Das Deutsche Theater (DTK) gehört seit nunmehr 39 Jahren als feste Kulturinstitution zu Kasachstan und der hier lebenden deutschen Minderheit. Seit April nun hat das DTK eine neue Leiterin: Eva Becher. Sie löst damit Natascha Dubs ab, die als künstlerische Leiterin und Direktorin seit 2014 gleich zwei arbeitsintensive Positionen in sich vereinte.

„Ich danke dem Minister für Kultur und Sport der Republik Kasachstan, Arystanbek Muhamediuly, der mir die Aufgaben als Direktorin des Deutschen Theaters übertragen hat. Ich bin eine langjährige Bewunderin des Theaters und der Arbeit von Natascha Dubs. Ich kenne fast die gesamte Truppe und die Mitarbeiter“, so Becher. Die Kasachstandeutsche war Anfang der 2000er die Dramaturgin des Theaters und ist seit langem mit ihm verbunden.

Becher stammt – so wie Dubs – aus Karaganda und war bereits als Produzentin, Mentorin, Sängerin, Eventmanagerin, Festivalorganisatorin, Journalistin, Redakteurin, Drehbuchautorin, TV- und Radiomoderatorin, Schauspielerin sowie Songwriterin tätig. Sie hat an Fernsehshows wie „Voice of Kazakhstan“, „Voice of Kazakhstan. Kids“ und  „X-Faktor“ teilgenommen. Sie ist aktives Mitglied in der deutschen Minderheit und wird dort geschätzt.

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Die Ernennung der 45-Jährigen als Direktorin wurde von der Gesellschaftlichen Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ beim Kultusministerium beantragt. Nachdem das DTK jahrelang ohne eigene Spielstätte auskommen musste, hat es im vergangenen Jahr das frühere  Gebäude des Koreanischen Theaters zugewiesen bekommen. Für die notwendige Renovierung gab es Mittel vom Kultus- und vom Finanzministerium der Republik Kasachstan. Insgesamt benötigt das Theater jedoch 8,7 Millionen Tenge (ca. 20.365 Euro). Daher hat die „Wiedergeburt“ beschlossen, das Theater zu unterstützen und richtete einen Spendenaufruf  an deutsche Unternehmen.

Insgesamt kam eine Summe von 6,61 Millionen Tenge zusammen. Gespendet haben die „Sonnenenergie AG“ (4,3 Mio. Tenge), der „Wiedergeburt“-Vorsitzende Albert Rau (500.000 Tenge), der Vorsitzende der Gesellschaft der Deutschen in Pawlodar und Unternehmer Viacheslaw Ruf (500.000 Tenge), der Direktor des Landwirtschaftsunternehmens „Rodina“ Johann Sauer (450.000 Tenge) und die Firma „Böhmer Armaturen“ (860.000 Tenge). Albert Rau hofft, dass die neue Direktorin die Arbeit des Theaters auf ein grundlegend neues Niveau bringt und das Zusammenspiel von künstlerischem und Leitungspersonal verbessert, um die günstigsten Bedingungen für eine erfolgreiche gemeinsame Kreativität zu schaffen.

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„Meine Aufgabe als Teamleiterin ist es, alles zu tun, damit das Deutsche Theater zu einem beliebten und lebendigen Ort wird, der den Geschmack beeinflusst, die Seele erweckt, und Menschen versammelt, die echte Kunst schätzen. Ein Theater, das für ein gutes, schlaues und intellektuelles Publikum lebt, und das frisch und fortschrittlich bleiben will“, sagt Becher. Sie wolle die enge Zusammenarbeit mit der „Wiedergeburt“ suchen und dabei vor allem die junge Generation ansprechen.

Dubs begrüßt ebenfalls die Ernennung einer neuen Direktorin: „Das ist ein gutes Ereignis für das Theater. […] Ihre Seele gehört der Kunst. Viele Menschen in Almaty und Kasachstan verbinden die deutsche Gesangskultur mit dem Namen Eva Becher. Ich bin sehr zufrieden mit ihrer Ernennung, denn für mich ist es eine große Unterstützung. Wir kennen uns schon lange, wir schauen in die gleiche Richtung, und wir wünschen uns gleichermaßen, dass das deutsche Theater ein wichtiger Teil der Kultur der Deutschen in Kasachstan bleibt.“

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Die neue Direktorin ist bereit, das Deutsche Theater innovativer und moderner zu gestalten. „Ich habe die Ideen des Regisseurs Arthur Kraus kennengelernt und unterstütze sie voll und ganz“, so Becher. „Die ganze Welt steht am Rande des globalen Wandels in allen Bereichen des menschlichen Handelns. Der Mensch, seine Gewohnheiten, Ziele, Wünsche und sein Lebensstil ändern sich. Das Internet ist der Katalysator für diese Veränderungen, und keine Produktion kann heute mehr darauf verzichten.“

Das Theater solle zu einer eigenen Informationsquelle werden, meint die Direktorin. Die neuen Produktionen sollten den modernen Anforderungen gerecht werden: nicht zu lang, aber spektakulär und interaktiv sein, moderne Technologien nutzen, aber auch einen historischen Hintergrund haben. „Theater soll zum Diskutieren anregen.“

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