Artikel des Präsidenten der Republik Kasachstan Nursultan Nasarbajews

Der Raum ist das Maß aller Dinge, die Zeit – das Maß aller Ereignisse. Wenn Raum und Zeit miteinander verschmelzen, beginnt nationale Geschichte. Und dies ist nicht nur ein hübscher Aphorismus.

Denn tatsächlich: denkt man an die Geschichte des deutschen, italienischen oder indischen Volkes, so stellt sich die Frage, wie das Gebiet und die großen Errungenschaften dieser Völker in ihrer tausendjährigen Geschichte ineinandergreifen. Natürlich sind das alte Rom und das heutige Italien nicht gleichzusetzen, und doch sind die Italiener zu Recht stolz auf ihre Wurzeln. Die alten Goten und die heutigen Deutschen sind ebenfalls nicht ein und dasselbe Volk, doch sind sie alle Teil des gewaltigen historischen Erbes Deutschlands.

Das antike Indien mit seiner reichen polyethnischen Kultur und das moderne indische Volk werden zu Recht als eine einzigartige Zivilisation betrachtet, deren Entwicklung im kontinuierlichen Lauf der Geschichte fortschreitet. Dies ist der richtige Ansatz, wenn man seine Wurzeln sowie die gesamte nationale Geschichte in ihrer Komplexität und Tiefe begreifen will.

Die Geschichte Kasachstans ist aus der Perspektive der modernen Wissenschaft ebenfalls in ihrer Gesamtheit zu betrachten und nicht in einzelnen Fragmenten. Dafür gibt es überzeugende Argumente.

Erstens entstanden die meisten der protostaatlichen Vereinigungen, um deren Beitrag es im Folgenden gehen wird, auf dem Gebiet Kasachstans und wurden zu einem Element der Ethnogenese der kasachischen Nation.

Zweitens wurden die herausragenden kulturellen Leistungen, von denen nachfolgend die Rede sein wird, nicht von außen in die Steppe hineingetragen, sondern entstanden meistenteils hier auf kasachischem Boden und verbreiteten sich von hier nach West und Ost, Nord und Süd.

Drittens belegen historische Funde der vergangenen Jahrzehnte eindeutig die enge Verbundenheit unserer Vorfahren mit modernsten technologischen Neuerungen ihrer Zeit und erlauben einen ganz neuen Blick auf den Platz der Großen Steppe in der Weltgeschichte.

Schlussendlich sind die Namen einiger kasachischer Stämme und Geschlechter um einige Jahrhunderte älter als das Ethnonym „kasak“, was zweifellos beweist, dass unsere nationale Geschichte in ganz anderen Horizonten zu betrachten ist, als bisher angenommen.

Die eurozentristische Perspektive verstellte den Blick auf die Tatsache, dass Saken, Hunnen sowie prototürkische ethnische Gruppen Teil der Ethnogenese unserer Nation waren. Von grundsätzlicher Bedeutung ist des Weiteren die Feststellung, dass es hier um die Geschichte Kasachstans gilt, die dieselbe ist für viele Ethnien, die seit langer Zeit auf unserem Gebiet leben. Das ist unsere gemeinsame Geschichte, an der viele hervorragende Persönlichkeiten unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit ihren Anteil haben.

Wir brauchen heute einen positiven Blick auf unsere Geschichte. Er sollte sich jedoch nicht auf eine wahlweise, quasi konjunkturelle Beleuchtung des einen oder anderen historischen Ereignisses beschränken. Schwarz und weiß sind unzertrennlich. Gemeinsam bilden sie das unvergleichliche Farbenspiel des Lebens sowohl einzelner Menschen, als auch ganzer Völker. Viele Dramen und Tragödien haben sich in unserer Geschichte abgespielt, blutige Kriege und Konflikte wurden ausgetragen und gefährliche soziale Experimente und politische Umwälzungen vorgenommen. Das dürfen wir nie vergessen. Wir müssen uns unserer Geschichte bewusst sein und sie annehmen in all ihren Facetten und Dimensionen.

Es geht nicht darum, unsere Größe herauszustellen, indem wir die Rolle anderer Völker kleinreden. Es geht darum, unsere Rolle in der globalen Geschichte auf streng wissenschaftlicher Grundlage unaufgeregt und objektiv zu begreifen.

