Eigentlich sollte es eine Ausstellung über Schamanismus in Kirgisistan werden. Doch als die Bevölkerung im April den Präsidentenpalast in Bischkek stürmte und anschließend im Süden des Landes bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten, beschlossen die Organisatoren, das Thema zu ändern. „Kirgistan 2010“ zeigt die kirgisische Revolution aus der Sicht zeitgenössischer Künstler aus Zentralasien und Deutschland. Die DAZ präsentiert eine Auswahl der bewegenden Ausstellung von Nasira Alimbajewa, Kulturmanagerin des Goethe-Instituts in Kirgisistan und Kurator Gamal Bokonbajew, die bis zum 21.09. in der Gallerie Koldo in Bischkek zu sehen war.

Bild: „Grenze“, Jewgeni Boikow, Bischkek
Das Bild zeigt die Grenze zwischen Kasachstan und Kirgisistan. Vor den Unruhen konnten Kirgisen ohne Probleme zu der kasachstanischen Tankstelle fahren. Doch nun trennt sie ein hoher Stacheldraht von den Zapfsäulen. Das Foto zeigt, wie sich die Realität in den Grenzgebieten schlagartig verändert hat.

zentralasia_38_10_2.jpg „Kriegsreste“, Tschinara Tschoturowa, Abdusamat Mifsajew, Dschalalabad
Eine verdreckte Tasse und verkohltes Gebälk – das ist alles, was von einem Haus übrig geblieben ist, nachdem es niedergebrannt wurde. Die beiden Künstler haben die Sachen aus den Trümmern gewühlt. Dabei fanden sie auch den mit Nägeln beschlagenen Knüppel, der als Waffe benutzt wurde. Das Blut ist echt. Neben der südkirgisischen Stadt Osch kam es auch in Dschalalabad und Umgebung zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Kirgisen und Usbeken.
zentralasia_38_10_3.jpg „Kinderbilder“, Natalja Adrianowa, Bischkek
Zwei Wochen nach den Unruhen in Bischkek lud die Künstlerin die Kinder der Nachbarschaft zum Malen ein. Obwohl sie kein Thema vorgegeben hatte, zeichneten die Mädchen und Jungen dasselbe: Leblose Körper, brennende Häuser und Menschen, die ängstlich am Boden kauern, während Soldaten ihre Waffen auf sie richten. Die Bilder zusammen mit der gezeigten Videodokumentation der Ereignisse schockieren besonders.
zentralasia_38_10_5.jpg „Anti-Stress-Therapie“, Nurbosin Oris, Almaty
Dieses Ausstellungsstück lässt den Besucher zur Abwechslung schmunzeln. Im Päckchen steckt eine Nachbildung des Weißen Hauses in Bischkek aus Papier. Mithilfe des Streichholzes soll der Mini-Präsidentenpalast in Brand gesetzt werden. Dabei ausgestoßene Schreie und Flüche wirken laut Bedienungsanleitung beruhigend.

 

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