Porträt der Mittelschule № 12 der Stadt Öskemen

Mittelschule № 12
Die Mittelschule № 12 in Öskemen. Foto: Schule

Liebe Freunde und Leser der DAZ! Die Schule gratuliert allen Menschen zum zehnjährigen PASCH-Jubiläum. Unsere Jungen Redakteure Nastja Smirnowa und Anna Spuling aus der 9. Klasse haben zusammen mit ihrer Deutschlehrerin Irina Schimolina einen Artikel vorbereitet.

Das im Jahre 1991 in Ost-Kasachstan, in der Stadt Ust-Kamenogorsk gegründete Gymnasium öffnet allen Kindern, die Deutsch und Englisch lernen wollen, die Türen. Das Lernsystem basiert auf der Waldorf-Methode. Die Kinder genießen eine vielseitige Entwicklung und das kreative Denken wird spielerisch gefördert. Da viele Deutschstämmige, die hier in der Region leben, den Wunsch haben, Deutsch zu lernen, spielt die Sprache eine große Rolle und wird vertieft erlernt. Bereits ab der zweiten Klasse wird den Kindern Deutsch beigebracht, was die Absolventen des DSD II dazu berechtigt, an deutschen Universitäten zu studieren.
Vor drei Jahren ist unsere Schule in ein neues Gebäude umgezogen und bietet seitdem 58 Lehrern, davon sechs Deutschlehrerinnen und 680 Schülern Platz. 303 Schüler lernen Deutsch.

Sie lernen es mit Spaß und nehmen an verschiedenen Wettbewerben teil. In diesem Jahr nahmen die Zehntklässler an einem PAD-Wettbewerb teil, und unsere Schülerin Viktoria Janbossinowa hat eine vierwöchige Reise nach Deutschland gewonnen. Außerdem sind unsere Schüler sehr aktiv an verschiedenen Sprach- und Facholympiaden beteiligt. An der Republikanischen Deutscholympiade haben zwei Schülerinnen Bronzemedaillen gewonnen. Doch nicht nur in Deutsch, auch in Englisch zeigen die Schüler gute Ergebnisse. Vor kurzem haben sie den zweiten Platz bei der regionalen Englisch-Olympiade belegt.

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Die besonderen Feste in unserer Schule

Foto: Schule

Wir haben einige Traditionen der Waldorfschulen übernommen, welche uns von anderen Schulen Kasachstans unterscheiden. Zu Beginn des Schuljahres im September haben wir das Michaeli-Fest. Laut der Legende besiegte St. Michael den Drachen, der die Sonne gestohlen hatte, und befreite die Menschen aus der Dunkelheit. Jedes Jahr, am letzten Samstag des Monats, treffen sich Schüler, Eltern, und Lehrer um sechs Uhr morgens vor der Schule. Die zweite Klasse führt eine einstudierte Version dieser Legende auf Deutsch auf. Dann wandern alle Klassen zum Ufer des Flusses Irtysch und setzen ein Papierboot ins Wasser.

Bevor das Boot ins Wasser gelassen wird, wird eine Kerze angezündet und ein Wunsch geäußert. Die Begegnung mit der Morgendämmerung ist ein Sieg über sich selbst. Der Kampf Michaels mit dem Drachen, was als Bild für das Überwinden steht, kann von den Kindern als Stärke und Mut zur Selbstüberwindung aufgenommen werden. Danach kehren alle zur Schule zurück, wo die Herbstmesse stattfindet. Sie wird von Schülern und Eltern organisiert. Kinder backen Leckereien, die sie dort verkaufen. Wir nehmen auch aktiv am WOW-Day teil. Einen Teil des auf der Messe verdienten Geldes schicken wir an Freunde der Erziehungskunst für bedürftige Waldorfschulen.

Im November feiern wir den Martinstag. Die Legende erzählt, dass im Mittelalter der römische Offizier Martin mit seinen Soldaten zur Winterzeit auf seine Burg fuhr. Sie begegnetem einem armen Mann, der keine warme Kleidung zu dieser kalten Jahreszeit hatte. Er war hungrig und bat um Hilfe. Die Soldaten kamen vorbei und lachten ihn aus. Aber Martin teilte mit seinem Schwert seinen Mantel entzwei, gab dem Armen davon die Hälfte und Brot. Diese Geschichte lehrt uns Großzügigkeit. In der Schule wird auf folgende Weise gefeiert: Die Schüler basteln Laternen. Dann gehen die Klassen am Abend rund um die Schule herum und verschenken Süßigkeiten. Die Kinder singen Lieder wie „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“ oder „Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind, sein Ross das trug ihn fort geschwind…“

Wenn die Adventszeit beginnt, veranstalten wir bei uns für die Schüler die Adventsspirale. Die Schüler aus den Klassen 1-3 und die Elftklässler gehen mit Kerzen in die aus Tannengrün ausgelegte Spirale, entzünden sie in der Mitte an einer großen Kerze und platzieren sie so, dass eine Lichterkette entsteht. Die Schüler aus den 6. Klassen spielen während der ganzen andächtigen Zeremonie Flöte und singen bekannte Weihnachtslieder.

Natürlich wird am 6. Dezember auch der Nikolaustag gewürdigt. Die Schüler aus der 10. Klasse verkleiden sich als Nikolaus und Knecht Ruprecht. Sie kommen in die Klassen und verteilen Süßigkeiten. Vorher müssen die Schüler Nikolaus aber eine Kleinigkeit darbieten, beispielsweise ein Gedicht oder ein Liedchen. Danach bewertet Nikolaus das Verhalten der Kinder im vergangenen Jahr in Form eines Gedichtchens. Schüler, die sich nicht so gut benommen haben, bekommen dann sogar scherzhaft die Rute.

