Visionen für die Zentralasienstrategie

Experten diskutieren im Hotel Kasachstan über eine zukünftige Strategie der EU in Zentralasien.
Experten diskutieren im Hotel Kasachstan über eine zukünftige Strategie der EU in Zentralasien. | Foto: EU-Delegation

Bis 2019 möchte die EU eine neue Strategie für Zentralasien vorlegen. Dazu organisierte der EU-Sonderbeauftragte für Zentralasien eine Konferenz in Almaty. Der Tenor: Mehr Kooperation zwischen der EU und Zentralasien ist wünschenswert, kann aber nur auf Augenhöhe funktionieren.

Wie kann Sicherheit und Stabilität in Zentralasien gewährleistet werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich am 25. und 26. April Forscher, internationale Organisationen, Vertreter der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft auf einer Konferenz in Almaty. Zu der Konferenz hatte der Sonderbeauftragte der Europäischen Union für Zentralasien, Peter Burian, geladen. Schließlich will die EU bis 2019 eine neue Zentralasienstrategie vorlegen.

Durch politischen Willen ist vieles möglich

Während der Diskussionen wurde deutlich, dass soziale, ökonomische und (sicherheits-)politische Fragestellungen miteinander verflochten sind und ein Zusammenspiel dieser Bereiche erfordert. Die Teilnehmenden zeigten, wie sie sich die EU dabei als konstruktive Partnerin vorstellen. „Der Staat wird heute herausgefordert“, erklärte Nargis Kassenova, Direktorin des Zentrums für Zentralasienstudien an der KIMEP Universität. Durch eine verstärkte Einbeziehung der Zivilgesellschaft könne dieser soziale, digitale und politische Herausforderungen besser auffangen, was langfristig zu mehr Stabilität führe. Hierbei könne die EU mit ihrer Erfahrung in den Bereichen Bürgerrechte, gleicher Zugang zu Bildung und Gesundheit sowie ihrer Analysekapazitäten eine wertvolle Partnerin für die zentralasiatischen Staaten sein.

Die Konferenz stieß auf reges Interesse.
Die Konferenz stieß auf reges Interesse. | Foto: EU-Delegation

Eine funktionierende Marktwirtschaft sei nur auf Grundlage von Rechtsstaatlichkeit und good governance erfolgreich, unterstrich Marton Krasznai vom Zentrum für Zentralasiatische Forschung der Corvinus Universität in Ungarn. Die Region könne von der Expertise der EU bei der Umsetzung profitieren, um langfristig international konkurrenzfähig zu sein. Geopolitisch seien die EU und die zentralasiatischen Länder außerdem voneinander abhängig. Eine weitere Herausforderung in Zentralasien ist zudem die Kooperation unter den zentralasiatischen Ländern. Rashid Gabdulhakov von der Erasmus-Universität Rotterdam unterstrich die Wichtigkeit der regionalen Vernetzung. Sowohl beim Abbau von Staatsgrenzen als auch bei der mobilen Konnektivität könne die EU Vorbild sein. Die aktuellen Entwicklungen in Usbekistan zeigen, dass durch politischen Willen vieles möglich ist.

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Gesellschaftliche Transformationen

Max Georg Meier von der Hanns-Seidel-Stiftung wies darauf hin, dass die Lebensrealität der Bevölkerung berücksichtigt werden müsse. Religion und Familie bilden zunehmend den Referenzrahmen für die Menschen. Kassenova sieht diesen Trend jedoch eher als Reaktion auf ein ideologisches Vakuum und forderte „eine ehrliche Diskussion über Säkularisierung“. Für Elaine Conkievich von UN Women in Kasachstan ist der Rückzug von Frauen in die Familie ein „Bewältigungsmechanismus“ für die Verdrängung aus dem gesellschaftlichen Leben, vor allem in Turkmenistan und Tadschikistan. Wichtig sei es daher, Frauen durch entsprechende Förderung den Zugang zu Führungspositionen zu ermöglichen. Positiv sei, dass beispielsweise in Kasachstan ein Diskurs sowohl über die Rolle von Frauen als auch von Männern in der Familie begonnen habe.

Beseitigung des „Mangels an Wissen“

Für die konstruktive Erneuerung der Zentralasienstrategie sei mehr wissenschaftliche Forschung und Wissen über die Region unabdingbar, betonte Vladimir Paramanov von der Internet Project and Central Eurasia Analytical Group in Usbekistan. Der „Mangel an Wissen“ über die Region müsse durch mehr interdisziplinare Forschung beseitigt werden. Diesem schloss sich Catherine Pujol vom Französischen Forschungsinstitut in Zentralasien in Bischkek an. Durch von der EU finanzierte Mikroprojekte könne man dieses Manko vergleichsweise schnell beheben.

Insgesamt machten die Teilnehmenden der Konferenz deutlich, dass eine Partnerschaft mit der EU gewünscht ist. Betont wurde jedoch, dass dies nur als gleichwertiger Partner auf Augenhöhe funktionieren kann.