I. Raum und Zeit der nationalen Geschichte

Unsere Heimat, das kann ohne Übertreibung behauptet werden, ist der Ort, an dem viele Dinge unserer materiellen Kultur ihren Anfang nahmen. Vieles, ohne das das Leben der modernen Gesellschaft undenkbar wäre, wurde vor vielen Jahren in unserer Gegend erfunden. Die Bewohner der Steppe schenkten der Welt eine Vielzahl technischer Neuerungen, erfanden Dinge, die nach wie vor in der ganzen Welt zum alltäglichen Gebrauch gehören. In den Geschichtsbüchern finden sich unzählige Fakten über den starken Einfluss der Vorfahren der Kasachen auf den politischen und wirtschaftlichen Lauf der Geschichte in großen Teilen Eurasiens.

1. Reitkultur

Es ist allgemein bekannt, dass die Große Steppe der Welt Pferdezucht und Reitkultur schenkte.

Die Domestizierung von Pferden durch den Menschen nahm ihren Anfang auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan, wie Ausgrabungen in der Siedlung „Botai“ im Norden unseres Landes belegen. Die Domestizierung des Pferdes brachte unseren Vorfahren einen für die damalige Zeit unvorstellbaren Vorteil sowie global gesehen eine Revolution in der Wirtschaft und in der Kriegskunst.

Gleichzeitig markierte die Domestizierung des Pferdes den Beginn der Reitkultur. Der Reiter mit Pfeil und Bogen, Pike oder Schwert wurde zum Symbol der Epoche der Entwicklung mächtiger, durch Nomadenvölker gegründeter Imperien.

Die Darstellung eines berittenen Fahnenträgers wurde zum markantesten Emblem dieser heldenhaften Epoche und zu einem speziellen „Kulturcode“ des durch die Entstehung der Reiterei begründeten Nomadenreichs.

Die Leistung von Fahrzeugmotoren wird bis heute in Pferdestärken gemessen. Diese uralte Tradition ist ein symbolischer Tribut an jene großartige Epoche, da der Reiter das Bild des Planeten prägte.

Wir dürfen nicht vergessen, dass bis in das 19. Jahrhundert hinein die Menschheit die Früchte jener großen Technologierevolution erntete, die von kasachischem Boden ihren Anfang nahm.

Im Zeitalter der Steppenzivilisation entstanden ferner die Grundlagen unserer heutigen Bekleidung. Die Reitkultur begründete die optimale Ausstattung für den Krieger auf dem Pferd. Bequem sollte sie sein und praktisch beim Reiten, und so unterteilten unsere Vorfahren die Kleidung zum ersten Mal in Ober- und Unterbekleidung. So entstanden die ersten Hosen.

Sie brachten dem Reiter Bewegungsfreiheit in der Schlacht. Die Steppenbewohner nähten die Hosen aus Leder, Filz, Hanf, Wolle und Leinen. In den letzten eintausend Jahren hat sich diese Art der Bekleidung grundsätzlich nicht verändert. Die bei Ausgrabungen gefundenen Beinkleider haben dieselbe Form, wie die heutige Hose.

Es ist auch bekannt, dass sämtliche Formen der modernen Stiefel „Nachfahren“ des weichen Schuhwerkes mit Schaft und Absatz sind, das die Nomaden beim Reiten trugen.

Um das Pferd beim Reiten besser in der Gewalt zu haben, erfanden die Steppenbewohner einen hohen Sattel und Zügel. Diese Neuerungen gestatteten dem Reiter einen stabilen Sitz und eine effektive Handhabung seiner Waffe, wie Bogen, Speer oder Schwert, auch aus schneller Bewegung heraus.

Unsere Vorfahren führten das Schießen mit Pfeil und Bogen aus vollem Galopp heraus zur Vollendung, daher veränderte sich auch die Konstruktion der Waffe: sie setzte sich nunmehr aus mehreren Bestandteilen zusammen und wurde einfacher in der Handhabung und treffsicherer und die Pfeile wurden mit Federn besetzt sowie einer Metallspitze, die in der Lage war, Rüstungen zu durchschlagen.

