Umweltschutz und gesellschaftliche Entwicklung in Zentralasien sind Thema der diesjährigen Internationalen Sommeruniversität der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU) in Almaty. Zum siebenten Mal werden Teilnehmer aus Deutschland und Zentralasien sich vom 13. bis 24. August unter anderem mit Finanzierung und Controlling im Umweltbereich beschäftigen, deutsche Firmen besuchen und gemeinsame Ausflüge in die Umgebung von Almaty unternehmen. DAZ-Autor Friedemann Schreiter sprach mit Bodo Lochmann, Rektor der DKU, über das Konzept und die Ziele der diesjährigen Veranstaltung.

Warum wurde in diesem Jahr das Thema „Umweltschutz und gesellschaftliche Entwicklung in Zentralasien“ gewählt und wer ist an der Planung beteiligt?

Im gesellschaftlichen Leben und im gesamten Bewusstsein Zentralasiens spielt der Umweltschutz bisher leider nur eine Nebenrolle. Die Diskussionen um den Zustand des Weltklimas sind hierzulande praktisch nicht angekommen. Andererseits muss eine nachhaltige Entwicklung, von der in jüngster Zeit auch in Kasachstan viel gesprochen wird, auch praktisch angegangen werden. Das ist zum Teil Sache der Politiker, aber das einfache Volk sollte keinesfalls stumm zusehen. Unsere deutschen Hochschulpartner bringen gerade in diesem Bereich eine hohe Kompetenz mit. Es haben sich folglich Nachfrage und Angebot getroffen. An der Vorbereitung und Durchführung der Sommeruniversität sind neben der DKU vor allem das Internationale Hochschulinstitut in Zittau (IHI) und die AKAD-Hochschule in Leipzig beteiligt. In Zittau wird seit etwa zehn Jahren der Studiengang Umweltmanagement angeboten und eine international orientierte Forschung in diesem Bereich betrieben.

Was sind die Ziele der diesjährigen Sommeruniversität?

Ein Aspekt der Sommeruniversität ist das Erschließen eines neuen Themas durch die Teilnehmer in lockerer Form. Wir haben hier keinen strengen Unterricht wie beim normalen Hochschulstudium. Der zu vermittelnde Lehrstoff wird durch Computerspiele, Betriebsexkursionen, Präsentationen, Diskussionen und ähnliches erarbeitet, weniger durch trockene Vorlesungen. Mindestens genauso wichtig wie die Vermittlung von Wissen und Kompetenz ist die Möglichkeit des direkten Kontaktes von ausländischen Absolventen deutscher Hochschulen untereinander, mit der DKU und Studenten aus Deutschland. Wir leisten hier also auch einen Beitrag zur Kontaktpflege mit Deutschland und schaffen die Möglichkeit, dass sich künftige Manager und andere Spezialisten kennen lernen. So erfahren die Teilnehmer etwas über die jeweiligen anderen Länder und vielleicht entstehen auch Freundschaften die länger halten, als nur zwei Wochen. Wir praktizieren also auch Völkerverständigung.

Was sind die Höhepunkte des Programms in diesem Jahr und was erwartet die Teilnehmer?

Wir haben ein Seminar- und ein Kulturprogramm. Zusätzlich werden die Teilnehmer selbst einen Teil der Zeit gemeinsam gestalten. Zu den Höhepunkten zähle ich die Exkursionen zu den in Kasachstan tätigen deutschen Unternehmen Knauf und Siemens und weitere sechs Präsentationen deutscher Unternehmen und Organisationen vor den Teilnehmern. Außerdem unsere gemeinsame Wanderung ins Gebirge, Exkursionen im Stadtgebiet von Almaty und die angebotenen Computerspiele zum Umweltprozess. Der Tagesablauf wird von Vorträgen und Diskussionen der Teilnehmer aus sechs Ländern bestimmt sein.

Welche Dozenten sind eingeladen und was werden die Themen sein?

