Dass Kunst und Design aus Deutschland auch in Kasachstan Anklang finden, zeigen die Studenten der Kasachischen Nationalen Kunstakademie, benannt nach Temirbek Schurgenow (KAZNAI). An der Fakultät für Design wurde am vergangenen Samstag ein Deutschzentrum eröffnet.

Deutsch baut Brücken. Davon ist Gulmira Tulegenowa überzeugt. Die Dozentin an der Kasachischen Nationalen Kunstakademie KAZNAI konnte am 28. April stolz die Türen des neueingerichteten Deutschzentrums eröffnen. „Kunst, Literatur, Musik und Gestaltung haben keine Grenzen“, sagte sie während der Eröffnungsfeier.

Obwohl gerade einmal 30 Studierende der Fachrichtungen Möbeldesign und Innenarchitektur bei ihr Deutsch lernen, initiierte die resolute Kasachin mit Hilfe des Goethe-Instituts und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Kasachstan den Aufbau des Zentrums. Die Studenten des zweiten und dritten Studienjahres gestalteten den Raum entsprechend.

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Von Goethe zu Abai

Gulmira Tulegenowa führt durch das neueröffnete Deutschzentrum an der KAZNAI.
Gulmira Tulegenowa führt durch das neueröffnete Deutschzentrum an der KAZNAI. | Foto: Autorin

Tulegenowas Ziel ist es, die Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan weiter auszubauen. So wies sie in ihrer Rede immer wieder auf die Verbindungen zwischen der deutschen und der kasachischen Sprache hin. Lermontow habe Gedichte des „großen Goethe“ ins Russische übersetzt, welche wiederum von Abai ins Kasachische übertragen wurden. Mehrere Studierende trugen Goethes Gedichte auf Deutsch, Russisch und Kasachisch vor. Anschließend spielte eine Studentin ein kasachisches Volkslied auf der Kobys, bei dem sogleich alle anwesenden Kasachen in den Gesang einstimmten. Wie wichtig die deutsche Sprache im akademischen Bereich ist, betonte auch DAAD-Leiter Bartholomäus Minkowski. „Das Deutschzentrum ist ein weiterer Baustein und Beleg dafür, dass die Kooperation zwischen kasachischen und deutschen Hochschulen weiterhin vor allem über die deutsche Sprache funktioniert. Sie bleibt trotz der Bedeutung des Englischen ein Integrationsbaustein zwischen beiden Ländern.“

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Neue Designs aus Kasachstan

Den Austausch mit deutschen Universitäten und Fachhochschulen erweitern will auch Tulegenowa. Bereits seit 2009 besteht eine Partnerschaft mit der Fachhochschule Aachen. Außerdem können Studenten Auslandssemester in Münster absolvieren. Alexander Göttmann war als Vertreter der FH Aachen bei der Eröffnung anwesend. Der kasachstandeutsche Künstler lobte die Studenten aus Kasachstan für die Vielzahl an Projekten, die sie als Austauschstudenten durchführen und ihre für Deutschland neuen und ungewohnten Designs.

Eva Schmitt, Leiterin des Goethe-Instituts in Almaty, schnitt zusammen mit Göttmann und KAZNAI-Rektorin Bibigul Nussipschanowa ein rotes Band anlässlich Eröffnung durch. „Ich bin mir ganz sicher, dass das Zentrum einen großen Einfluss haben wird. Für mich sind Kunst und Design eine der Grundlagen der gesellschaftlichen Entwicklung. Sie können den Blick der Gesellschaft auf bestimmte Themen verändern“, sagte sie. Anhand des bisherigen Austauschs sehe man bereits, dass sich die Gruppen der Studierenden gegenseitig beeinflussen, so Schmitt.

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100 Jahre Bauhaus

Viele geladene Gäste kamen zur Eröffnung in die KAZNAI
Viele geladene Gäste kamen zur Eröffnung. | Foto: Autorin

Ein Beispiel deutscher Kunst ist der sogenannte Bauhausstil. Das Bauhaus als Inbegriff für moderne und avantgardistische Kunst des 20. Jahrhunderts feiert im kommenden Jahr sein hundertjähriges Bestehen. 1919 gründete Walter Gropius in Weimar das Staatliche Bauhaus als Kunstschule. Der Stil des Bauhauses lässt sich auch Begriffen wie Funktionalismus, Klassische Moderne oder Neue Sachlichkeit zuordnen. In Almaty haben zum Beispiel das Kinotheater „Zelliny“ oder der Palast der Republik Elemente dieses Stils.

Das Bauhaus spielt auch an der KAZNAI eine große Rolle. Ende März entwarfen Studenten der Kunstakademie Kostüme und Requisiten für das Deutsche Theater in Almaty. Anlässlich des bevorstehenden Jubiläums führte das Theater das „Triadische Ballett“ von Oskar Schlemmer auf – ein experimentelles Ballett, das mit seinen geometrischen und raumdimensionalen Elementen den Bauhausstil aufgreift.

Einige Studierende haben ihr Interesse für Deutschland und seine Sprache auch erst durch die Kunst entwickelt, wie zum Beispiel Ainura Saujajewa, die Innenarchitektur studiert: „Wir hatten eine Vorlesung über das Bauhaus. Deutsch ist etwas Neues für mich und dadurch sehr spannend.“ Und Tulegenowa fügt hinzu: „Bauhaus ist ein deutsches Wort, aus dem sich schon die Verbindung nach Deutschland ergibt. Das Interesse der Studenten ist da. Ohne sie wäre ich nichts.“

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