Eine weitere durch die auf kasachischem Boden ansässigen Turkvölker eingebrachte technologische Neuerung war die Erfindung des Schwerts, welches sich durch gerade oder gebogene Form und in Richtung der Klinge geneigten Griff auszeichnete. Diese Waffe wurde zur wichtigsten und am weitesten verbreiteten Angriffswaffe.

Unsere Vorfahren erdachten als erste eine Art Panzerung für Pferd und Reiter aus Blechen. Daraus entwickelte sich später eine schwerbewaffnete Kavallerie – die wichtigste militärische Neuerung der eurasischen Nomaden. In der Zeit zwischen dem 1. Jahrtausend vor und dem 1. Jahrhundert nach Christus entstand daraus eine eigene Waffengattung, die schwere Reiterei, welche für lange Zeit, nämlich bis zur Erfindung und massenhaften Anwendung von Schusswaffen eine nie gekannte militärische Überlegenheit der Steppenbewohner sicherstellte

2. Antikes Hüttenwesen in der Großen Steppe

Die Erfindung der Metallgewinnung eröffnete eine neue geschichtliche Epoche und veränderte den Lauf der Entwicklung der Menschheit grundlegend. Kasachstan, reich an metallischen Erzen unterschiedlichster Art, wurde zu einem der ersten Zentren des Hüttenwesens. Bereits im Altertum waren auf dem Gebiet Zentral-, Nord- und Ostkasachstans erste Formen von Erzbergbau und Schmelzen von Bronze, Kupfer, Blei, Eisen, Silber und Gold sowie der Herstellung von Eisenblech entstanden.

Unsere Vorfahren entwickelten die Herstellung neuer, stabilerer Metallwerkstoffe ständig weiter und entdeckten Möglichkeiten, den technologischen Prozess zu beschleunigen. Davon zeugen bei Ausgrabungen entdeckte Öfen zum Metallschmelzen, Schmuck, Haushaltsgegenstände sowie Waffen aus der Frühzeit. Dies ist Beweis für die hohe technologische Entwicklung der Zivilisationen der Steppe, die unser Land vor langer Zeit bevölkerten.

3. Tierstil

Unsere Vorfahren lebten in völligem Einklang mit ihrer Umwelt und betrachteten sich als untrennbaren Bestandteil der Natur. Dieses Schlüsselprinzip formte Weltanschauung und Wertekanon der Völker der Großen Steppe. Sie besaßen eine hochentwickelte Kultur, hatten ihre eigene Schriftsprache und Mythologie. Herausragendes Element ihres Erbes und Ausdruck künstlerischer Eigenwilligkeit und geistigen Reichtums ist der sogenannte Tierstil. Die Verwendung von Tierbildern im täglichen Leben war symbolhaft für die Nähe zwischen Mensch und Natur und Zeichen der spirituellen Orientierung der Steppenbewohner.

Sie bevorzugten die Darstellung von Raubtieren, vorrangig von Feliden. Vermutlich wurde der Schneeleopard, ein seltener und edler Vertreter der lokalen Fauna – nicht zufällig zu einem der Symbole des souveränen Kasachstans. Dabei spiegelt der Tierstil gleichermaßen die hohen industriellen Fertigkeiten unserer Vorfahren wider. Sie beherrschten die Kunst des gestalterischen Schnitzens ebenso wie die Arbeit mit Metallen: das Schmelzen und Gießen von Kupfer und Bronze sowie die schwierige Methode der Herstellung von Blattgold.
Insgesamt ist das Phänomen des „Tierstils“ als eine der weltweit höchsten künstlerischen Leistungen einzustufen.

4. Der Goldene Mann

Der 1969 im Issyk in Kasachstan entdeckte „Goldene Mann“, unter Kunstwissenschaftlern auch als der „Tutanchamun Kasachstans“ bekannt, gilt als wissenschaftliche Sensation, die unsere Ursprünge ganz neu bewerten läßt.

Dieser Krieger hat einiges zu berichten. Unsere Vorfahren schufen Kunstwerke von höchstem Niveau, die uns bis heute stark beeindrucken. Die kunstvolle goldene Maske des Kriegers zeugt davon, dass die alten Meister die hohe Kunst der Goldbearbeitung perfekt beherrschten. Ferner gewährt sie uns Zugang zu einer reichen Mythologie, die von der Kraft und Ästhetik der Völker der Steppe kündet.