Ein Seminar zum Thema Umweltmanagement führt Dr. Jana Brauweiler vom IHI Zittau, und ihr Ehemann Prof. Hans-Christian Brauweiler von der AKAD-Hochschule referiert über Controlling und Finanzierung im Umweltbereich. Beide waren erstmalig im Frühjahr 2006 in Almaty an der DKU und haben sich zwischenzeitlich zu richtigen Kasachstanfans entwickelt. So verbringen sie ihren diesjährigen Urlaub vor der Sommeruniversität in Kasachstan. Ich selbst werde ein Seminar zum Thema Chancen für Deutsche in der Wirtschaft Kasachstans halten.

Inwieweit werden aus Ihrer Sicht Umwelt- und Nachhaltigkeitsgesichtspunkte in den nächsten Jahren auch für die zentralasiatischen Länder als wirtschaftliche Standortfaktoren immer wichtiger?

Auf Dauer kann ein Land nicht erfolgreich sein, wenn es sich nur auf die Wirtschaft konzentriert. Natürlich ist Wirtschaft die Grundlage für jegliche menschliche Existenz, aber das Leben ist viel facettenreicher. Wenn die Wirtschaft nicht durch spürbare Fortschritte auf anderen Gebieten begleitet wird, kommt es leicht zu gesellschaftlichen Schräglagen und Unzufriedenheit in der Bevölkerung. China das schon lange Zeit über ein hohes Wirtschaftswachstum verfügt, den Umweltschutz aber vernachlässigt hat, bekommt dies heute und, wenn nichts geschieht, in absehbarer Zukunft sehr stark negativ zu spüren. Vereinfacht gesagt: Der wirtschaftliche Fortschritt in Form einer höheren Produktion wird durch eine verschlechterte Umwelt wieder aufgefressen. Es verschlechtern sich die Luft- und Wasserqualität, die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle nimmt zu, um nur einige Beispiele zu nennen. Wenn aber Menschen in großem Stile erkranken, hilft auch eine gut funktionierende Wirtschaft nur noch bedingt.

Besteht ein Zusammenhang zwischen der diesjährigen Sommeruniversität und den sich im Aufbau befindenden neuen Studiengängen der DKU?

Direkt nicht, indirekt schon. Wir bieten zwar ab September im Rahmen des Studiums zum Wirtschaftsingenieur auch die Spezialisierungsrichtung „Umweltmanagement“ an, doch die Sommeruniversität läuft unabhängig vom Studienprogramm. Einen bestimmten Informationseffekt erhoffe ich mir aber dennoch. Zumal es noch in keinem der zentralasiatischen Staaten eine solche Fachrichtung bzw. einen solchen Studiengang gibt.

Wer finanziert die Sommeruniversität in diesem Jahr?

Vereinfacht gesagt, die deutsche Regierung und eine Reihe von Sponsoren. Aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit wird über den DAAD der Großteil der Ausgaben bestritten. Uns hilft weiterhin die Friedrich-Ebert-Stiftung und die in Kasachstan tätigen deutschen Unternehmen Siemens, Knauf und Bayer-Schering. Die Teilnehmer haben – wie immer – nur einen sehr kleinen Beitrag zur Deckung der nicht geringen Unkosten zu leisten.

Wie entstand vor sieben Jahren die Grundidee einer Sommeruniversität an der DKU?

Die DKU hat von Beginn an nicht nur Kasachstan im Blick gehabt, sondern immer die Region Zentralasien als Ganzes. Das ist durch die vielen gemeinsamen kulturellen und historischen Momente bedingt, welche die fünf Länder der Region geprägt haben. Die Sommeruniversität ist eine gute – und bisher auch fast die einzige – Möglichkeit der DKU, zentralasiatische Absolventen deutscher Hochschulen praktisch mit unserer Einrichtung in Verbindung zu bringen und das Wissen um unsere Existenz maximal auszuweiten. Außerdem haben wir uns von Anfang an das Ziel gesetzt, so viel wie möglich Wissen über Deutschland zu verbreiten. Dazu bietet auch die Sommeruniversität eine gute Möglichkeit.

Herr Lochmann, vielen Dank für das Gespräch.

10/08/07

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