Bevor sich die Schüler in die Winterferien verabschieden, gibt es noch ein Weihnachtskonzert, zu dem Eltern, Verwandte, Freunde und andere Gäste eingeladen sind. Jede Klasse präsentiert ein Element ihres Unterrichts, dass sie einstudiert haben. Ebenfalls werden regelmäßig Theaterstücke in Deutsch auf die Bühne gebracht. Daran nehmen unsere Schüler und Deutschlehrerinnen teil. Die Tanz- und die Musiklehrerin helfen dabei, musikalische Elemente in das Theaterspiel zu integrieren. Die Schule bietet auch Flötenunterricht an. Unsere Schüler sind stolz darauf, den Gästen ihre erlernten Fähigkeiten zu demonstrieren.
Dank der Vielfalt an Festen bekommen die Schüler die Möglichkeit, etwas mehr in eine fremde Kultur eingeführt zu werden und so ihren Horizont zu erweitern.

Interview mit dem Freiwilligen Timo Loos aus Hamburg

Foto: Schule

Jedes Jahr kommen Freiwillige aus Deutschland in unsere Schule und arbeiten als Sprachassistenten mit den Deutschlehrerinnen zusammen, um so den Schülern zu helfen, die Deutsche Sprache zu verbessern. In diesem Jahr ist Timo Loos nach Ust-Kamenogorsk gekommen. Im Interview erzählt er über sein Leben und seine Entscheidung, Freiwilliger zu werden.

Guten Tag, Timo! Wir sind Anna und Anastasia und wir sind junge Redakteure. Dürfen wir dir ein paar Fragen stellen? Erzähl bitte über deine Familie und über deine Hobbys.

Ich wohne mit meiner Familie in Deutschland in der Stadt Hamburg. Ich habe drei Brüder, die jünger sind als ich, Mutter und Vater. Wir wohnen in einem Haus am Stadtrand. Ich schreibe gern kurze Texte und Gedichte. Außerdem mag ich Sport und spiele gern Fußball, Tischtennis, Volleyball und Schach. Außerdem reise ich gern.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Freiwilliger zu werden?

Nach dem Abitur, wollte ich nicht direkt weiter lernen, sondern eine Pause machen und reisen. Aber Reisen ist sehr teuer, denn währenddessen verdiene ich nichts. Deswegen musste ich schauen, welche Reisemöglichkeiten es gibt, ohne viel Geld ausgeben zu müssen. Im Internet gibt es verschiedene Möglichkeiten und eine davon war es, als Freiwilliger zu arbeiten. Dort gab es verschiedene Varianten, wohin ich fahren konnte. In der Schule habe ich Russisch gelernt, deshalb wollte ich nach Russland oder in ein anderes Land, wo Russisch gesprochen wird. Ich habe Kasachstan gewählt.

Gefällt dir die Arbeit als Freiwilliger?

Mir gefällt es sehr, Freiwilliger zu sein. Mir gefällt Kasachstan generell sehr gut. Es ist anders als Deutschland. Dieses Land ist viel größer, die Natur ist grandios. Besonders interessant ist es, zu erleben, wie mehrere Kulturen miteinander klarkommen und harmonieren.

Die Arbeit in der Schule macht mir sehr viel Spaß. Ich arbeite gern mit Kindern. Es ist interessant, zu sehen, wie die Schüler Deutsch lernen. Oft benutzen sie russische Redewendungen und übersetzen sie wörtlich ins Deutsche. Das ist manchmal wirklich lustig.

Was hast du über Kasachstan gewusst, bevor deine Reise losging? Was war neu für dich?

Ich wusste, dass dieses Land groß ist, dass die Hauptstadt Astana ist, aber es früher Almaty war. Neu war für mich, dass die Leute hier Russisch sprechen. Ich dachte, dass hier nur Kasachisch gesprochen wird. Die Gastfreundschaft ist extrem groß und herzlich. Das ist sehr interessant, dass hier nicht nur Kasachen, sondern auch Russen zusammen sind. Kasachstan ist auf eine gewisse Weise multikultureller als Deutschland.

Was gefällt dir in Kasachstan am besten? Und was gefällt dir weniger?

Mir gefällt die Natur und das Wetter – immer blauer Himmel. Dagegen gefällt es mir nicht so gut, dass hier alles oft etwas ungeplant und spontan ist. Das ist für meine ordnungs- und planungssicherheitsliebende Seele manchmal nur schwer zu verkraften.

Du sprichst schon sehr gut Russisch. Fällt es dir schwer, Russisch zu lernen?

Mir gefällt Russisch sehr gut, deswegen bin ich ziemlich motiviert, es zu lernen. Ich habe in der Schule Russisch gelernt und glaube, dass ich einer der besten Schüler war. Am Ende habe ich in der Prüfung 14 von 15 Punkten bekommen. Das war aber nur der erste Baustein, wie ich feststellen musste, als ich hier ankam.

Welche anderen Sprachen kannst du?

Ich kann sonst nur Englisch und ein paar Worte auf Spanisch, Italienisch und Französisch.

Danke schön, Timo, dass du die Zeit gefunden hast, auf unsere Fragen zu antworten.