Die jungen Sportler vom Deutschen Skiverband (DSV) haben erfolgreich an der Nordischen Junioren-Skiweltmeisterschaft teilgenommen, die vergangene Woche in Almaty ausgetragen wurde. Insgesamt bringt der deutsche Skinachwuchs 10 Medaillen nach Hause.

Ihre Jumpsuits hatten die Jungen und Mädchen im Hotel gelassen. Nur noch ihre orangene Jacke mit einem Logo eines Autoherstellers und einem Versicherungslogo verrät, dass es nicht irgendwelche Jugendlichen sind, die gerade am langen Tisch im Restaurant Shakespeare sitzen und sich Hamburger, Pommes oder Pizza schmecken lassen.

Burger und Pommes steht nicht immer auf dem Speiseplan der jungen Sportlinnen und Sportler. Doch dieses Mal haben sie es sich verdient. Die DSV-Teams bekamen zur Feier des Tages von den Mitarbeitern des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland ein Abendessen spendiert.

Goldmädchen vom DSV

Von der Nordischen Junioren-Ski-Weltmeisterschaft bringen die Teams der Skispringer und der Kominierer jeweils Medaillen nach Hause. Das Sportereignis fand in Almaty statt. | Bild: Sepp Buchner

Das Mädchenteam der Disziplin Skisprung geht mit einer Goldmedaille nach Hause. Im Mannschaftswettkampf am Samstag ließen sie die Konkurrenz hinter sich. In der Tat sah es am Donnerstag noch nicht so rosig aus für die vier 16-jährigen Mädchen aus Degenfeld, Oberstdorf, Aue und Lauscha. Im Finale holte sich die Russin Sofia Tichonowa den Weltmeistertitel. Silber und Bronze gingen an die Österreicherinnen Elisabeth Raudaschl und Chinara Hölzl.

„Das, was die Mädchen gezeigt haben, war schon überraschend. Das wir eine Medaille gewinnen, das war unser Ziel. Dass wir mit Gold da rausgehen und dann noch so souverän die Österreicher schlagen, das war nicht zu erwarten“, freut sich Teamchef Sepp Buchner über die Leistung der Goldmädchen.

Es ist das erste Mal, dass gleich ein ganzes Mädchen-Team Junioren-Ski-Weltmeister geworden ist. Auf den Sieg seiner Mannschaft ist Trainer Daniel Vogler besonders stolz. Er ist seit 17 Jahren Trainer der U23-Damen-Mannschaften im Deutschen Skiverband und stolz auf seine Mannschaft: „Vor drei Jahren haben wir schon einmal Bronze geholt. Dies ist jetzt der größte Erfolg. Wir haben geliebäugelt, dass wir dieses Jahr mit einer Medaille heimfahren und dass es gleich Gold wird, damit hätten wir nicht gerechnet“.

Beim Einzelwettbewerb war die Leistung der Mädchenmannschaft nicht so gut. Die 16-jährige Skispringerin Pauline Heßler landete im ersten Durchgang auf dem vierten Platz, viel dann aber im Finale auf den achten Platz zurück. Ihre Teamkolleginnen, die Obersdorferin Gianina Ernst (16) und Henriette Kraus (16) aus Aue belegten die Plätze 10 und 15.

Zeitumstellung hatte keinen Einfluss auf die Leistung

Dennoch haben die Mädchen gezeigt, dass sie Weltmeisterinnen werden können. Pauline Heßler aus Lauscha weiß ganz genau, worauf es ankommt, um einen guten Sprung zu machen. Das Geheimnis ist Konzentration: „Du musst vom Kopf her ganz beim Sprung sein und versuchen, die Fehler umzusetzen, es also vermeiden, zu früh oder zu spät abzuspringen“, verrät sie.

Bei einem Sprung spielt nicht nur die Konzentration und Körperspannung eine Rolle. Auch äußere Faktoren können einen Einfluss auf das Ergebnis haben, zu Beispiel die Beschaffenheit der Schanze oder die Windverhältnisse. „Es gibt Schanzen, an die muss man sich erst gewöhnen“, sagt ihre Team-Kollegin Anna Ruprecht aus Degenfeld. Aber hier in Almaty gab es offensichtlich keine Probleme.

