Giftig oder nicht gift, das war die Frage, die sich die 41 Teilnehmer des Internationalen Ökologischen Jugendlagers „Tau-bulak 2010“ gestellt haben, als sie im dsungarischen Alatau Ende Juli auf Pilzsuche gingen. Aber das Programm des zweiwöchigen Ökolagers war noch weit abwechslungsreicher und herausfordernder als die Suche nach Speisepilzen.

/Bild: Rasima Akhmadjewa . ‚Gletscher besteigen, reißende Flüsse überqueren und auf Schneelawinen klettern: das Ökolager Tau-bulak hielt ungeahnte Abenteuer bereit.’/

In der atemberaubenden Korinsskoje-Schlucht im dsungarischen Alatau befindet sich das Camp „Tau-bulak“. In dieser beeindruckenden Kulisse von schroffen Steinwänden, einem reißenden Gebirgsfluss, grünen Berghängen, abgerutschten Lawinen und malerischen Wasserfällen fand Ende Juli das Internationale Ökologische Jugendlager „Tau-bulak 2010“ statt. Im Vordergrund dieser außergewöhnlichen Sommerschule standen die Themen Ökologie und Tourismus. Die Teilnehmer sollten lernen, wie man ein guter Öko-Tourist ist, aber auch erstes Wissen erlangen, um nach weiteren Kursen selbst Ökotourismus-Touren führen zu können. Neben den Theoriestunden im Zelt, waren es vor allem die praktische Anwendung des Neuerlernten, was die 41 Teilnehmer aus Russland, Kirgisistan und Kasachstan herausforderte.

Ökologie und Tourismus live

Veranstalter des Ökolagers „Tau-bulak 2010“ war die Assoziation der gesellschaftlichen Vereinigungen der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ in Taldykorgan. Das ökologische Sommerlager fand im Rahmen des Jahres „Deutschland in Kasachstan 2010“ statt und wurde vom Bundesinnenministerium über die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) finanziell unterstützt.

Die ersten Tage des zweiwöchigen Sommerlagers verbrachten die Teilnehmer im Camp. Dort wurde ihnen beigebracht, wie man in den Bergen überlebt und dazu notwendiges Wissen vermittelt: bspw. wie man mit einem Kompass umgeht und eine Karte liest, wie man am besten seinen Rucksack packt und wie man ein Zelt aufbaut, wie viele Kalorien man auf einem Aufstieg verliert und mit welchen Lebensmitteln man sie am besten wieder konsumiert. Aber auch praktische Übungen standen auf dem Programm. Unter anderem das Üben einiger zum Klettern lebensnotwendiger Knoten, wie Sackstich, Achter- und Prusikknoten.

Schokolade hat mehr Kalorien als Zucker

Die wissenschaftliche Leiterin des Lagers Alexandra Litwinowa, die eigentlich Dozentin für Biologie und Geographie ist, hat einen zweiten Abschluss als Tourismuscoach. In dieser Funktion war sie auch im Camp „Tau-bulak“ tätig. Sie hat den Teilnehmern Grundwissen der Topographie, Geographie und Kartographie vermittelt und beigebracht, wie man in der Natur lebt und überlebt. Dabei wurde dieses Wissen teils im Lager theoretisch besprochen. Einen ebenso wichtigen Teil macht jedoch die Praxis und Übung in der Natur aus.

Eine dieser Praxisübungen war ein eintägiger Ausflug in die nähere Umgebung, bei der die Teilnehmer auf ihrer Naturtauglichkeit überprüft wurden. Auf dem Plan stand die Überquerung des Gebirgsflusses, lediglich durch Beinschlaufen und Beckengurt an einem über dem Fluss gespanntem Seil gesichert. Eine persönliche Herausforderung, aber auch eine außergewöhnliche Erfahrung für manche Teilnehmer. Nachdem alle sicher das andere Ufer erreicht hatten, wurde dort ein Lager aufgeschlagen. Die jungen Männer waren verantwortlich, Feuer zu machen und die Mädchen haben das Essen unter freiem Himmel zubereitet. Alle Teilnehmer haben diese erste Prüfung bestanden. Dem mehrtägigen Ausflug in die Berge bzw. auf einen Gletscher stand nichts mehr im Weg.

Außergewöhnliche Herausforderungen

Für die fünftägige Exkursion in die Berge wurden die Teilnehmer aufgeteilt. Den für alle widrigen Bedingungen ausgestatteten Teilnehmern wurde es freigestellt, sich der einen Gruppe anzuschließen, die während der Exkursion einen Gletscher bestiegen oder mit dem anderen Teil der Gruppe in einem anderen Camp in den Bergen zu bleiben, von wo aus diese mehrer Ausflüge und Erkundungstouren zum nahegelegenen Schluchten und Seen veranstalten wurde. Nikolaj Doroshchuk, Student aus Aktöbe, der mit der zweiten Gruppe unterwegs war, zeigt sich beeindruckt von den Bergen: „Aktöbe liegt im Nirgendwo, ich bin bisher nur Steppe gewöhnt. Die Berge hier sind so imposant, die Natur so unglaublich.“

Unterstützt wurde Alexandra Litwinowa in dem Sommerlager von drei weiteren Ausbildern und drei Freiwilligen. Rasima Akhmadjewa ist eine der Ausbilder. Sie hat ihre Abschlussarbeit über diesen Teil des dsungarischen Alatau geschrieben und ist jedes Mal aufs Neue von der beeindruckenden Natur begeistert und hofft durch ihre Arbeit, den Teilnehmern beibringen zu können, diese Landschaft zu schätzen und zu schützen. „Die Entwicklung des Ökotourismus ist dabei ein wesentlicher Schritt.“

Erste Qualifikation als Öko-Guide

Mit der Teilnahme am Ökolager ist diesbezüglich schon der erste Schritt in die richtige Richtung gemacht, denn am Ende mussten sich die Teilnehmer einer Prüfung über das erlernte Theorie- und Praxiswissen unterziehen. Mit der bestandene Prüfung haben die Teilnehmer nicht nur ein Zertifikat erhalten, sondern gleichzeitig auch die erste Qualifikation erlangt, um später einmal selbst als Ökotourismus-Guide zu arbeiten. Eine Möglichkeit die Nikolaj Doroshchuk, wie er selbst sagt, später gern wahrnehmen möchte.

Nach bestandener Prüfung sowie nach zwei aufregenden und herausfordernden Wochen in den Bergen des dsungarischen Alatau zieht Katerina Mursinzewa aus Taldykorgan ein durchweg positives Resümee. Sie findet, jeder sollte einmal eine solche Erfahrung gemacht haben: „Regen fühlt sich hier anders an als Regen in der Stadt.“

Von Antje Pfeifer

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