Eine junge Pianistin begeistert Kasachstan. Maia Sepp hat in Moskau und Karlsruhe studiert. Im Juni trat sie mit der bekannten Volkskünstlerin Gulschamilja Kadyrbekowa, die ihre Mutter ist, in der Schambyl-Philharmonie in Almaty auf. Ein Familienporträt.

 

Im klassischen schwarzen Kleid betreten Maia Sepp und ihre Mutter Gulschamilja Kadyrbekowa die Bühne in der Schambyl-Philharmonie. Sie werden an diesem Abend gemeinsam auftreten. Auf dem Programm stehen Schumann, Brahms, Busoni, Milhaud und Poulenc.
Maia Sepp wurde 1985 als Tochter der bekannten kasachischen Pianistin und eines estnischen Violinisten in Tallinn geboren. Als sie zwei Jahre alt war, zog sie mit ihrer Mutter nach Almaty, die ihr im Alter von fünf Jahren den ersten Klavierunterricht gab und noch bis heute ihre Lehrerin ist. Nach dem Abschluss an einem musikalischen Gymnasium in Almaty zog sie nach Moskau, wo sie am renommierten Tschaikowski-Konservatorium studierte. Anschließend ging Sepp für sechs Jahre nach Karlsruhe, um an der Hochschule für Musik zunächst ihren Master und danach das Solistenexamen bei dem estnischen Pianisten Kalle Randalu mit Auszeichnung absolvierte.
Vor zwei Monaten kam die junge Künstlerin zurück nach Kasachstan. „Hier habe ich jetzt die Möglichkeit, Konzerte in der Philharmonie zu spielen“, sagt sie. In Deutschland sei es schwieriger, da ohne Manager und Künstleragentur große Konzerte kaum möglich seien. „Diese Künstleragenturen sind allerdings geschlossene Gesellschaften, in die man nur sehr schwer reinkommt“, so Sepp.
Künstlerische Familientradition. Tochter Maia und Mutter Gulschamilja widmen ihr Leben klassischer Musik. | Foto: Othmara GlasDer Saal wird still. Nach einer Einführung durch Kadyrbekowa zu Ferrucio Busonis Werk beginnt das Konzert mit seinem „Duettino Concertante nach Mozart“. Es folgt vor jedem Stück eine kurze Erklärung zu der jeweiligen Komposition. So auch zu Robert Schumanns „Andante und Variationen für 2 Klaviere, op. 46“, das im 19. Jahrhundert sehr beliebt war, heute aber kaum noch gespielt wird. Die erste Hälfte des Konzerts endet mit den „Variationen über ein Thema von Haydn op. 56a“ von Johannes Brahms.
Obwohl ihr Nachname wahrscheinlich aus dem bayerischen Raum kommt, ist sich die Pianistin ihrer deutschen Wurzeln kaum bewusst. „Ich bin halb Estin, halb Kasachstanerin. Für mich spielen Nationalitäten keine Rolle“, erklärt sie lächelnd. Mit Deutschland verbindet Sepp jedoch die Liebe zu deutschen Komponisten und zu Baden-Baden, wo sie ihr Abschlusskonzert gab. „Ich war auch im Brahmshaus dort. Bei diesem wundervollen Ausblick, den Brahms von seinem Haus aus hatte, kann man verstehen, wie er so wunderschöne Konzerte komponieren konnte.“
Vielleicht kommt es daher, dass sie während ihrer vergangenen Konzerte fast immer Brahms gespielt hat. Aber auch Schumann, der am 8. Juni seinen 206. Geburtstag hatte, spielt momentan für die junge Künstlerin eine große Rolle. Vor allem aber liebt sie es, mit Orchestern zu spielen, wie dem Staatlichen Sinfonieorchester der Republik Kasachstan oder dem Karlsruher Kammerorchester.
Waren die von den Deutschen beeinflussten Kompositionen der ersten Hälfte eher schwermütig, sollte es in der zweiten leichter zugehen. Dafür sorgten die französischen Komponisten Darius Milhaud und sein „Scaramouche für zwei Klaviere“ sowie Francis Poulencs „Capriccio d‘après Le Bal masqué“.
Die Vorbereitungszeit für dieses Konzert war sehr knapp bemessen. „Wir haben uns vor einem Monat spontan dazu entschlossen“, erzählt Sepp. Neben dem Unterricht, den ihre Mutter am Konservatorium gibt, haben sie sich jeden Tag zum Üben getroffen. „Bei einem Konzert mit zwei Klavieren ist das Miteinander das Wichtigste. Man muss zusammen spielen und zusammen atmen – wie ein Organismus. Außerdem sitzen wir uns gegenüber und können nicht die Hände des anderen sehen.“
In den vergangenen Jahren sei es sehr populär geworden, dass Künstler zusammen auftreten, erzählt Kadyrbekowa, die den Titel „Volkskünstlerin Kasachstans“ trägt. Sie begann ihre internationale Karriere 1980, als sie sich beim Viotti-Wettbewerb in Italien gegen 123 Konkurrenten durchsetzte. „Das war damals ein Wunder und ein Riesenerfolg“, sagt Sepp. Während Kadyrbekowa unter klassischen Musikliebhabern in Almaty bereits allseits bekannt ist und immer wieder aufs Neue von sich überzeugen muss, ist für die Tochter der Druck geringer. „Man kennt sie hier noch nicht und ist einfach gespannt, was Maia im Ausland gelernt hat.“
Das Publikum war zumindest an diesem Abend begeistert, und die Pianistinnen wurden mit Blumen überhäuft. Eine Konzertbesucherin sagte anschließend: „Es war sehr schön, aber mir hat die zweite Hälfte besser gefallen. Die war fröhlicher.“
2015 erhielt Sepp ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg für hervorragende Nachwuchskünstler, mit dem sie die Aufnahme ihres Solo-Albums produzierte. Eine eigene Tournee plane sie derzeit aber nicht. Privat höre sie lieber Pop– und Rockmusik, erzählt sie, zum Beispiel Coldplay oder die Fantastischen Vier. Sollte sich die Möglichkeit ergeben, würde sie gerne nach Deutschland zurückkommen. Im Moment aber genießt sie es, wieder näher bei ihrer Familie zu sein und mit ihrer Mutter zu arbeiten.

Hinterlasse eine Antwort

Please enter your comment!
Please enter your name here