Bei der letzte Woche in Almaty stattgefundenen Pressekonferenz im Kastejew-Museum wurde ein nationaler Wettbewerb vorgestellt zum Thema „Von den Ahnen geerbte Unabhängigkeit“ («Независимость, завещанная предками»). Man will ein historisches Genre für die Nationalsammlung erschaffen.

Es war ein voller Presseraum und der Beginn der Veranstaltung zögerte sich wegen der langen O-Töne der Verantwortlichen vor der Kamera etwas hinaus. Die anwesenden Journalisten und Vertreter der Künstlergemeinde wurden zunächst von der Museumsdirektorin Gulmira Schalabajewa und der Leiterin des Zentrums für die darstellenden Künste in Kasachstan, Samal Mamytowa, über die Idee und die Rahmenbedingungen des Wettbewerbs aufgeklärt. Nach Schalabajewa sehe man in den Beständen „die Sowjetperiode hervorragend widergespiegelt, aber die nationale Thematik als unterrepräsentiert“. 70 bis 80 Prozent der Museumsbestände stammen noch aus der Sowjetzeit (Gründungszeit des Museums), und mit dieser Ausschreibung will man Werke anschaffen, die sich mit „konkreten historischen Episoden bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts“ beschäftigen. Der Zweck dieser eindeutig politisch motivierten Ausschreibung lässt sich an der eigenen Beschreibung ablesen: „Die patriotische Erziehung mit Mitteln der künstlerischen Repräsentation“. Hierzu sollen im Verlauf des Wettbewerbs Werke (ausschließlich Ölmalerei und Skulpturen zugelassen) für den Bestand erworben werden.

Man sprach im Verlauf der Pressekonferenz mit einer etwaigen Distanz über die sowjetische Vergangenheit und die staatlichen Museums-Aufträge während der KSSR. Interessanterweise wurden genau bei dieser Schilderung sehr schnell viele Parallelen zum Jetzt deutlich, und man begriff, dass sich Geschichte wiederholt. Staatsprogramme, die bestimmte Repräsentationen bestimmter staatlicher Vorstellungen in Auftrag geben. Die Botschaft der Direktorin lautet: „Um Historie in Wahrheit zu präsentieren, muss man sie ins Museum bringen.“ Mit den Worten: „Niemand kennt die konkrete Historie – lediglich Ideen von historischen Ereignissen kursieren“ wurde eine Frage zur Detailgenauigkeit der erwarteten Gemälde bzw. Skulpturen seitens der Künstlerriege eingeleitet. Auf die die Museumsleitung die Absolution zur „Interpretation der Ereignisse“ gab.

Der Wettbewerb soll in drei Etappen ablaufen. In der ersten passiert die Einreichung der Ideenskizzen (bis 22. April 2016), die zweite wird mit der Auswahl der Sieger eingeleitet und die Gewinner bekommen fast sieben Monate Zeit zur Fertigstellung ihrer Werke. Warum diese Aufteilung? Man wolle den Entstehungsprozess kontrollieren und regulieren, so die Direktorin. Die dritte Etappe umfasst die Ausstellung Ende des Jahres. Außerdem sollen alle Einreichungen in realistischer Manier erfolgen. „Wir brauchen Realismus“, fordert Schalabajewa. Das entspräche zumindest der gewollten Verortung der in 2016 zu erschaffenden Werke im 19. Jahrhundert.

Im Verlauf der Konferenz hielt man sich auch bei Fragen seitens des Fachpublikums auf, die selbstverständlich kritisch auf einige unklare Punkte eingingen. Künstler äußerten, dass historische „Batyr“-Sujets bereits vielfach auf dem Markt seien. Hierzu hielt der stellvertretende Direktor Jewfrat Mambekow entgegen, dass die etwa zehn Sujets auf dem Markt sich vielfach wiederholen und man „auf der Suche nach frischen Ideen und anderen historischen Ereignissen“ sei. Man brauche diese für die staatliche Volkserziehung und Schulbücher, denn „künstlerische Wahrheit ist wesentlich überzeugender“, so Mambekow.
Neue Ideen – ja. Allerdings sind die Ausdrucksformen der zeitgenössischen Kunst nicht gefragt in der Ausschreibung des Wettbewerbs. Auf eine journalistische Nachfrage hierzu sagt man, dass man mit dem Wettbewerb ausschließlich auf die dringlichsten Nöte des Museums eingeht.

Man freue sich bei den Einreichungen vor allem auf neue, unbekannte (auch junge?) Namen. Kunst berühre die Seele, so sagt man, und so will auch das Kastejew-Museum in die nationale, patriotische Seele Kasachstans eingreifen. (JB)

Weitere Infos zum Wettbewerb: http://gmirk.kz/index.php/ru/informatsiya

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