Nach dem Zerfall der Sowjetunion begann Deutsch seine Popularität bei den Lernern allmählich zu verlieren. Zahlreiche Institutionen unternehmen jedoch große Anstrengungen, um die Nachfrage nach der deutschen Sprache in Kasachstan wieder zu steigern.

„Wir müssen Deutsch für die Lerner attraktiver machen“, forderte der deutsche Botschafter Guido Herz während des 14. Nationalen Deutschlehrertags in Astana, der unter dem Motto „Neue Methoden – Mehr Erfolg mit und ohne digitale Medien“ stand.

Obwohl der Status des Englischen als internationale Sprache unangefochten ist, nimmt auch Deutsch in Kasachstan eine bedeutende Stellung ein: „In Kasachstan gibt es 600 Betriebe, die im Bereich des Maschinenbaus und der Medizin tätig sind. Wir wissen bestimmt, dass man dort einen Bedarf an deutschsprachigen Mitarbeitern hat“, sagte die Präsidentin des Deutschlehrerverbands Galina Slonowa. Ihrer Ansicht nach wird Deutsch an vielen Schulen im Vergleich mit dem Englischen in seiner Bedeutung herabgesetzt. Es gelte jedoch, Kinder schon in der Schule zu motivieren. Wenn sie wüssten, dass Deutschkenntnisse ihr Studium in einem deutschsprachigen Land ermöglichen, steigerte sich das Interesse sofort. Dabei gibt es eine enge Zusammenarbeit mit deutschen Hochschulen und auch viele Wettbewerbsprogramme, die ein kostenloses Studium ermöglichen.

Kostenloses Studium als Wettbewerbsvorteil

Das Kriterium „kostenloses Lernen“ zählt auch Frauke Woitsch, Fachberaterin Kasachstan der Zentralstelle für Auslandsschulwesen, zu den Hauptvorteilen, aus denen deutsche Schulen ausgewählt werden. Es gibt in Kasachstan sieben Gymnasien, an denen intensiv deutsche Sprache sowie deutsche Kultur unterrichtet werden. In der 11. Klasse müssen die Schüler der deutschen Gymnasien Sprachprüfungen bestehen. Wenn es klappt, bekommen sie das Deutsche Sprachdiplom (DSD). „Eine positive Sache ist, dass die Direktoren solcher Schulen sehr hinter dem DSD-Programm stehen, und die Schüler der oberen Klassen sind immer stark motiviert“, so Woitsch.

Wie Fremdsprachenunterricht heute spannend gemacht werden kann, verrät bereits das Motto des Deutschlehrertages. Die wichtigsten Komponenten zur Motivation zum Studium einer Fremdsprache sind Frauke Woitsch zufolge „Lust, Freude und Begeisterung“. Ein effektives Lehrmittel, auf das die Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts Almaty Susanne Becker während ihrer Präsentation einen Akzent setzte, ist E-Learning. „Elektronisch unterstütztes Lernen“ umfasse eine riesige Vielfalt an Aufgaben sowohl für fortgeschrittene Lerner wie auch für Anfänger, die über digitale Medien vermittelt werden. Becker schränkt allerdings ein: „Nutzung digitaler Medien im FSU ist heute selbstverständlich. Aber E-Learning ersetzt den Präsenzunterricht nicht: Es ist sozialer Faktor. Man muss die goldene Mitte haben“.

Deutschlehrertage sind nach Ansicht des Wiener Experten für Landeskunde und interkulturelles Lernen Roland Fischer sehr wichtig, da sie eine der wenigen Möglichkeiten darstellen, mittels der relativ viele Deutschlehrer untereinander sowie mit deutschsprachigen Experten in Kontakt kommen. „Die Gemeinschaft der Deutschlehrer trifft sich und tauscht Erfahrungen aus. Die Experten aus dem Ausland und Inland kommen auch. Deshalb gibt es jede Menge Gründe, solche Veranstaltungen zu unterstützen. Das machen die deutschsprachigen Länder. Es ist eine gute Investition, wenn man möchte, dass das Deutsch die Konkurrenz zu den anderen Sprachen überlebt“, erläuterte Fischer. Auch Katina Klänhardt, Volontärin des Goethe-Instituts Almaty, sieht als Hauptziele der Veranstaltung zur Förderung der deutschen Sprache das Netzwerk und die Fortbildung der Deutschlehrer. Innerhalb von zwei Tagen konnten die Teilnehmer in Astana verschiedene Seminare besuchen, um neue Kenntnisse über moderne Methoden des Fremdsprachenunterrichts zu erwerben.

Theater zum Abschluss

Abgeschlossen wurde der Deutschlehrertag mit einem Konzert und einer deutschsprachigen Vorstellung der Theatertruppe der deutschen Schule Nr. 46 unter der Leitung von Ulschan Rachmedjanowa, die im Juni dieses Jahres im Rahmen des internationalen Jugendprogramms „Chance“ in Berlin ihr Debut gefeiert hatte. Das Szenarium, in dem die Schüler Jugendprobleme thematisieren, haben sie sich selbst ausgedacht. Ihre Leiterin übersetzte es und half mit der Inszenierung.

Der 14. Deutschlehrertag wurde vom Goethe-Institut in der Partnerschaft mit dem DAAD, der Zentralstelle für Auslandsschulwesen, der Deutsch-Kasachischen Universität, dem Nationalen Deutschlehrerverband Kasachstans, der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland sowie des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur organisiert.
Als Veranstaltungsort wurde das linguistische Gymnasium Nr. 67 gewählt. Der Deutschlehrertag fand zum ersten Mal in Astana statt.

Von Xenia Sutula

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