Gelungenes Comeback: Andreas Wellinger wurde Vize-Junioren-Ski-Weltmeister. | Bild: Sepp Buchner

Die Zeitumstellung sei anfangs erst etwas gewöhnungsbedürftig gewesen, erzählt Terence Weber (18). Er ist in der Mannschaft der Disziplin Nordische Kombination an den Start gegangen und hat im Einzelwettkampf den 18. Platz belegt. Äußere Bedingungen wie der fünfstündige Zeitunterschied zwischen Deutschland und Kasachstan sowie das Wetter haben nicht zu Beeinträchtigungen der Wettkämpfe geführt. Die Kombinations-Staffel gewann eine Silbermedaille mit Jakob Lange an der Spitze. Der 19-Jährige bringt auch eine Silbermedaille aus dem Einzelwettbewerb nach Hause.

In Almaty wurde die Nordische Junioren-Skiweltmeisterschaft ausgerichtet. In den Disziplinen Skispringen, Langlauf und Nordische Kombination fanden vergangene Woche Wettkämpfe statt. Vor fünf Jahren wurde die Junioren-WM des Internationalen Ski-Verbandes das letzte Mal in Deutschland ausgetragen. Am häufigsten fand sie bereits am Tschirmer See in der Slowakei statt. Die dortigen Sportstätten sind im Rahmen der Nordischen Skiweltmeisterschaft 1970 entstanden. Dagegen sind die Skisprungchancen des Komplexes Gorny Gigant in Almaty nicht älter als fünf Jahre.

Comeback für Olympia-Team-Sieger Willinger

Auch die Jungenmannschaft war erfolgreich. Auf der Skisprungschanze in Gorny Gigant feierte Andreas Wellinger sein Comeback. Nach monatelanger Verletzungspause hatte er erst vor gut zwei Wochen wieder mit dem Training begonnen und gewann im Einzelwettkampf auf der Normalschanze Silber bei 269,4 Punkten. Der 19-jährige Ruhpoldinger ist als Olympia-Team-Sieger im vergangenen Jahr bekannt geworden. Er ist einer der hoffnungsvollen Nachwuchsspringer des Deutschen Skiverbandes. „Es ist ein Trugschluss, dass man erwartet, dass der Andy herkommt und gleich Medaillen gewinnt. Wenn er das dann wirklich macht, freuen wir uns alle“, so Buchner. „Das ist eine hervorragende Leistung“. Nun darf Wellinger auf eine Teilnahme an der Ski-WM im schwedischen Falun hoffen.

Wellinger war der stärkste Springer des deutschen Jungen-Teams, zu dem auch Paul Winter aus Willingen, Martin Hamann aus Oberwiesenthal und Sebastian Bradatsch aus Ruhla gehören. Sie konnten sich nicht gegen die Norweger durchsetzen und wurden mit 869,6 Punkten Junioren-Vize-Ski-Weltmeister.

Seit er drei Jahre alt ist steht Wellinger auf Skiern und hat im Alter von sechs Jahren mit dem Skispringen begonnen. „Das habe ich von klein auf gelernt. Man beginnt meistens mit kleinen drei– bis fünf Meterschanzen“, sagt er. In Almaty ist er von der Normalschanze gesprungen.
Gorny Gigant besteht aus fünf Sprunganlagen – zwei kleine und eine mittlere sowie eine Normal– und eine Großschanze. Die Nordische Junioren-Ski-WM wurde auf den Normalschanzen ausgetragen. In den Skisprunghochburgen in Österreich, Deutschland oder der Schweiz sind die Austragungsorte meist älter. Daher waren einige Sportler aus dem Deutschen Team von der Modernität der Anlage in Kasachstan überrascht.

Mittlerweile haben die jungen Sportler ihre Pizza, Burger oder Pommes aufgegessen. Noch am gleichen Abend sind sie zum Flughafen aufgebrochen.

Von Dominik Vorhölter

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