Ich möchte meine Fremdsprachenkenntnisse für den beruflichen Einsatz aufpeppen. Kein Problem, denke ich mir. Heutzutage gibt es tausend Möglichkeiten und Angebote. Mal überlegen, was ich will und brauche. Und dann gezielt suchen.

 

Zum einen geht es mir darum, meine Sprechbarrieren abzubauen, d.h. ich brauche jemanden, wahrscheinlich einen Lehrer, der mich ermutigt, überhaupt zu sprechen, was heißt, dass ich am besten und liebsten kaum in meinem Redefluss unterbrochen werde. Was aber wiederum heißt, dass niemand meine Fehler korrigieren darf. Fragt sich also, wozu ich dann einen Lehrer brauche, wenn er eh nur zuhören darf. Gut, den Lehrer heben wir uns für später auf. Was brauche ich noch? Ein spezielles Fachvokabular, Telefonier- und E-Mail-Sprache. Ich muss Gespräche lenken, bei einigen Leuten höflich-förmlich auftreten, andererseits im saloppen Ton junge Menschen in ein Gespräch verwickeln. Ich muss an meiner Aussprache was tun, mein Vokabular erweitern und einige Grammatikregeln nachpauken. Oha!
Bevor mich ob dieses ambitionierten Programms die Entmutigung in die Knie zwingt, fange ich jetzt erst mal schnell irgendwie mit irgendwas an und greife nach dem erstbesten Buch in meinem Bücherregal. Ein Business–Lehrbuch. Dies hilft mir jedoch nur bedingt weiter, da mit Business tatsächlich Business gemeint ist, wie das echte Geschäftsleute betreiben, mit Anzug, Krawatte, Verträgen und so. Das richtige Business ist bekanntlich ein hartes Geschäft, und so sind auch die Kapitel ausgerichtet: „Jemanden unterbrechen“, „Einer Frage ausweichen“, „Eine Einigung erzwingen“, „Sich einer Einigung widersetzen“. Da das Buch und mein Business nicht so recht zueinander passen, bleibe ich bei meinem höflich-konstruktiven Stil, und das Buch wandert zurück ins Regal.
Ich stürze mich frohgemut auf ein Online-Tool, das verspricht, dass man sich die Lehreinheiten individuell passgenau zusammenstellen kann. Ich wähle als erstes das Telefonieren aus und starte sofort. In den ersten Schritten lernt man, die Nummer, die man wählt, laut aufzusagen und sich selbst mitzuteilen, dass das Telefon klingelt, um dann, immer noch im Zwiegespräch mit sich selbst, festzustellen, dass niemand abhebt, um sich dann laut zu fragen, ob das wohl daran liegt, dass es noch zu früh ist. Das ist ganz toll! Ich wollte immer schon mal meine Selbstgespräche in anderen Sprachen führen. Aber wer weiß, vielleicht haben sich die Pädagogen dabei etwas gedacht, und es handelt sich um einen Warm up, um Hemmungen abzubauen, damit man geschmeidiger in das Gespräch gleiten kann, falls jemand abhebt. Trotzdem – für solche Mätzchen habe ich keine Zeit.
Aufgrund ausbleibender schneller Fortschritte tritt die Entmutigung wieder aufs Parkett, und ich überlege, ob es andere, effektivere Wege gibt, mit dem Problem umzugehen. Ich könnte zum Beispiel von dem mühevollen Lernen ablassen und die Zeit lieber in die Stärkung meines Selbstbewusstseins investieren, um erhobenen stolzen Hauptes zu meinen mittelmäßigen Sprachkenntnissen zu stehen. Auch ziehe ich das Austüfteln von Ausweichmanövern und Vertuschungstaktiken in Betracht. Im Russischen oder Türkischen kann man seine miserablen Sprachkenntnisse ganz prima hinter blumigen Sprichwörtern verstecken. Im Englischen und erst recht im Business English komme ich damit wohl nicht sehr weit. Verdammt, hätte ich doch in der Schule besser…

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