DAZ veröffentlicht in dieser Ausgabe die Arbeit von Galina Wassiljewna Zhelesnjowa, der Siegerin im Sprachwettbewerb „Deutsch in meinem Heimatort“ aus Zheskasgan.

Meiner geliebten Oma Emilia Frank gewidmet

Meine Oma Emilia ist Zauberin. Das müsst ihr mir glauben. Denn wie sonst kocht sie ihre feine Hühnersuppe und bäckt einen leckeren Pflaumenkuchen für mich? Und wie köstlich anzusehen ist die gutgebratene Gans, die unsere liebe Zauberin auf den Weihnachtstisch stellt! Sie ist sogar mit dem Osterhasen befreundet! Er kommt jedes Ostern zu uns und bringt viele Süßigkeiten und Geschenke zum fröhlichen Fest. Meine Oma kann auch mit dem Weihnachtsmann telefonieren, ihn zum Weihnachtsfest einladen und ihm unsere Geschenkwünsche übermitteln.

Er besucht uns gern an Weihnachten und bringt viele Geschenke für alle. Wie eine gute Fee führt mich meine Oma oft in das zauberhafte Märchenland. Dort leben meine alten Freunde. Das sind die Bremer Stadtmusikanten: der Esel, der Hund, der Kater und der Hahn, und auch meine Freundinnen – Schneewittchen und Aschenputtel, aber auch mein Lieblingsheld – der brave gestiefelte Kater und viele andere.

Heute ist Sonntag, und ich gehe wieder zu Oma. Bei Oma ist es immer warm und gemütlich. Es riecht nach frischem Gebäck. Oma wartet immer auf mich und freut sich sehr, wenn ich komme. Ich bringe ihr heute schöne Blumen mit. Sie dankt mir dafür, stellt sie in die Vase, lächelt und fragt geheimnisvoll:

„Möchtest du ein Blumenmärchen hören?“

„Gern, Oma! Du kennst doch so viele tolle Märchen!“

Sie gibt mir ein Stück Kuchen, stellt eine Tasse Tee vor mich hin und beginnt zu erzählen.
Es lebte einmal eine Tulpenzwiebel. Sie schlief den ganzen Winter in ihrer Kammer unter der Erde. Dort war es sehr still, dunkel und feucht. Aber eines Morgens erwachte sie plötzlich, da sie über ihrem Kopf oben etwas hörte. “Was ist los?“- murmelte sie unzufrieden. „Wer stört meinen langen, ruhigen Schlaf?“ Sie horchte.

Draußen war wirklich etwas nicht in Ordnung. Es sang und klang, bewegte sich und flüsterte. Die Neugier gab der alten Tulpenzwiebel keine Ruhe, und sie konnte nicht mehr einschlafen. Schnell sprang sie aus dem Bett und streckte ihren langen Hals hoch, so hoch, dass er die Zimmerdecke kratzte und nach oben gelangte. Schwer und lang war dieser Weg ans Sonnenlicht. Aber was sah die müde Tulpenzwiebel, als sie ihren langen Hals mit zwei grünen Blättern aus der Erde heraussteckte?! Der Frühling war da! Die Sonne schien hell über der Steppenweite. Die Lerchen flogen und sangen lustig im zartblauen Himmel. Die bunten Weidenblumen spielten mit dem milden Frühlingswind, und die graziösen Schmetterlinge tanzten feierlich über den Blumen. Es klang ein heiteres Frühlingslied über der glücklichen Erde. Entzückt davon lachte unsere Tulpenzwiebel, und da erblühte in ihren grünen Blättern eine purpurrote Tulpenblume.

Augenblicklich erglänzten schon in der weiten grünen Steppe die Frühlingstulpen wie rote Sterne – ein zauberhafter Schmuck in der schönsten Jahreszeit. “Da kommt der Blumenkarneval, da kommt der Blumenkarneval!“- rief der junge Wind.

Unsere bekannte Tulpe freute sich sehr. Sie wollte tanzen und tanzen, wenn schon so schön die Frühlingsmusik ertönte und sie eine schöne Frühlingslaune hatte. Alle Blumen tanzten einen lustigen Reigen, nickten mit den Köpfen im Takt der Windmusik und sangen ein schönes lustiges Frühlingslied. Das war wirklich ein Karneval der Blumen und der bunten Farben. Plötzlich wurde es still, die Musik verstummte, die Tänzer blieben vor Entzücken stehen, und den Steppensaal betrat ein schöner Blumenprinz.

Alle Blumen begrüßten begeistert ihren schönen Herrn. Die Musikanten begannen wieder zu spielen, und der schöne Blumenprinz ging zu unserer purpurroten Tulpe.

„Sie sind die Schönste in unserem Karneval. Ich möchte mit Ihnen den ganzen Frühling tanzen, meine liebe Prinzessin! Ich habe Sie so lange gesucht, aber erst heute hat mir der schöne Frühling unser Treffen geschenkt!“ Und sie tanzten lange und glücklich eine lange Zeit. Und als der Winter kam, war die schöne Tulpenblume wieder eine Tulpenzwiebel und schlief wieder ein. Aber sie träumte vom geliebten Prinzen, den sie im kommenden Frühling wiedersehen würde.

Ich danke meiner Oma für das neue Märchen. Aber eine Frage ist geblieben. Ich frage schüchtern:

– „Oma, sag bitte, werde ich auch einmal einen Prinzen treffen, der mich sein ganzes Leben lang sucht?“
– „Natürlich, meine Liebe!“
– „Aber wie erkenne ich ihn?“
– „Dein Herz wird dir Bescheid geben.“
Ich umarme Oma. Ich glaube ihr. Meine Oma ist wirklich eine Zauberin, nicht wahr? Habt ihr auch solch eine Oma?

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