Auf diese Art und Weise priesen die Steppenbewohner die Persönlichkeit des Führers, erhoben ihn in den Rang einer sonnengleichen Gottheit. Die prächtige Ausstattung des Grabfundes erzählt auch von den intellektuellen Traditionen unserer Vorfahren. Auf einem der neben dem Krieger entdeckten silbernen Pokale sind eingekratzte Zeichen zu erkennen. Dies sind Spuren der ältesten je in Zentralasien gefundenen Schriftsprache.

5. Wiege der Turkvölker

Von großer Bedeutung für die Geschichte der Kasachen und anderen Völkerschaften Eurasiens ist der Altai. Seit jeher galten die majestätischen Berge nicht nur als besonderer Schmuck für das Land der Kasachen, sondern auch als Wiege der Turkvölker. Hier begann in der Mitte des ersten Jahrtausends v. u. Z. die Geschichte des türkischen Reiches und damit eine neue Ära in der Entwicklung der Großen Steppe.

Geschichte und Geografie ließen ein ganz eigenes Modell der Kontinuität der Turkstaaten als große Imperien der Steppe entstehen. Im Verlaufe vieler Jahrhunderte lösten sie einander kontinuierlich ab und hinterließen ihre Spuren in der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Landschaft des mittelalterlichen Kasachstans.

Im Prozess der Erschließung ihrer geografisch weitläufigen Gebiete gelang es den Turkvölkern, eine Symbiose zu erschaffen zwischen nomadisierender und sesshafter Lebensweise, was letztendlich zur Blüte mittelalterlicher Städte als Zentren von Kunst, Wissenschaft und internationalem Handel führte. Das mittelalterliche Otrar brachte z. B. einen der größten Denker der Weltzivilisation hervor, Abū Nasr Muhammad al-Fārābī; in Turkestan lebte und wirkte einer der bedeutendsten geistlichen Führer der Turkvölker Hodscha Ahmed Yasawi.

6. Die große Seidenstraße

Die einzigartige geografische Lage Kasachstans im Zentrum des Eurasischen Kontinents begünstigte seit jeher die Entstehung von „Transitkorridoren“ zwischen den Ländern und Zivilisationen. Seit Beginn unserer Zeit wurden diese Landwege in das System der Großen Seidenstraße umgewandelt – ein transkontinentales Netzwerk von Handels– und Kulturbeziehungen zwischen Ost und West, Nord und Süd des Großraums Eurasien.

Sie wurde zu einer stabilen Plattform für die Bildung und Entwicklung des globalen Warenaustauschs und der intellektuellen Zusammenarbeit zwischen den Nationen.

Die wichtigsten Vermittler dieser bedeutendsten Handelsroute der Antike und des Mittelalters, die für eine einwandfreie Organisation und Sicherheit der Verkehrsadern sorgten, waren die Bewohner der Großen Steppe. Der Steppengürtel verband die chinesische, die indische, die persische, die mediterräne, die nahöstliche und die slawische Zivilisation.

Seit ihrer Gründung verlief die Große Seidenstraße stets größtenteils über das Gebiet Türkischer Imperien. Während der Herrschaft der Turkvölker in Zentral-Eurasien erreichte die Große Seidenstraße ihren Höhepunkt und förderte den wirtschaftlichen Wohlstand und das kulturelle Wachstum auf internationaler Ebene.

7. Kasachstan – Heimat der Äpfel und der Tulpen

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Ausläufer des Alatau die «historische Heimat» von Äpfeln und Tulpen sind. Von hier aus siedelten sich diese bescheidenen, aber für die ganze Welt bedeutenden Pflanzen in allen Ländern an. Bis heute ist Kasachstan der Hüter des Vorläufers aller Apfelbäume der Erde – des Asiatischen Wildapfels. Dieser schenkte der Welt eine der häufigsten Früchte unserer Zeit. Die Äpfel, die wir kennen, sind die genetischen Varianten der Früchte unserer Apfelbaum-arten. Auf den antiken Routen der Seidenstraße gelangten sie von den Ausläufern des Transili-Alatau auf dem Gebiet Kasachstans bis zum Mittelmeer und breiteten sich dann auf der ganzen Welt aus. Als Symbol dieser langen Geschichte der populären Frucht heißt eine der schönsten Städte im Süden unseres Landes „Almaty“.

