachen und Kultur interessiert und diese Ausstellung ist ein Teil der neuen Jugendkultur. Außerdem schreibe ich gerade eine Doktorarbeit  über das Erlernen von Sprachen. Und junge Leute benutzen eine besondere Sprache, die nicht jeder Außenstehende versteht. Deshalb ist das Thema für mich besonders interessant.
Massoudi: Wir betreiben hier eigentlich einen Transport von Jugendkultur in zwei Richtungen. Ich bin sehr neugierig auf die Reaktionen der Ausstellungsbesucher.

Was meinen Sie, Frau Rüger, ist typisch im Verhalten deutscher und was, Frau Massoudi, im Verhalten usbekischer Jugendlicher?

Rüger: Die Jugendlichen in Deutschland würde ich in zwei Kategorien unterteilen: von 12 bis 15 und von 16 bis 25 Jahren. Die Ersteren verbringen typischerweise ihre Freizeit am Computer und nur wenige von ihnen teilen sie direkt mit Freunden. Die meisten jungen Leute ab 16 Jahren hingegen sind immer unterwegs, treffen sich mit Freunden und treiben Sport. Aber man kann sehr deutlich sagen, dass alle intensiven Zugang zu Medien haben und fast alle zu viel Zeit vor Computer und Fernsehapparat verbringen.
Massoudi: Die jungen Usbeken sind zielorientierter als die Deutschen. Sie sind auch sehr höflich. In Deutschland sieht man selten, dass Jungen oder Mädchen den Alten ihren Platz im Bus oder der Straßenbahn anbieten. In Usbekistan ist das anders.

Gibt es in Deutschland Konflikte zwischen den Generationen?

Rüger: So starke Konflikte, wie in den 1960-er Jahren, als ein tiefes Misstrauen zwischen den Generationen herrschte, gibt es heute nicht mehr. Ein Indiz dafür sind die in unserer Ausstellung gezeigten Zahlen: Laut Statistik möchten 70 Prozent der jungen Leute ihren Kindern die gleiche Erziehung geben, die ihnen von den Eltern vermittelt wurde.

Heute kommt es vor, dass  Mütter versuchen, die besten Freundinnen ihrer Töchter zu werden. Wie sollen Erwachsene mit Jugendlichen umgehen? Wie mit Altersgenossen? Oder sollen sie Distanz halten?

Rüger: Mütter sollten ihren Kindern zuallererst Mütter sein. Sie sollte sich keinen Illusionen hingeben, dahingehend, dass ihre Kinder sie als etwas anderes wahrnehmen.
Massoudi: Die Mutter sollte für ihre Kinder immer eine Freundin sein – und Mutter. In vielen Belangen kann sie mit der Tochter als Freundin sprechen, aber ich weiß genau, dass die Tochter mit der Mutter nicht so wie mit einer echten Freundin sprechen kann. Sie wird ihr nie alles erzählen.

Abschließend: Was raten Sie Besuchern der Ausstellung? Worauf sollten sie achten?

Rüger: Die Besucher sollten die Zahlen nicht überbewerten und möglichst offen und unvoreingenommen schauen! Jugendkultur sollte als Komplex aus Musik und anderen Äußerungen betrachtet werden. Die jungen Usbeken sollten die ganze Vielfalt der Ausstellung sehen.
Massoudi: Die Ausstellung kann hier auch fremd wirken oder auf Desinteresse stoßen. Oder sie wird – im Gegenteil – junge Usbeken überraschen.

Das Interview führte Kristina Ogonyantes.

05/09/08

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