Das Leistungsvolumen von Unternehmen und Volkswirtschaften wächst nicht gleichmäßig, sondern wellenförmig, also in einem ständigen Auf und Ab, in einem Wechsel von Erfolg und Misserfolg. Schaut man ganz global auf die Entwicklung der Weltwirtschaft in den etwa letzten einhundert Jahren, sieht man, dass bis zum Beginn des II. Weltkrieges Großbritannien die führende Wirtschaftsmacht der Welt und entsprechend das britische Pfund die Weltleitwährung waren.

Folglich konnten die Briten wesentlichen Einfluss auf die Weltgeschehnisse nehmen. Im Verlauf des II. Weltkriegs ging dann die wirtschaftliche Führungsrolle aus objektiven Gründen auf die USA über, die am Ende des Krieges fast zwei Drittel der Weltproduktion erzeugten und de facto die einzige Wirtschaftsnation waren, die den Rest der Welt mit Nahrungs- und Investitionsgütern versorgen konnten. Seit etwa den 1980er Jahren ist der Aufstieg Chinas zu beobachten, welches allein schon auf Grund der schieren Masse von Leuten in absoluten Zahlen Wirtschaftsmacht Nummer eins werden wird. Doch damit ist noch lange nicht gesagt, dass die USA als bisheriger Wirtschaftsgigant in der Versenkung verschwinden werden. Eher im Gegenteil. Mit Erstaunen wird gegenwärtig von manchen, vor allem von eher USA-kritischen Beobachtern registriert, dass sich nach den Krisen und Problemen der letzten 7-8 Jahre das Land wieder auf Erfolgskurs befindet und Europa weitgehend und China teilweise wieder abgehängt hat. Während Europa vor sich hindümpelt und in China die Wachstumsraten stetig zurückgehen, weisen die wichtigsten USA-Indikatoren nach oben, was begleitet wird von wieder zurückgekehrtem Optimismus der Mehrzahl der Bürger. Zum einen überrascht die Vitalität der in den USA besonders wichtigen Finanzbranche. Amerikas Banken haben in 2013 so viel verdient wie nie zuvor. Fast 155 Milliarden Dollar Gewinn fielen an, mehr als in den Boomjahren vor der Finanzkrise 2008. Dazu hat sicher neben der Bereinigung der Bankbilanzen auch das extrem niedrige Zinsniveau beigetragen, dass die Kreditnachfrage kräftig stimuliert hat. Die von der Notenbankchefin in Aussicht gestellte schrittweise Erhöhung des Zinsniveaus dürfte den Bankhäusern auch in der Zukunft steigende Margen sichern.

Ihren neuen Schwung verdankt die Comeback-Nation jedoch zu einem Großteil dem Frackingverfahren, bei dem unter Druck und mit Beigabe von Chemikalien tief unten in der Erde Öl- und Gasquellen freigesetzt werden. Dieses Verfahren hat in 2013 die USA zur weltgrößten Energiemacht gemacht, was sich sowohl in weitgehender Unabhängigkeit von Energieimporten als auch in der Möglichkeit der geopolitischen Beeinflussung der globalen Energiemärkte manifestiert. Autarkie im Schlüsselmarkt Energie macht frei und setzt Kräfte frei. Die gesunkenen Energiepreise treiben die Industrialisierung wieder voran. Nicht nur früher ausgewanderte Unternehmen kehren zurück, auch ausländische Unternehmen investieren wieder sehr stark in den USA. Aus verschiedenen Gründen wendet sich momentan eine nicht geringe Zahl von Unternehmen von China ab und bevorzugt den kaufkraftstarken und von den Rahmenbedingungen her gut kalkulierbaren US-Markt. Der Strompreis von etwa 5 Cent pro kWh ist ein wesentliches Investitionsargument auch für europäische Unternehmen, weil dort mehr als das Doppelte gezahlt werden muss. Neben dem Banken- und Energiesektor beeindruckt die Digitalindustrie als dritte Säule des „neuen Kapitalismus Marke USA“. Firmen wie Google, Facebook, Apple, Amazon, eBay oder Cisco beherrschen bereits heute die Hauptwährung der Zukunft, also das Feld der Bits und Bytes. Von außen kann diesen Unternehmen keiner Konkurrenz machen, das müssen sie schon untereinander tun.

Eine Folge der kurz beschriebenen Prozesse ist die neue Stärke des US-Dollar. Dessen Aufwertung in den letzten Monaten in Relation zu praktisch allen wichtigen anderen Weltwährungen ist aus den genannten Wirtschaftstrends erklärbar und kein Resultat des Wirkens finsterer Mächte. Die Marktteilnehmer entscheiden, wo sie investieren und folglich welche Währung sie nachfragen.

Bodo Lochmann

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