Am 6. Juni 2011 fand in der Vertretung des Freistaats Thüringen die Vorstellung des Buches „Vorbild mit kleinen Fehlern – Alltag unterm Bundesadler“ des CDU-Abgeordneten Wolfgang Börnsen auf Kasachisch statt. Unter den hochrangigen Gästen war der Botschafter der Republik Kasachstan in der Bundesrepublik Deutschland, S.E. Dr. Nurlan Onzhanov, sowie der Gesandte und Leiter der politischen Abteilung an der Botschaft der Republik Kasachstan in Berlin Prof. Dr. Adilbek Alzhanov. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Vorsitzenden der Deutsch-Kasachischen Gesellschaft e.V., Manfred Grund, MdB.

/Bild: privat. ‚Abgeordneter Wolfgang Börnsen, Musikerin Lejla Achmetowa, IPS-Stipendiatin Julia Botschkowskaja und Botschafter Dr. Nurlan Onzhanov (von links nach rechts).’/

„Politiker ist zwar ein Beruf, den man mit der Zeit erlernen kann, aber ein Ausbildungsberuf ist es nicht. Schaut man im Berufs-Alphabet unter dem Buchstaben „P“ nach, findet man allerlei: den Pfarrer, den Pathologen, den Personenschützer und den Pförtner. In der offiziellen Liste des Bundeswirtschaftsministeriums stehen insgesamt 343 Berufe zur Auswahl. Aber der Politiker ist nicht darunter“. Darüber berichtete auf unterhalsame Art und Weise Karin Strenz, MdB in ihrem Grußwort.

Sind alle Parlamentarier des Deutschen Bundestages Berufspolitiker? Was bewegt Menschen eigentlich, in die Politik zu gehen? Wie sieht der Alltag eines Abgeordneten aus, der in Plenarwochen zwischen 80 und 90 Stunden arbeitet? Verdient er es, Diäten einzustreichen, insbesondere in dieser Höhe? All diesen Fragen wird in dem Buch „Vorbild mit kleinen Fehlern – Alltag unterm Bundesadler“ des CDU-Abgeordneten Wolfgang Börnsen nachgegangen.
Das Buch wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt; zuletzt ins Spanische und Chinesische. Eine Übersetzung ins Russische und Georgische befindet sich derzeit in Vorbereitung. Das Erscheinen des Buches über den Parlamentarismus auf Kasachisch ist keine Überraschung.

Interesse an Kasachstan

Als neuntgrößtes Land der Welt, angrenzend an die zwei Großmächte Russland und China sowie an die zentralasiatischen Staaten Kirgisistan, Usbekistan und Turkmenistan, erfreut sich Kasachstan in der letzten Zeit wachsenden Interesses. Das nicht zu Unrecht! Seit der Unabhängigkeit 1991 hat sich Kasachstan kontinuierlich aus dem Schatten der früheren Sowjetunion gelöst und einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung mit jährlichen Wachstumsraten von bis zu zehn Prozent erreicht. Das Land ist besonders reich an wertvollen Erden. Es nimmt weltweit einen der führenden Plätze bei Vorkommen von Chrom, Fluor, Eisen, Kupfer, Kohle, Gold, Bauxit und weiteren Rohstoffen ein. All dies macht das Land auch für Deutschland sehr attraktiv.

Die Bundesrepublik ist dabei bestrebt, nicht nur im wirtschaftlichen Sektor mit Kasachstan zusammenzuarbeiten, sondern auch das Land auf seinem Wege zur Demokratisierung zu unterstützen. Letztlich sollen wirtschaftliche und demokratische Reformen parallel verlaufen. 2010 hatte Kasachstan als erster postsowjetischer Staat den Vorsitz in der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa). Auf seine Initiative hin fand am 1. und 2. Dezember 2010 das Gipfeltreffen der Staatsoberhäupter der OSZE-Mitgliedstaaten in Astana statt. Kasachstan spielt eine Schlüsselrolle in Zentralasien und gilt für viele Länder in dieser Region als Vorbild.

Herausforderung Parlamentarismus

Vorbilder machen ab und zu auch Fehler! Das gibt der Autor und Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen aus dem Wahlkreis Flensburg-Schleswig bereitwillig zu. Seit 1987 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages und kennt alle Facetten des Parlamentarismus. Das Wichtigste ist seiner Auffassung nach aber, dass diese Fehler nicht zu groß werden! Selbstkritik und Wissen sind daher von großer Bedeutung. „Ein Mensch ohne Wissen ist wie eine Blume ohne Duft“ zitierte Wolfgang Börnsen daher das kasachische Sprichwort „Білімі жоқ ұл – жұпары жоқ гүл“.

Nach der Bedeutung des Buches gefragt, wies der Autor darauf hin, dass es in seinem Buch um den Parlamentarismus gehe. Dieser sei für viele Länder der Welt eine große Herausforderung. Gerade in sich im Wandel befindenden Ländern bräuchten junge engagierte Leute politisches Wissen aus erfahrenen Ländern. Prof. Dr. Adilbek Alzhanov, der das Buch persönlich ins Kasachische übersetzte, wies darauf hin, dass das Buch bereits an vielen kasachischen Universitäten, überwiegend mit Fakultäten für Politikwissenschaften, verteilt wurde. Wichtig sei, dass jeder engagierte Bürger der Republik Kasachstan Zugang zu solcher Literatur habe. Außerdem unterstrich der Gesandte, dass das Buch sehr unterhaltsam und informativ sei und einen spannenden Einblick in die Arbeit eines Parlamentariers sowie die Abläufe des Deutschen Bundestages gebe.

Erfahrungsbericht und musikalischer Ausklang

Wolfgang Börnsen ist Berichterstatter für Internationale Austauschprogramme; das Internationale Parlaments-Stipendium (IPS) ist eines davon. Daher waren die IPS-Stipendiaten Julia Botschowskaja, Assel Issajewa und Iwan Litwinow aus Kasachstan eingeladen, bei der Buchvorstellung über ihre Erfahrungen mit und in Deutschland sowie mit dem deutschen Parlament zu berichten. Im Anschluss äußerten die Stipendiaten den Wunsch, eine Art Internationalen Parlaments-Stipendiums auch in Kasachstan zu haben. Langfristig werden die drei als Mittler sicher dazu beitragen, die Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan zu fördern, demokratische Werte und Toleranz zu festigen und Verständnis für kulturelle Vielfalt zu vertiefen.

Abgerundet wurde die Buchpräsentation durch die musikalische Untermalung von Lejla Achmetowa, Studentin an der Musikhochschule Hanns Eisler Berlin und Absolventin der Kasachischen Musikakademie Astana. Lejla Achmetowa, die bereits zahlreiche internationale Musikpreise gewinnen konnte, begeisterte sowohl mit kasachischen als auch mit deutschen Stücken auf der Violine.

Von Julia Botschkowskaja, IPS-Stipendiatin (Kasachstan)

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