Der Comic, manchmal eine Mischung aus Karikatur und Unterhaltung ist ein geeignetes Genre, um Gesellschaftskritik zu üben oder auch einfach Tabus zu brechen. In Deutschland scheint es eine Tradition des aufsehenerregenden Comics zu geben.

Im Comic ist politisch unkorrektes und flegelhaftes Benehmen erlaubt, es ist die Würze des makabren Humors. Ohne diese Kunstgriffe funktioniert er gar nicht. Dies zeigt ein Blick in die Geschichte des deutschen Comics: Neben dem „kleinen Arschloch“ zählen Max und Moriz zu den berühmtesten Comic-Figuren.

Die Lausbuben wurden vor 150 Jahren von Wilhelm Busch entworfen. Damals veröffentlichte er eine Bildergeschichte über ihre sieben Streiche, die bis heute von Kindern und Erwachsenen gerne gelesen wird. Ihm zu Ehren tourt gerade eine Ausstellung durch Deutschland, welche ihren Besuchern die Geschichte des Comics vor Augen führt. Selbst heute erscheinen die Streiche von Max und Moriz übertrieben.

Kein Mensch kann sich vorstellen, einfach aus Spaß Schießpulver in eine Pfeife zu geben und dabei Hautverletzungen des Pfeifenrauchers in Kauf nehmen, mutwillig eine Brücke anzusägen und damit andere Menschen in Lebensgefahr zu bringen, oder die Übeltäter zur Strafe einfach zu Mehl zu zermahlen. Mit diesen Bildern schaffte es Wilhelm Busch, das Korsett der Erziehungsmoral zu entlarven. Max und Moritz sollen für ihre Streiche bestraft werden. Die tadelnden Erwachsenen finden härtere Strafen, als es die Streiche der Lausbuben waren, völlig in Ordnung. Der Comic hat sich in Deutschland weiterentwickelt. Heute ist er sogar animiert auf der Leinwand zu sehen. Eines ist jedoch beibehalten worden: die Gesellschaftskritik.

Sensation des Vulgären

Dies zeigen zum Beispiel die politisch unkorrekten Comics von Walter Moers. Er ist berühmt für moralisch unkonventionelle Comicfiguren. In Deutschland scheint das Genre des satirischen Zeichentrickfilms von gesellschaftskritischen Charakteren und übertriebener Nichtbeachtung vorherrschender Konventionen zu leben. Die berühmteste seiner Figuren ist sogar nach einem bleibten deutschen Schimpfwort benannt. Das scheint zu gefallen.

In der Tat scheiden sich hier die Geister. Einige mögen die Comics von Walter Moers für Klamauk oder gar für jugendgefährdend halten. Dabei ist der Reiz des Verbotenen das Entscheidende: wenn Comicfiguren, schimpfen, im vulgären Jargon sprechen und Späße über gesellschaftliche Randgruppen machen, wie zum Beispiel über Behinderte. Diese Sensation des gesellschaftlichen Tabubruchs und makabren Humors scheint attraktiv zu sein.

Amerika ist heute Vorbild

Mit political correctness spielt auch die neue Comic-Serie „Deutsches Fleisch“. Es handelt sich um eine Gesellschaftssatire der Zeichentrickautoren Willy Kramer und Ilja Schmuschkowitsch. Sie haben sich die amerikanischen satirischen Comicserien „South-Park“ oder „Drawn-Together“ zum Vorbild genommen. In ihnen „verwursten“ extrem überzeichnete Charaktere Geschehnisse aus Politik, Medien und Kultur zu zynischen Witzen. Schon der Titel der Serie lässt unweigerlich die Frage aufkommen, ob er diesem Wortspiel entlehnt oder einfach nichtssagend ist.

Dafür sind Figuren und Handlung sehr klischeehaft. Gitti, eine leicht bekleidete Filmchendarstellerin aus der DDR, betreibt einen Imbisswagen, an dem sich alle treffen. In der ehemaligen Industriestadt gibt es keine Arbeit mehr, weil die Chinesen alles billiger produzieren können und das Arbeitsamt Unterhalt für Arbeitslose wie zum Beispiel Malte, „dem Esoteriker und veganen Gutmenschen “ zahlt. Der Einzige, der kein Unterhalt bekommt ist Isssa N’Dhagi. Er ist ein ehemaliger Kindersoldat, ein großer junger Mann mit breiten Schultern, der von Afrika nach Deutschland geschmuggelt wurde, um dort zu arbeiten. Um auch Geld zu bekommen, geht er zum Arbeitsamt. Dort wird er von Gittis Bruder Kowalski, einem bestechlichen Beamten, abgewiesen.

Dieses Pendant zu „South-Park“ wird derzeit in der Mediathek des zweiten deutschen Fernsehens zwischen 22:00 Uhr und 06:00 Uhr gesendet- auf Wunsch der Zuschauer. Der Fernsehsender hatte 2012 sein Publikum gebeten, selbst darüber abzustimmen, welche Sendungen in Zukunft gesendet werden sollen. Gewonnen hatte die Comicserie von Willy Kramer und Ilja Schmuschkowitsch, von dem nun acht Folgen ausgestrahlt werden.

Von Dominik Vorhölter

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