Hier im Tschu-Ili-Gebirge findet man heute noch die Urform der Perle der kasachischen Flora,die Regel-Tulpe. Diese wunderbare Pflanze enstammt den Wüsten und Ausläufern des Tienschan. Von kasachischem Boden aus verbreiteten sich die bescheidenen, aber ungewöhnlichen Blumen allmählich auf der ganzen Welt und eroberten mit ihrer Schönheit die Herzen vieler Völker. Heute gibt es auf der Welt mehr als 3000 Sorten von Kulturtulpen und die meisten davon sind „Nachfahren“ unserer einheimischen Pflanze. In Kasachstan wachsen 35 verschiedene Tulpenarten.

II. Modernisierung des Geschichtsbewusstseins

All diese Fragen erfordern eine ernsthafte Aufarbeitung. Sie betreffen die Grundlagen unserer Weltanschauung – die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft unseres Volkes. Am Anfang dieser Arbeit könnte meiner Meinung nach die Umsetzung einiger großer Projekte stehen.

1. Archiv-2025

In den Jahren der Unabhängigkeit wurde eine umfangreiche Arbeit zum Studium der Vergangenheit unseres Volkes geleistet. Im Rahmen des Programms „Madeni Mura“ erfolgte die Reproduktion der vergessenen Fragmente unserer Geschichte. Viele dokumentarische Belege über das Leben der Vorfahren und ihre einzigartige Zivilisation harren jedoch noch ihrer wissenschaftlichen Aufarbeitung in zahlreichen Archiven auf der ganzen Welt. Daher erachte ich die Auflegung eines Programms für notwendig, „Archiv-2025“, um über sieben Jahre Grundlagenforschung von der Antike bis zur Moderne zu betreiben in allen in– und ausländischen Archiven.

Die Recherche– und Forschungsarbeit der Historiker, Archivare und Kulturwissenschaftler ist auf systemische und langfristige Interaktion mit inländischen und wichtigen ausländischen Archiven zu fokussieren. Diese in jeder Hinsicht wichtige Arbeit sollte nicht zu „akademischem Tourismus“ auf Kosten der öffentlichen Hand werden. Archivierte Daten müssen nicht nur sorgfältig gesammelt, sondern auch aktiv in ein digitales Format umgewandelt werden, das allen interessierten Experten und der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.

Um den Stolz auf die eigene Geschichte zu wecken, muss die Förderung des Patriotismus bereits auf der Schulbank beginnen. Daher ist es wichtig, eine historische und archäologische Bewegung an Schulen und Heimatmuseen in allen Regionen des Landes zu etablieren. Die Kenntnis der nationalen Geschichte schafft für alle Kasachstaner das Bewusstsein einheitlicher Wurzeln.

2. Große Namen der Großen Steppe

Bekanntlich trägt der historische Prozess im Massenbewusstsein hauptsächlich personifizierten Charakter. Viele Nationen sind zu Recht stolz auf die Namen der großen Vorfahren, die zu ganz besonderen Botschaftern ihrer Länder geworden sind.
Zum Beispiel sind weltbekannte Persönlichkeiten vergangener Epochen wie Tutenchamun, Konfuzius, Alexander der Große, Shakespeare, Goethe, Puschkin und George Washington bis heute von unschätzbarem symbolischem Wert für «ihre Staaten» und tragen zu deren positivem Image auf internationaler Ebene bei.

Die Große Steppe brachte auch eine ganze Reihe prominenter Persönlichkeiten hervor, darunter Größen wie Al-Farabi und Yasawi, Kül-Tigin und Baibars, Tauke Khan und Ablay, Kenessary und Abai und viele andere. Deshalb sollten wir zunächst einen Lehrpark, eine Art pädagogische Enzyklopädie der „großen Namen der großen Steppe“ schaffen, in dem Skulpturen zu Ehren unserer berühmten historischen Persönlichkeiten und ihrer Leistungen im Freien präsentiert werden.

