Deutsche Minderheit organisiert sich neu

Das Präsidium auf der Nationalen Konferenz der Deutschen Minderheit Kasachstans in Astana am 17. Oktober 2017.
Teil des Präsidiums der Konferenz (v.l.n.r.): Hartmut Koschyk, Albert Rau, Alexander Schäfer, Darchan Mynbai und Swetlana Kornejewa. | Foto: Veronika Likhobabina | DAZ

Die Deutsche Minderheit hat in dieser Woche ihre Nationale Konferenz abgehalten, um die Zukunft der Deutschen in Kasachstan zu besprechen. Ihre wichtigste Forderung: Mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, um die Deutschen und ihre Sprache zu stärken. Außerdem gab es einige organisatorische Neuerungen.

Die Deutsche Minderheit in Kasachstan stellt sich neu auf. Am 17. Oktober kamen 197 Delegierte aus 14 Regionen in Astana zusammen, um die Zukunft der Kasachstandeutschen zu besprechen. Erst kürzlich wurde der Gesellschaftsfonds der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ gegründet.

Der Fonds wird von einem 17-köpfigen Kuratorium verwaltet, an dessen Spitze Albert Rau steht. Die Delegierten wählten den Parlamentsabgeordneten und ehemaligen stellvertretenden Minister für Investitionen und Entwicklung einstimmig zum Vorsitzenden. Daneben bleibt die Assoziation der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ weiterhin bestehen.

Albert Rau mit Darchan Mynbai | Foto: Veronika Likhobabina | DAZ

Auf der Konferenz waren außerdem Darchan Mynbai, stellvertretender Vorsitzender der Assemblee des Volkes Kasachstans, Hartmut Koschyk, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, und Rolf Mafael, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Kasachstan anwesend.

Die Teilnehmer der nationalen Konferenz diskutierten, in welche Richtung sich die Deutsche Minderheit bis 2021 entwickeln will. Ziel ist es, die Kasachstandeutschen zu stärken und sie in die moderne kasachstanische Gesellschaft zu integrieren. Die dringendsten Probleme sind der Verlust der ethnischen Identität und der deutschen Sprache. Viele Jugendliche aus der Minderheit sehen Deutsch nicht mehr als ihre Muttersprache an. Um dieses Problem zu lösen, sollen mehr Deutsche am öffentlichen Leben in Kasachstan teilhaben. Das betrifft sowohl Unternehmer als auch Deutsche aus Deutschland, die in Kasachstan leben.

Deutsche Minderheit organisiert sich neu | Foto: Veronika Likhobabina | DAZ

In Kasachstan leben heute ungefähr 180.000 Deutsche. Als Teil des Vielvölkerstaates versuchen die Deutschen, sich an den Initiativen des Präsidenten Nursultan Nasarbajew „Blick in die Zukunft: Modernisierung des öffentlichen Bewusstseins“ und „Plan der Nation: 100 konkrete Schritte“ zu beteiligen. Auf der Konferenz wurde dazu aufgerufen, das Staatsoberhaupt bei der Latinisierung des kasachischen Alphabets zu unterstützen.

Die Reform der Staatssprache wird Kasachstan und Europa näher zusammenbringen. Für Europäer ist das lateinische Alphabet einfacher zu lesen als das kyrillische. Bedenkt man zudem, dass Kasachstan ein Beispiel für Stabilität in Zentralasien, und Deutschland die Lokomotive der Europäischen Union ist, kann das neue Alphabet den kasachisch-deutschen Beziehungen neue Impulse geben.

Wladimir Aumann stellte den Delegierten und Gästen der Konferenz außerdem sein erstes Buch aus der Reihe „Berühmte Deutsche Kasachstans“ vor, welches dem Schriftsteller, Literaturkritiker und Übersetzer Herold Berger gewidmet ist.