Ihr Start hatte für großen Medienrummel gesorgt, das Aus der Greencard war dagegen nicht einmal mehr der Bundesagentur für Arbeit eine Notiz wert. Mit dem am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Zuwanderungsgesetz ist die besondere Arbeitserlaubnis für ausländische Computerexperten überflüssig geworden. Angelehnt an das amerikanische Vorbild sollte die Greencard bis zu 20 Tausend ausländische Computer-Spezialisten nach Deutschland locken und dem Fachkräftemangel in der Informationstechnologie (IT) ein Ende setzen

Obwohl die IT-Branche zum Höhepunkt des Internet-Booms einen Bedarf von rund 75 Tausend Kräften verkündete, ist der Greencard-Boom weitgehend ausgeblieben. Das Kontingent wurde nie ganz ausgeschöpft: Von August 2000 bis zum Jahresende 2004 bewilligte die Bundesagentur für Arbeit (BA) insgesamt nur etwa 18 Tausend Greencards. 20 Tausend wären maximal möglich gewesen.

Dennoch sei die Greencard ein „sehr großer Erfolg“ gewesen, sagt Iris Köpke vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM), der rund 1300 Unternehmen vertritt und branchengrößter Verband ist. Zu einem großen Teil seien die Informatiker aus dem Ausland in mittelständischen Unternehmen untergekommen und hätten dort Lücken geschlossen, die sonst offen geblieben wären.

Auch die BA zeigt sich sehr zufrieden: „Wir ziehen eine positive Bilanz“, sagt Hans Mader, zuständig für internationale Arbeitsvermittlung und Ausländerbeschäftigung. Das Verfahren zur Erteilung einer Arbeitserlaubnis sei vereinfacht und verkürzt worden. Und nicht zuletzt habe die Greencard den Weg geebnet für eine Zuwanderungsdiskussion, an deren Ende jetzt das Aus der Sonderregelung steht.

Den entscheidenden Anstoß hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am 23. Februar 2000 in Hannover bei der Eröffnung der Computer-Fachmesse CEBIT gegeben. Dort machte er in Zeiten des IT-Booms den Vorschlag, ausländische Computer-Spezialisten anzuwerben. Der Vorstoß sorgte für reichlich Diskussionsstoff. Während die Wirtschaftsverbände Zustimmung signalisierten, argumentierte die CDU dagegen: Mit der Parole „Kinder statt Inder“ zettelte CDU-Spitzenkandidat Jürgen Rüttgers im damaligen nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf eine umstrittene Kampagne an.

Schon kurz nach der Einführung im August 2000 gingen zwar viele Anfragen für die deutsche Greencard ein, die in Wirklichkeit ein eher beiges Formular war. Die Zahl der Anträge blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Dass die gesetzliche Obergrenze von 20 Tausend hoch qualifizierten Zuwanderern nicht ausgeschöpft wurde, führt BA-Mitarbeiter Mader auf das Ende des Internet-Booms zurück. In der darauf folgenden Branchenkrise sei bei vielen Unternehmen der Bedarf an Computer-Spezialisten gesunken. Als Hindernis hätten sich außerdem mangelnde deutsche Sprachkenntnisse der ausländischen IT- Spezialisten entpuppt, erklärt er.

Auch das Nürnberger Software-Unternehmen DATEV stellte zwei Greencard-Inhaber ein, die bis heute geblieben sind, sagt Firmensprecher Peter Willig. Ihre Zukunft steht aber in den Sternen, da 2005 die fünfjährige Arbeitserlaubnis ausläuft. Eine Verlängerung sei sehr schwierig, erklärt Willig. Diese Befristung und fehlende Planungssicherheit waren häufige Kritikpunkte an der Regelung.

Nur eine vorübergehend Erfolgsgeschichte war daher auch die deutsche Greencard für ihren ersten Empfänger, den Indonesier Harianto Wijaya. Zwar wurde der Absolvent der Technischen Hochschule Aachen bei einer Aachener Software-Firma eingestellt. Im Juli 2003 kündigte er aber an, Deutschland noch vor Ablauf der fünfjährigen Arbeitsfrist wieder verlassen zu wollen, da ihm voraussichtlich seine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis nicht verlängert werde. „Wenn ich nicht bleiben kann, muss ich auch nicht bis zur letzten Minute warten“, sagte er damals. (dpa)

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