Zweitens ist über einen zweckgebundenen Staatsauftrag sicherzustellen, dass unsere großen Denker, Dichter und Herrscher der Vergangenheit durch Verankerung in der zeitgenössischen Literatur, Musik, im Theater und der Bildenden Kunst lebendig bleiben. Neben den klassischen Formaten ist es auch wichtig, das kreative Potenzial alternativer Jugendkunst zu erschließen. Dazu gibt es nicht nur einheimische, sondern auch ausländische kreative Köpfe und Teams einzuladen.

Drittens sind die Aktivitäten im Rahmen der Entwicklung und Verbreitung der populärwissenschaftlichen Reihe „Hervorragende Persönlichkeiten der Großen Steppe“ – „Uly Dala Tulgalary“, die ein breites geschichtliches Spektrum umfasst, systematisch voranzutreiben.

Internationale fachübergreifende Teams müssen gebildet werden, an die neben kasachischen Wissenschaftlern auch ausländische Spezialisten heranzuziehen sind. Leben und Werk unserer nationalen Helden sollen dann sowohl in unserem Land als auch im Ausland bekannter werden.

3. Entstehung eines Turkvölkerreichs

Kasachstan, angestammte Heimat der Turkvölker, ist das heilige „Kara Shahyrak“. Von hier, aus unserer Steppe, machten sich die türkischen Stämme und Völker auf in die Welt und leisteten einen wichtigen Beitrag zu den historischen Prozessen in anderen Ländern und Regionen.

Es gilt, das Projekt: „Zivilisation der Turkvölker: von den Anfängen bis zur Gegenwart“ zu starten in seinem Rahmen 2019 einen Weltkongress der Turkologen in Astana einzuberufen und Tage der Kultur der turksprachigen Volksgruppen und der Präsentation ihrer historischen Artefakte in den Museen der Welt zu organisieren. Wichtig ist auch der Aufbau einer einheitlichen Online-Bibliothek der Werke der Turkvölker nach dem Beispiel von Wikipedia, deren Moderator Kasachstan sein könnte.

Darüber hinaus ist es im Rahmen der Förderung der Stadt Turkestan als eines neuen Regionalzentrums erforderlich, ihre Positionierung auf der internationalen Bühne zu stärken. Die antike Hauptstadt Kasachstans ist nicht nur das geistige Zentrum unseres Volkes, sondern auch eine heiliger Stätte für die gesamte turksprachige Welt.

4. Museum für antike Kunst und Technologie der Großen Steppe

Wir haben beste Möglichkeiten für die Gründung eines Museums für antike Kunst und Technologie der Großen Steppe, „Uly Dala“. Dort können Beispiele für die hohe Kunst und Technologie zusammengetragen werden wie Kunstwerke im Tierstil, der Schmuck des „Goldenen Mannes“ oder Objekte, die die Zähmung des Pferdes, die Entwicklung der Metallurgie, die Herstellung von Waffen und Ausrüstungen beleuchten, sowie andere Artefakte. Die Ausstellung könnte wertvolle archäologische Funde und Anlagen beherbergen, die auf dem Gebiet Kasachstans entdeckt worden sind und den Entwicklungsprozess verschiedener Wirtschaftszweige auf dem Gebiet unseres Landes in bestimmten historischen Epochen widerspiegeln.

Auch ein Nationaler Klub für geschichtliche Rekonstruktion der Zivilisationen der Großen Steppe bietet sich an, der Festivals veranstalten könnte in Astana und den Regionen Kasachstans zu Themen wie die alten Saken, Hunnen, die Ära der großen türkischen Kagane usw. Interessant ist das touristische Projekt für die teilweise Wiederherstellung der antiken Stadt Otrar mit der Rekonstruktion von städtischen Objekten wie Häusern, Straßen, öffentlichen Plätzen, Wasserversorgung, Stadtmauern usw.

Dabei ist es notwendig, sich auf die Verbreitung von Wissen und die Entwicklung des Tourismus in diesem Bereich zu konzentrieren.

5. Tausend Jahre Folklore und Musik der Steppe

Im Rahmen dieses Projekts müssen wir eine „Anthologie der Kunst der Steppenvölker“ erstellen. Diese wird die bedeutendsten Werke der mündlichen Volkskunst der Erben der Großen Steppe des vergangenen Jahrtausends enthalten wie Geschichten, Legenden, Heldengedichte, Sagen und Epen.

