Goalball ist eine der beliebtesten Ballsportarten für Menschen mit Sehbehinderung. Ende Oktober fand in Almaty die erste nationale Goalball-Meisterschaft Kasachstans statt.

Es ist still in der Turnhalle der Al-Farabi-Universität in Almaty. Dabei findet hier gerade eine Meisterschaft statt. Doch anders als bei anderen sportlichen Wettkämpfen ist lautstarkes Anfeuern hier nicht erwünscht. Die Spieler müssen sich schließlich auf ihr Gehör verlassen – und nur darauf.

Goalball, eine der weltweit beliebtesten Ballsportarten für Menschen mit Sehbehinderung, gehört zu den paralympischen Sportarten. Ende Oktober fand die erste kasachische Meisterschaft im Goalball statt. Acht Teams aus sieben Städten Kasachstans nahmen daran teil: Turkestan, Schimkent, Karaganda, Taras, Atyrau, Taldykorgan und zwei Mannschaften aus Almaty.

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Rasante Entwicklung

Seit einigen Jahren erlebt das Ballspiel in Kasachstan eine Renaissance – auch dank der Unterstützung des Deutschen Blindenhilfswerkes und dessen Vorstandsmitglieds Heike Maus. „2014 besuchte ich eine Werkstatt für die Herstellung von Brettspielen für Menschen mit Sehbehinderungen und Blinde in Talgar“, sagt sie. „Zufällig fragte ich nach aktiveren Sportarten und Musrjat Jelibakijew, der Vorsitzende der Vereinigung der Sportler mit Behinderung ‚Mejrimdy El‘, erzählte mir, dass er früher Goalballtrainer gewesen sei, die Sportart aber wegen der hohen Kosten heute nicht mehr praktiziert werde.“ Die Spezialbälle haben acht Löcher und im Inneren kleine Glöckchen, an deren Klingeln sich die Spieler orientieren sollen. Etwa 30.000 Tenge (ca. 70 Euro) kostet ein Goalball, sie werden aber weder in Kasachstan noch in Russland hergestellt.

V.l.n.r.: Christl Daentler, Heike Maus, Musrjat Jelibakijew und Nasira Kurmaschewa. | Bild: Anastassija Koroljowa

Mit Unterstützung des deutschen Generalkonsulats in Almaty brachte Maus 29 Bälle nach Kasachstan. Am 9. Februar 2016 konnte das erste Goalballspiel in Kasachstan stattfinden, an dem damals gerade einmal vier Teams aus der Region Almaty teilnahmen. Doch bereits im Herbst desselben Jahres trafen sich bei einer Regionalmeisterschaft 13 Mannschaften, darunter drei Frauen- und zehn Männerteams.

Im vergangenen Jahr fanden dann zahlreiche Goalballturniere statt, Wettbewerbe wurden von der Allianz der Jugend und der medizinischen Hochschule der Republik veranstaltet. Diese Arbeit hat Früchte getragen: Momentan trainieren Goalballmannschaften in neun Regionen Kasachstans regelmäßig. Am besten entwickelt haben sich hierbei die Stadt und die Region Almaty, die mehr als zehn Vereinigungen zählen. Der Regionalmeister stammt aus Kaskelen.

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Große Ziele

Doch trotz der positiven Entwicklung der Sportart, können es sich viele Mannschaften aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht leisten, an der Meisterschaft in Almaty teilzunehmen. Am Ende gewinnt die Mannschaft aus Taldykorgan, gefolgt von einem Team aus Almaty. Den dritten Platz belegte Atyrau.

Musrjat Jelibakijew von der Invalidengesellschaft „Mejrimdy El“ hat trotz aller Schwierigkeiten große Pläne für den Behindertensport: „Wir wollen ein kasachisches Nationalteam in Goalball aufbauen und an einem internationalen Turnier in den russischen Städten Mytischtschi und Koroljow teilnehmen. Dort werden 20 Teams vertreten sein.“ Außerdem sei eine Reise in ein Lern- und Trainingslager in Korea geplant. „Das Ziel ist die Vorbereitung auf die Teilnahme bei den Asien-Meisterschaften 2019 und der Erfahrungsaustausch mit einer der stärksten Mannschaften der Welt“, so Jelibakijew.

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„Das Spiel lebt von seinen Regeln“

Am Rande der Meisterschaft fand auch ein Seminar für zukünftige Schiedsrichter statt, welches von Christl Daentler geleitet wurde. Die Münchnerin kann eine lange Karriere vorweisen, war in den 1990er Jahren deutsche Goalball-Nationaltrainerin, erhielt den Status einer internationalen Schiedsrichterin und kann die Teilnahme an zahlreichen Turnieren und Wettkämpfen in allen Ecken der Welt verbuchen. „In Kasachstan bin ich zum ersten Mal. Unter den hiesigen Mannschaften gibt es großes Potenzial, regelmäßiges Training ist allerdings erforderlich“, sagt sie. Dabei gehe es nicht nur um die physische Vorbereitung, sondern auch darum, die Terminologie und die englische Sprache zu lernen, um die Schiedsrichter ungehindert zu verstehen. „Das Spiel lebt von seinem Reglement. Die Regeln ändern sich mit jedem Jahr – dieser Faktor ist nicht zu vernachlässigen“, so die Schiedsrichterin.

Zu den erfolgreichsten Ländern im Goalball zählen Japan und Brasilien, obwohl das Spiel eigentlich aus Deutschland und Österreich stammt. Doch auch in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion nimmt die Popularität zu, die Meisterschaft in Russland wird zehn Tage lang dauern.  Dann wird wohl auch ein Team aus Kasachstan dabei sein und hoffentlich gute Ergebnisse vorweisen, um den Sport in Zentralasien weiter zu beflügeln.

Первый Чемпионат Казахстана по голболу в Алматы!

Übersetzung aus dem Russischen: Philipp Dippl; Ergänzungen: Othmara Glas

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