Ich habe mit Freundinnen einen ayurvedischen Kochkurs besucht. Wir wollten lernen, wie man mit Ingwer und Gewürzen gegen Wind und Wetter ankämpft und sich vor Husten und Schnupfen schützt. Das war zwar lehrreich aber auch wenig entspannt.

Dass es wenig entspannt zuging, ist bei näherer Betrachtung im Rückblick wenig überraschend. Als ich jedoch noch nicht im Rückblick war, sondern mittendrin im Geschehen, war ich meinem Irrglauben erlegen, dass Leute, die Yoga und Ayurveda betreiben, entspannte Menschen sind. Stimmt nämlich gar nicht. Wenn man sich die Gesundheit und Entspannung hart erarbeiten und vor anderen verteidigen, peinlich genau auf die Gesundheit achten, die Abmessungen der Zutaten einhalten, von heut auf morgen komplett sein Leben ändern und mit einem Mal auf all die leckeren Sachen verzichten muss, ständig Konsequenz und Disziplin gefordert sind und man einen großen Aufwand betreiben muss, um all die seltsamen Zutaten zu besorgen, dann ist das natürlich alles andere als entspannend. Klare Sache. Solch einen Aufwand betreibt freiwillig nur, wer Entspannung dringend nötig hat. Wer schon entspannt ist, braucht kein Yoga.

Das geht mich im Grunde gar nichts an. Es betrifft mich aber dann, wenn solche Leute annehmen, es wäre schon eine Dienstleistung, wenn sie ihre Lebensphilosophien mitteilen und ich solch eine falsch verstandene Dienstleistung bezahlen muss. Damit meine ich selbstverständlich nicht alle Menschen, die Dienstleistungen im Bereich Yoga und Ayurveda anbieten. Man soll ja nicht verallgemeinern. Ich meine vorzugsweise Damen im mittleren Alter, die mit viel Elan versuchen, ihr Leben zu ändern und über Nacht ihr Hausmütterchen-Flair abzustreifen, X Kurse besuchen, um sich schließlich wie von selbst in moderne gesundheitsbewusste Dienstleisterinnen zu verwandeln, indem sie einen Blumenstrauß aus Ernährungsberatung, Lebensberatung, Massagen, Coaching und Kursen anbieten. Und das praktischerweise im eigenen Heim, in ihrem ehemaligen Bügelzimmer; ist ja auch viel persönlicher und gemütlicher.

Mein eigentliches Problem fängt dann an, wenn im neuen wallenden Gewand immer noch ein Hausmütterchen steckt, das ihre Küche und alle, die sich darin aufhalten, maßregelt und kontrolliert. Der Mensch kann trotz großen Wunsches, sich zu ändern, nicht aus seiner Haut. Hausmütterchen bleibt Hausmütterchen. Anstatt reiner Gewürzkunde, worin mein eigentliches Erkenntnisinteresse lag, bekamen wir ständig Belehrungen verpasst, die weit über das Kursthema hinausgingen. Hingegen ließ der Kurs jegliches Projektmanagement mit klarer Aufgabenverteilung vermissen. Unsere Kursleiterin fuhrwerkte hektisch und chaotisch dazwischen, griff in unsere Zuständigkeiten ein und schrie alle Naslang auf, wenn sie um ihre Küche bangte. Sie verbreitete den Eindruck, dass etwas ganz Schreckliches passiert, wenn man zu viel oder zu wenig Wasser an die Suppe gibt, die Zwiebel zu klein oder grob würfelt, zu viel oder zu wenig Kardamom beigibt, das Salatdressing nicht gießt, sondern mit dem Löffel aufgibt und die Suppe nicht am Herd, sondern auf dem Tisch serviert.

Ich für meinen Teil bin bedient und werde nur noch normale Kochkurse besuchen. Ich habe schon einen ins Auge gefasst, der das vielversprechende Motto trägt: „Where is the Beef?“ Das klingt ganz nach meinem Geschmack!

Julia Siebert

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