Darüber hinaus gilt es, eine Sammlung von «Antiken Motiven der Großen Steppe» zu veröffentlichen, eine Sammlung bedeutender Werke also, die für traditionelle kasachische Musikinstrumente, wie Kobys, Dombra, Sybysgy, Sazsyrnai und andere geschaffen wurden:
Die Folklore und Melodien der Großen Steppe sollen in einem modernen digitalen Format ein neues Leben gewinnen. Für die Arbeit an diesen Projekten ist es wichtig, einheimische und ausländische Fachkräfte einzubeziehen, die in der Lage sind, das reiche Erbe der Steppe nicht nur zu systematisieren, sondern auch zu aktualisieren.

Die wichtigsten Handlungen, Charaktere und Motive unserer Kultur besitzen keine Grenzen und sollten systematisch erforscht und im gesamten Raum Eurasiens und in der ganzen Welt gefördert werden.

Die Modernisierung der mündlichen und musikalischen Traditionen sollte ein Format erreichen, das dem modernen Publikum nahe und verständlich ist.

Antike Texte können insbesondere von Illustrationen begleitet oder in Form von anschaulichem Videomaterial dargebracht werden. Klänge und Melodien wiederum können nicht nur mithilfe authentischer Instrumente, sondern auch in moderne elektronischer Version entstehen.

Darüber hinaus ist es notwendig, eine Reihe wissenschaftlicher Forschungsreisen in verschiedene Regionen Kasachstans und in andere Länder zu organisieren, um nach gemeinsamen historischen Grundlagen der traditionellen Volkskunst zu suchen.

6. Geschichte in Film und Fernsehen 

In der modernen Welt nimmt das Kino einen großen Platz in der historischen Selbsterkenntnis der Völker ein. In der Massenwahrnehmung spielen leuchtende cineastische Bilder mitunter eine bedeutendere Rolle als dokumentarische Porträts in grundlegenden wissenschaftlichen Monographien.

Daher ist es in naher Zukunft notwendig, einen speziellen Zyklus von Dokumentarfilmen, Fernsehserien und Spielfilmen in Produktion zu bringen, der die Kontinuität der kasachischen Zivilisationsgeschichte demonstriert.

Die Arbeit an diesen Projekten sollte im Rahmen einer breiten internationalen Zusammenarbeit mit Beteiligung der besten in- und ausländischen Drehbuchautoren, Regisseure, Schauspieler, Produzenten und anderer Fachleute der modernen Filmindustrie geleistet werden.

Darüber hinaus gilt es, das Genrespektrum der neuen historischen Fernseh- und Filmproduktionen auszuweiten und neben Abenteuerfilmen und romantischen Komödien auch gegenwärtig beim Publikum hoch im Kurs stehende Fantasy- und Actionfilme zu produzieren.

Zu diesem Zweck kann der reichhaltige Fabel- und Folkloreschatz der Großen Steppe genutzt werden.

Besondere Aufmerksamkeit sollte auch der jüngeren Generation gewidmet werden, die dringend hochwertige Kinderfilme und Animationsserien benötigt, um nationale Superhelden zu etablieren.

Unsere berühmten Krieger, Denker und Herrscher verdienen es nicht nur in Kasachstan, sondern auf der ganzen Welt Vorbild zu sein.

Fazit

Vor anderthalb Jahren veröffentlichte ich meinen Artikel „Blick in die Zukunft: Modernisierung des gesellschaftlichen Bewusstseins“, der in der Gesellschaft auf breites Echo stieß.

Die oben aufgeführten Projekte betrachte ich als die Fortsetzung des Programms „Ruchani Shangyru“.

Die neuen Komponenten des gesamtnationalen Programms „Ruchani Shangyru“ gestatten ein modernen Blick auf das jahrhundertealte Erbe unserer Vorfahren und seine Aufbereitung für die Nutzung durch die Generation Digital.

Ich bin überzeugt, dass ein Volk, das sich seiner Geschichte erinnert, sie wertschätzt und auf sie stolz ist, eine große Zukunft hat. Der Stolz auf die Vergangenheit, die pragmatische Bewertung der Gegenwart und der optimistische Blick in die Zukunft sind Unterpfand für den Erfolg unseres Landes.

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