Ist es die Küche, die Kleidung, die Natur oder BMW X5? Wir haben uns bei Passanten in der Innenstadt von Almaty umgehört und erfahren, was für einen Kasachen am Wichtigsten ist.

Muschwik Agaew, 42 Jahre, Manager

Ich bin selber kein Kasache, ich komme ursprünglich aus Aserbaidschan. Aber ich würde sagen, besonders ist, dass es ein friedliches Zusammenleben gibt. Man spürt diese Aura, wenn man auf dem Flughafen in Almaty ankommt. Es ist eine warme Aura, die schwer zu beschreiben ist. In Moskau ist die Atmosphäre anders, da ist alles hektisch.

Hier ist das anders, es gibt so ein spezielles zentralasiatisches Kolorit. Das steckt in einem drin, aber gleichzeitig entwickelt es sich auch weiter, weil sich so viele Nationen ständig vermischen.

Hansulu Nurschaoba, 60 Jahre, Rentnerin

Wir sind offene und gastfreundliche Menschen. Man bekommt immer eine Antwort, wenn man eine Frage stellt. Und wenn man zu Besuch kommt, wird man immer herzlich empfangen. Wir wollen niemanden beleidigen, das entspricht unserer Natur. Wir sind Menschen mit reinem Herzen und bemühen uns, damit sich alle wohlfühlen.

Karina Zargaryan, 23, Lehrerin

Ich lebe seit 20 Jahren in Kasachstan, also ist das hier meine Heimat – auch wenn meine Familie ursprünglich aus Armenien stammt. Ich finde, die kasachischen Traditionen sind bis heute lebendig, egal ob beim Essen oder wenn es ein Fest gibt. Und Feste sind besonders toll, weil man am Schluss auch noch ein Geschenk bekommt. Das gibt es nirgendwo sonst.
Es gilt die Regel, dass man ein kasachisches Haus nie mit schlechter Laune verlassen darf. Und dafür wird viel getan. Ansonsten sind die Kasachen ziemlich unpünktlich. Das ist wohl auch so eine Eigenheit.

Madina Tleulina, 21, Studentin

Typisch kasachisch ist das Streben nach Luxus. Das heißt, dass die Kasachen zeigen was sie haben. Dazu zählen Handys, teure Autos, Markenklamotten – und je mehr Menschen es sehen, umso besser. Das verleiht einem eine gewisse Autorität in der Gesellschaft. Und das sieht man auch in der Architektur. Es gibt viele glitzernde Gebäude, dazu zählen vor allem die Staatsgebäude. Man versucht damit Macht und Pracht zu demonstrieren. Manche glauben, das sei oberflächlich, aber in Wirklichkeit ist das eine Symbolsprache, die die meisten Kasachen verstehen.

Shassulan Medijev, Wächter

In Kasachstan gibt es viele Traditionen, zum Beispiel Uilenu toi (das Hochzeitsfestmahl) und Besik toi (die Geburt eines Kindes). Diese Feste werden auf besondere Weise begangen.

Die Tradition spielt für die Kasachen eine große Rolle. So muss jeder Kasache seinen Stammbaum kennen. Auch kasachische Frauen müssen sich an den Traditionen orientieren. Sie sind in der Regel höflich und gut erzogen. Und gebärfreudig! Kasachen haben viele Kinder.

 Natalia Filonowa, 51 Jahre, Ingenieurin

Die Kasachen sind sehr gastfreundlich und friedlich, dafür bewundere ich sie. Ich finde das super. Wenn man irgendwo eingeladen ist, wird eine Ziege oder ein Lamm geschlachtet – extra für den Gast. Oder was man sonst da hat, alles wird auf den Tisch gestellt. Ich war auch schon auf kasachischen Hochzeiten eingeladen, und dort kann man genauso viel Spaß haben wie auf einer russischen Hochzeit. Jeder ist da natürlich eigen. Es gibt eigene Traditionen und das respektiert auch jeder. In unserer Familie mischen sich auch einige Ethnien – meine Schwester ist mit einem Türken verheiratet, meine Enkelin ist mit einem Kasachen zusammen. Also das geht wild durcheinander, und das ist bei den meisten so.

Alua Tlekina, 21, Studentin

Die Kultur und traditionelle Kleidung sind typisch kasachisch, zum Beispiel unsere Takhia oder Schapan. Man trägt sie nicht mehr so häufig wie früher, aber es gibt sie schon noch vereinzelt.

Die Küche ist auch typisch kasachisch – es muss unbedingt Fleisch dabei sein und die Gerichte müssen fettig und sättigend sein. Klassisch sind zum Beispiel Beschbarmak, Kurt, Baursak, Kymys und Schubat.

Das Essen spielt auch eine große Rolle, wenn wir Picknick in der Nähe eines Flusses oder in den Bergen machen. Das gehört einfach dazu! Wir mögen diesen gesellschaftlichen Moment, wenn alle zusammen essen und einfach nur die Natur genießen – am liebsten.

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Vom 2. bis 6. Juli 2012 fand in Almaty die VI. Zentralasiatische Medienwerkstatt statt. In dieser Zeit produzierten zentralasiatische Nachwuchsjournalisten gemeinsam mit erfahrenen deutschen Journalisten neben Podcasts fürs Internet auch eigene Artikel. DAZ präsentiert in dieser und den folgenden Ausgaben die Ergebnisse.

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