Der Bürgermeister der Hauptstadt, Adil Dschaksybekow, bereitete zum 8. März ein Geschenk für alle Bewohner. Es präsentierte ein weiteres Franchise-Angebot im Land – das erste Restaurant der Fast-Food-Kette McDonald’s in Kasachstan.

Am 8. März feierte Astana den internationalen Frauentag. War es ein Zufall, dass ausgerechnet an dem Tag auch das Fast-Food-Restaurant eröffnete? Im Gegenteil, das war der Plan des Bürgermeisters – den Festtag und die „Sensation“ zusammenzufassen. Die Möglichkeit, Menschen in ihrer Freizeit zum Konsum zu bewegen, ohne an den Arbeitstag zu erinnern.

Die Lage ist schlau gewählt, es fügt sich perfekt zwischen beide Stadtteile. Sowohl die Bewohner aus dem alten, als auch aus dem neuen Teil der Stadt finden die Lage bequem.
Bei der Eröffnung gaben sich neben dem Bürgermeister auch der McDonald’s Besitzer Kairat Boranbajew und selbst der McDonald’s Präsident Steve Easterbrook die Ehre. Die Begrüßungsrede begann der Bürgermeister. Er betonte, dass das erste Fast-Food Restaurant nicht das letzte im Land sein wird. In Almaty und in anderen Städten des Landes wird man 15 weitere Filialen eröffnen. Und am wichtigsten dabei seien die neu geschaffenen Arbeitsplätze. Dabei verwies man mit gehobenem Zeigefinger auf die aktuell herrschende Wirtschaftskrise im Land.

Der (un)erwartete Asturm

Großzügige 200 Plätze warteten auf die ersten Besucher. Trotzdem kamen mehr Esswillige, als man erwartet hatte. Das PR-Konzept zum Feiertag ging auf. Immer mehr Menschen strömten aus Neugier zur Eröffnung. Es hieß Schlange stehen.

Amerikanische „Kultur“ in Asien

Fast-Food Restaurants gibt es bereits im ganzen Land in Hülle und Fülle. Schnelles Essen ist sehr populär, vor allem wenn es aus dem Westen kommt. Es hat den Geschmack von etwas Neuem und befriedigt Fernweh. Fast Food ist wie viele andere Attribute, die man mit dem Westen oder speziell USA verbindet, im hiesigen zentralasiatischen Alltag angekommen – an westliche Kulturelemente aus Filmen und Musik ist man lange gewöhnt. Nun kann man sich auch an den weltweit genormten Burger– und Sandwich-Variationen in Kasachstan ergötzen.

Von anderer Seite betrachtet

Einerseits empfindet man vielerorts in Astana die Eröffnung eines weiteren Fast-Food Restaurants als positiv. Andererseits wirkt das überregional aufgebauschte Interesse eher verdächtig, vor allem angesichts der großen Sorgen des Landes. Als könnte man damit irgendetwas beeinflussen, kursieren in den sozialen Medien etliche Reaktionen auf die Eröffnung.

Man ist entweder für oder gegen den höchst-umstrittenen Fast-Food-Giganten und sein nicht weniger umstrittenes Essensangebot. Beschparmak versus Big Mac – das führt schon einmal zu amüsanten Kommentaren. Am Ende kann man sich (zumindest als Erwachsener) immer in eine neutrale Position zurückziehen und sich auf die freie persönliche Entscheidung berufen. Die Frage ist auch, wie lange die Kritik bzw. der Diskurs andauern wird. Wie stark waren sie bei den unzähligen zuvor eröffneten Franchise-Unternehmen?

Ideen der Anderen

Neben der fraglichen Essensqualität, stellt sich in Kasachstan noch eine ganz andere Frage. Die nach dem Franchise-Wahn in Kasachstan. Das Wirtschaftsministerium kündigt trotz Krise (oder vielleicht genau deswegen) den Wachstum des Franchise-Marktes für 2016 an. Seit 1996 ist die Zahl der registrierten Franchise-Filialen von 3 auf 495 in 2015 gestiegen. Nach dem Bekleidungs– und Haushaltswaren-, Dienstleistungs– und Online-Markt, soll, den Angaben des Ministeriums nach, insbesondere der Gastronomie– und Nahrungsmittel-Bereich verstärkt ausgebaut werden.

Dabei sind in Kasachstan die Stimmen sehr laut, die die mangelnde Eigenproduktion des Landes kritisieren. Import statt Export ist hierzulande oft die Divise, auch in Sachen Geschäftsideen. Dem Ministerium zufolge, gäbe es wohl auch Zuwachs im einheimischen Franchise-Markt – die Idee der Marke ist auch hier angekommen – und man könne einen Trend zu einheimischen Initiativen ablesen. Doch nationale Unternehmen dürften eher das Schlusslicht der Franchise-Lobby sein, führend sind internationale Großkonzerne, die zwar Investitionen tätigen, aber auch teure Lizenzen verkaufen und harte Regulationen mit sich bringen, außerdem ihre Gewinne im Ausland kumulieren.

An der Entwicklung des Franchise-Markts liest der Ökonom auch gern einmal den Erfolg der staatlichen Wirtschaft ab. Was jedoch für den Westen als zielführend gilt, muss lange nicht der Fall für den entlegenen, kleinen kasachstanischen Markt sein. Nicht jede Infrastruktur ist für die zum Teil harten erforderlichen Standards bereit. Nicht immer führen die Filialen auch zu dem erhofften Umsatz.

Der Burger-Weltrang

Tatsächlich ablesbar wird bald der sogenannte Big-Mac-Index für den kasachischen Tenge sein. Dieser Index stellt aufgrund des weltweiten Preisvergleichs des standardisierten Big Mac-Burgers die Kaufkraft verschiedener Weltwährungen dar. Er gibt somit indirekt und grob (und in einer amüsanten Weise) die Inlandkaufkraft einer Volkswirtschaft wider. Aktuell kauft man einen Big-Mac für 800 Tenge (2,32 USD), gegenüber dem US-Nominal-Preis von 4,93 USD oder dem aus dem Euro gerechneten Preis in Deutschland von 3,86 USD.

Beitrag redigiert und inhaltlich vertieft von Julia Boxler.

Diana Odinzowa, Julia Boxler
(Ergänzungen und Korrektur)

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