In Kasachstans Hauptstadt leben viele interessante Menschen. In Kooperation mit der Deutschen Botschaft stellen wir diese vor, erzählen ihre Geschichte und berichten, was sie mit Deutschland verbindet. So wie Vitalij Kim (28), der in Göttingen Jura studiert hat und heute Senior Lecturer an der KAZGUU in Nur-Sultan ist.

„2012 habe ich mich nach meinem Bachelorabschluss in Jura dazu entschieden, nach Deutschland zu gehen. Ich habe am Goethe-Institut in Göttingen angefangen, Deutsch zu lernen. Dort habe ich auch Bruno Budenstein (jetzt 91 Jahre alt) getroffen. Er hat mich zu sich nach Hause eingeladen, wo wir jede Woche beim Kaffee zwei Stunden Deutsch gesprochen haben. Es war für mich wichtig, Deutsch nicht nur als Sprache zu beherrschen, sondern auch die Kultur kennenzulernen.

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Nach mehreren Sprachkursen habe ich die DSH-Prüfung bestanden, und bin 2013 zum Masterstudium in Göttingen zugelassen worden, wo ich Jura studiert habe. Das war etwas völlig anderes als der Sprachkurs. An deutschen Universitäten geht es vor allem um Selbstständigkeit und Ehrlichkeit. Du musst deinen Studienplan selbst erstellen und dein Semester gut planen. Es ist sehr anspruchsvoll, in Deutschland zu studieren. Dass alles in Deutsch war, hat es nicht einfacher für mich gemacht. Aber letztendlich hatte ich Glück: Nach drei Semestern hatte ich mein Abschlusszeugnis mit der Note 1.0 – „sehr gut“ – in den Händen.

Gleich nach dem Abschluss wurde mir eine Promotion am Institut für Osteuropäisches Recht an der Christian-Albrechts-Universität Kiel angeboten. Die Promotionszeit war nicht vergleichbar mit dem Masterstudium. Anfangs habe ich mir die Doktorarbeit als eine große, intensive Masterarbeit vorgestellt. Aber das war nicht so: Die Promotion ist eine andere Welt und eine größere Herausforderung, vor allem in Deutschland. Du beschäftigst dich täglich mit ein oder zwei Grundfragen, musst dir deine Zeit selbst einteilen, viel lesen und recherchieren und sehr geduldig sein, bis du endlich eine Antwort auf deine Frage findest. Am Ende konnte ich meine Promotion aber mit summa cum laude abschließen.

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Die dritte Etappe meines Aufenthaltes in Deutschland war das Internationale Parlamentsstipendium (IPS). Ich dachte, als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag sei die Arbeit dem ähnlich, was ich bisher kannte. Doch es geht vielmehr um politische Aktivitäten als um wissenschaftliche Forschung – ich habe eine völlig andere Welt kennengelernt. 2018 war ein sehr spannendes und wichtiges Jahr für Deutschland: Es wurde ein neuer Koalitionsvertrag aufgesetzt, und mit der AfD ist erstmals eine Partei rechts von der Union in den Bundestag eingezogen. In der Zeit habe ich auch viele sehr gute Freunde gefunden. Wir waren ein großes Netzwerk aus 121 Studierenden aus der ganzen Welt. Nach meiner Rückkehr nach Kasachstan wurde ich zum Vorsitzenden des IPS-Alumni-Vereins Kasachstan gewählt. Mir ist es wichtig, dass die IPS-Alumni wieder aktiver werden und trotz unterschiedlicher Lebensmittelpunkte wieder gut miteinander vernetzt werden.

Meine schönsten Erinnerungen an Deutschland sind die ersten Erfolge beim Deutschlernen, das Kombinieren von Wörtern zu vollständigen Sätzen. Im Masterstudium war das Lernen der juristischen Auslegungsmethode ein kleines Wunder. Als ich den ersten Entwurf meiner Dissertation in den Händen hielt, war das ein tolles Gefühl. Aber die allerschönste Erinnerung ist zweifellos die Geburt meines Sohnes, Alan.

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Es war mein Wunsch, zurück nach Kasachstan zu kommen. Ich möchte die Wissenschaft in Kasachstan weiterentwickeln und mich als Wissenschaftler in diesem Land etablieren. Außerdem möchte ich die Erfahrungen und Kontakte aus Deutschland mitbringen. Einige meiner Studenten hier haben angefangen, Deutsch zu lernen, und jeden Freitag sprechen wir über Nachrichten aus Deutschland.

Ich danke meinen Eltern, dass sie mich bei all meinen Plänen sowohl finanziell als auch mental unterstützt haben. In dieser Zeit habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, dass Eltern an ihre Kinder glauben und sie in ihren Entscheidungen bestärken. Ganz herzlich möchte ich mich auch dem Rektor der KAZGUU, Dr. Narikbayev, und dem Dekan der juristischen Fakultät, Prof. Dr. Pen, für ihr Vertrauen und die Unterstützung meiner wissenschaftlichen Rückintegration in Kasachstan bedanken.

Als Schlusswort möchte ich allen jungen Leuten, die sich für das postgraduierte Studium in Deutschland entscheiden, sagen: Per aspera ad astra!“

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