Beim diesjährigen Deutschen Theaterfestival Kasachstans, das vom Goethe-Institut Almaty und der Assoziation „Wiedergeburt“ ins Leben gerufen wurde, konnten Laienschauspieler ihr Talent auf der Bühne unter Beweis stellen. Unterstützt wurden sie von Schauspielern des Deutschen Theaters.

Das Lernen eines Textes kann für einen Schauspieler mit dem Lernen einer neuen Sprache verglichen werden. Denn wie jede Sprache ist auch jeder Text anders, hat einen anderen Hintergrund. Umso komplexer ist es, einen Text in einer fremden Sprache zu lernen und diesen in ein harmonisches Zusammenspiel mit Mimik und Gestik zu bringen.

Theaterfestival

Dieser Herausforderung hatten sich fünf Laienschauspielgruppen aus ganz Kasachstan gestellt. Die Idee entstand vor über einem Jahr. Auf eine Ausschreibung des Goethe-Instituts und der Assoziation „Wiedergeburt“. Mit einer Vorgabe von modernen deutschen Theaterstücken konnten sich Gruppen mit maximal acht Schauspielern bewerben. Zwei Monate blieben den ausgewählten Gruppen für die Probe bis zur Aufführung beim Theaterfestival. Das Ziel war es, die deutsche Sprache in einem künstlerischen Rahmen zu fördern. Der Wettbewerb fand vom vergangenen Monatag bis Mittwoch in der Galerie „Tengri-Umai“ statt. An diesen drei Tagen traten alle Gruppen hintereinander auf.

Die Gewinner des Festivals waren die Teilnehmer der Schauspielgruppe „Diamant“ aus Astana. Sie freuten sich über eine Reise nach Deutschland. Die Gruppe hatte laut Jury mit ihrer Darbietung des Stücks „Ehrensache“ eine dramaturgisch runde Aufführung geboten, in der alle wichtigen Elemente gut zusammengepasst hatten. Bei der Bewertung achtete die Jury vor allem auf den sprachlichen Ausdruck, das Bühnenbild, das schauspielerische Können und die Kreativität der Teilnehmer bei ihrer Umsetzung.

Theaterfestival

Deutschkenntnisse sind unter den jungen Menschen auf ganz unterschiedlichen Niveaus vorhanden. Artur Bartel ist Schauspieler in der Theatergruppe „Faden“ vom Jugenklub „Lenz“ aus Pawlodar. Er erzählte begeistert von seinen ersten Erfahrungen mit der deutschen Sprache: „Ich habe schon in der Schule Deutsch gelernt und einige Sprachkurse in Deutschland besucht. Mir gefällt die deutsche Kultur sehr gut. Jetzt brauche ich noch mehr Sprachpraxis. Es gibt aber auch Schauspieler in meiner Gruppe, die erst vor einem halben Jahr angefangen haben, Deutsch zu lernen.“

Der Ablauf des Festivals war sehr dynamisch. Zwischen den Aufführungen gab es Workshops und Schauspielübungen mit professionellen Schauspielern des Deutschen Theaters. Jede der fünf Gruppen wurde jeweils von zwei Schauspielern des Deutschen Theaters betreut und auf die Aufführung vorbereitet. Die Stücke wurden in Auszügen gespielt. Sie behandeln sozial kritische Themen, die auch inhaltlich ein genaues Verständnis von den Schauspielern forderten.

Julia Teufel, Schauspielerin am Deutschen Theater, arbeitete mit der Theatergruppe des Jugendklubs „Grashüpfer“ aus Karaganda. „Ich habe die jungen Schauspieler bei unserer gemeinsamen Arbeit sehr bewundert und empfand es als sehr positiv, wie schnell die Gruppe unsere gemeinsame Arbeit umgesetzt hat. Die jungen Leute sind sehr offen, und ich glaube, das Festival hat sehr gute Perspektiven für die Zukunft. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass die jungen Schauspieler die Möglichkeit bekommen, vor Publikum spielen zu können.“

Maria Manowski

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